Gitarrist BJØRN RIIS etabliert sich auch abseits von Airbag als Ausnahmekünstler

6. September 2017

Bjorn Riis Airbag

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Mit seinem zweiten Soloalbum „Forever Comes To An End“ hat sich Bjørn Riis auf beeindruckende Weise von seiner Hauptband Airbag emanzipiert. Im Interview plaudert der 40-jährige Familienvater über stilistische Abgrenzung, das neue Roger-Waters-Album und volle Windeln.

eclipsed: Bjørn, du stellst mit dem Titeltrack den härtesten Song an den Anfang deines zweiten Soloalbums. Ein echtes Statement!

Bjørn Riis: „Forever Comes To An End“ sollte eigentlich schon auf meinem Solodebüt „Lullabies In A Car Crash“ drauf sein, aber damals passte er nicht so richtig zum Rest. Live haben wir ihn allerdings gelegentlich gespielt. Er hat aber auch eine weichere Seite. Ich denke, es ist uns gelungen, eine wirklich gute Balance zu schaffen.

eclipsed: „Lullabies In A Car Crash“ war musikalisch sehr nah an deiner Hauptband Airbag. Wolltest du dich diesmal bewusster abgrenzen?

Riis: Nicht unbedingt. Es gibt Musiker, die gründen Soloprojekte, um sich stilistisch weiterzuentwickeln, ich gehöre eigentlich nicht dazu. Ich kann mich nicht hinsetzen und sagen: So, jetzt schreibe ich mal einen jazzigen Song. Das funktioniert nicht. Ich spiele einfach mit der Gitarre oder dem Piano drauflos und schaue, was ganz natürlich dabei herauskommt. Ich finde aber, dass man, zumindest was die Produktion angeht, diesmal auch meine Liebe für düster-epische Filmsoundtracks heraushören kann. Darüber hinaus bestanden die Songs auf „Lullabies In A Car Crash“ ja im Prinzip vor allem aus Ideen, die ich für Airbag vorbereitet hatte. Aber da Asle [Tostrup; Airbag-Sänger] sich damals eine Auszeit nahm, um eine Weltreise zu unternehmen, nutzte ich die Ideen eben selbst.

eclipsed: Verfolgst du die Karriere eines Steven Wilson, der solo ständig neues Terrain erobert?

Riis: Auf jeden Fall, er war schon immer eine riesige Inspiration für mich. Was er für den Prog geleistet hat, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Er hat vor allem mit Porcupine Tree einer ganzen Generation von jungen Musikern Türen geöffnet.

eclipsed: Auch als Sänger machst du inzwischen eine absolut überzeugende Figur.

Riis: Ich habe da im Laufe der Jahre sicherlich etwas mehr Selbstbewusstsein entwickelt. Auf den Airbag-Demos habe ich ja immer schon gesungen, jetzt fühlt es sich aber besser an. Denn, wie gesagt, diesmal habe ich die Songs ja wirklich auch für mich selbst geschrieben.

eclipsed: Klingt deine Musik in irgendeiner Weise typisch norwegisch?

Riis: (lacht) Du meinst, ob ich meine Songs irgendwo in einer düsteren Hütte in einem verregneten Fjord schreibe? Nein, solche Klischees erfülle ich nicht. Oft schreibe ich sogar in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit.

eclipsed: Du bist Kindergärtner, stimmt‘s?

Riis: Ja, aber meine Gitarre ist immer dabei. Wir singen dort viel, aber ich muss auch jede Menge Windeln wechseln. (lacht) Ich bin sehr glücklich damit, und der Job gibt mir darüber hinaus die Freiheit, keine Kompromisse eingehen zu müssen. Ich muss keine Alben herausbringen, um zu leben.

eclipsed: Du wirst als Gitarrist immer wieder mit David Gilmour oder Steve Rothery verglichen. Stört dich das?

Riis: Nicht wirklich, aber meine ersten echten Gitarrenhelden waren eher Ace Frehley und Tony Iommi. Die Riffs von Kiss und Black Sabbath trage ich seitdem in mir. Pink Floyd und David Gilmour im Besonderen habe ich erst in den späten Achtzigern lieben gelernt. Ich mag glaube ich vor allem Gitarristen, die ein besonderes Verständnis für Melodie und Ton haben. Billy Gibbons, Joe Satriani und Zakk Wylde schätze ich auch sehr.

eclipsed: Das neue Album von Roger Waters wird derzeit heiß diskutiert. Wie findest du es?

Riis: Meine Erwartungen waren ehrlich gesagt nicht besonders hoch, weil er bis auf „Amused To Death“ keine besonders guten Solosachen produziert hat. Aber „Is This The Life We Really Want?“ ist wirklich exzellent. Ich mag die Produktion, den Sound und auch viele seiner Songs. Es ist auch in seinen Aussagen ein wirklich zeitgenössisches Album.

*** Interview: Mike Borrink

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