GEFF HARRISON - mehr als ein halbes Jahrhundert auf den Bühnen dieser Welt

Twenty Sixty Six And Then existierten von 1970 bis 1972. Ein sehr kurzer Abschnitt nur in der langen Musikkarriere des Sängers Geff Harrison. Die Geschichte und Geschicke von 2066AT werden in der eclipsed-Ausgabe 05/2017 beleuchtet. Hier aber soll es um Geff Harrison gehen, der in den frühen 60er Jahren mit der Musik begann, nach Deutschland übersiedelte und bis heute in Hamburg wohnt. Sein Deutsch hat einen britischen Akzent, ist aber sonst einwandfrei. Bezeichnend, dass es über ihn zwar einen deutschen, aber keinen englischen Wikipedia-Eintrag gibt.

Immer wieder entschuldigt sich Harrison im Gespräch, dass er womöglich zu viel erzählt. Doch keine Spur davon – höchst unterhaltsam, was er zum Besten gibt, und höchst sympathisch, wie er es zum Besten gibt. So entsteht ein Portrait, das einen Mann zeichnet, der die Musik lebt und nicht davon lassen kann.

eclipsed: Dein Wikipedia-Eintrag gibt zwei mögliche Geburtsjahrgänge an. 1947 oder 1948. Du hast nun die Gelegenheit, die Wahrheit zu sagen.

Geff Harrison: Oh, ich war früher sehr eitel. Und um die Mädels zu beeindrucken, habe ich mich jünger gemacht. Ich bin tatsächlich 1946 geboren. Ich hielt das damals mit Johnny Logan, der sang „What’s another year?“

eclipsed: Du hast in ganz jungen Jahren die Beatles kennengelernt.

Harrison: Mein allererster Auftritt war am 1. August 1963 in Manchester. Ein Jahr später, 1964, bin ich mit der Band The Chasers im Vorprogramm der Beatles aufgetreten. Das war im Oasis-Club in Manchester. Das ist der Club, der angeblich die Gallagher-Brüder zur Namensgebung ihrer Band Oasis inspiriert haben soll. Wir waren damals total stolz, wir waren ganz jung, hatten keinerlei Erfahrung. Es gab nur eine Garderobe. Davor standen zwei Gorillas. Wir hatten 90 Sekunden um uns umzuziehen und dort haben wir die Beatles getroffen. John war total freundlich, Paul nicht so. Vielleicht hatte er einen schlechten Tag. Der Tag hatte aber auch einige bittere Momente. Wir durften 15 Minuten spielen. Vier Busse voller Mädels aus Liverpool wurden nach Manchester gefahren. Und die haben so laut gekreischt, dass man von uns keinen Ton gehört hat. Das war schade. Aber ich möchte dieses Erlebnis nicht überbewerten. Es war nur ein Tag in meinem Leben. Aber den werde ich natürlich nicht vergessen.

eclipsed: Wie bist du nach Deutschland gekommen? Und wieso bist du in Deutschland geblieben?

Harrison: Als ich in Manchester zur Band Some Other Guys gehörte, hat uns unsere Agentur nach Deutschland geschickt. Hauptsächlich, um vor Soldaten auf US-Army- und US-Air Force-Basen zu spielen. Und dann habe ich mich verliebt und bin in Deutschland geblieben.

eclipsed: Dann hat das mit den Mädels ja geklappt. Anderes Thema: Was geschah nach der Auflösung von Twenty Sixty Six And Then 1972?

Harrison: Mit Twenty Sixty Six And Then hatten wir noch Aufnahmen in München, unter anderem mit Donna Summer und Curt Cress. Aber daraus ist dann nichts mehr geworden. Unser Gitarrist Gagey Mrozeck stieg bei Kin Ping Meh ein und nahm mich mit. Drei Jahre später bin ich wieder ausgestiegen. Die Scorpions sind mal in unserem Vorprogramm aufgetreten. Allein 1974 hatten wir mit Kin Ping Meh 300 Konzerte. Ein Wahnsinn, wenn man sich das heute vorstellt. Reich geworden sind wir trotzdem nicht.

eclipsed: Danach hast du eine Solokarriere gestartet.

Harrison: Ja, erst unter meinem eigenen Namen, ab den 80er Jahren auch als Richie West. Auf meinem ersten Soloalbum „Salford“ war der Song „Death Of A Clown“ drauf. Diesen Song habe ich damals für die Teldec zusammen mit Achim Reichel aufgenommen. Er gefiel dem damaligen Vorsitzenden der FDJ in der DDR so gut, dass ich zu Konzerten in die DDR eingeladen wurde. Ich bin zu einem kleinen Superstar in der DDR geworden. Da habe ich vor 15.000 Leuten in Stadien gespielt. Einmal in Rostock in einer Halle mit 12.000 Leuten. Ich bin da sehr stolz drauf. Das war einfach nur Rockmusik, keine Politik. Am Ende sind aus der Einladung acht große Tourneen in den 70er und 80er Jahren geworden. Das Publikum dort war fantastisch, dankbar und nicht so übersättigt wie im Westen. Ich bin aber auch Menschen begegnet, die mir vorwarfen, dass ich Teil der kapitalistischen Ausbeutung sei. 

eclipsed: Erzähl bitte von deinen Erlebnissen mit Dieter Bohlen.

Harrison: Das waren keine so schönen Erfahrungen. Ich bin ja nicht nur Sänger, sondern auch Komponist, Texter und Produzent. Ich bin mit Dieter Bohlen vor Gericht gelandet. Es ging um 17 Lieder von Modern Talking. Er sagt, ich hätte die englischen Lyrics zu diesen Liedern nur korrigiert. Ich sage, ich habe diese 17 Texte geschrieben. Das Ganze schien aussichtslos für mich. Dieter hatte die große Ariola hinter sich, ich musste einen Kredit aufnehmen. Am Ende haben wir uns außergerichtlich geeinigt und er hat mir einen ordentlichen Batzen Geld überwiesen.

eclipsed: Wie sieht deine Verbindung zu Herman’s Hermits aus?

Harrison: Ich bin mit dem damaligen Gitarristen in Manchester zur Schule gegangen. Später hat er auch die Leadvocals übernommen. Wir sind in Kontakt geblieben und irgendwann haben wir auch ein paar Songs für die Hermits zusammen geschrieben, die dann auf drei oder vier Singles veröffentlicht wurden.

eclipsed: Was liegt jetzt an?

Harrison: Ich kann einfach nicht die Finger von der Musik lassen. Ich habe immer noch viele Auftritte mit meiner aktuellen Band The Glowballs. Wir machen Pop-Rock. Keinen Hardrock. Es gab auch neue Aufnahmen mit vielen eigenen Stücken. Im Mai 2017 wird auch ein altes Album von mir neu aufgelegt. Das heißt einfach nur „Geff Harrison Band“.

Wer Anfang Juni und Ende Juli zufällig auf Borkum, der größten und westlichsten der ostfriesischen Inseln Urlaub machen sollte, hat Glück. Dort geben The Glowballs mit Geff Harrison am Mikro ein jeweils einwöchiges Gastspiel. Da kann man den Vollblutmusiker, der seit 50 Jahren nicht den Haarschnitt gewechselt hat (Harrison: „Aber meine Haare sind etwas dünner geworden.“) live erleben.

*** Interview: Bernd Sievers

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