BLACK SABBATH - Von der schwäbischen Provinz in die Welt

28. April 2017

Black Sabbath

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„Meine Schlaghosenjeans flatterten, als stände ich draußen im Wind“, erinnert sich Alex Wilson an den Effekt seines ersten Black-Sabbath-Konzerts im November 1969 im schottischen Dumfries. Danach hätte sich sein Leben verändert, sagt der Brite, denn noch nie hätte er derart schwere Powerriffs gehört. Ähnliches berichten die Zeitzeugen von Sabbaths ersten Gigs in Deutschland. Obwohl der Jazzanteil der Gruppe zu dem Zeitpunkt noch immens war und Tony Iommi schon mal die Flöte auspackte, waren es seine unheilvollen Gitarrenriffs, die den Heavy Metal in die Provinz brachten, sei es in Dumfries, Göppingen, Schorndorf oder Schwäbisch Hall.

Iommi war nach einem kurzen Intermezzo bei Jethro Tull im Dezember 1968 (u. a. bei Tulls Gastauftritt im Rahmen des „Rolling Stones Rock And Roll Circus“) wieder zu Earth, wie Sabbath bis August 1969 offiziell hießen, zurückgekommen. Auf das Ende dieser Episode angesprochen, antwortet er lapidar: „Ich wollte wieder mit meinen Kumpels spielen“. Dabei wäre es ihm bei den damals schon erfolgreichen Tull finanziell besser gegangen. Doch Iommi war zu sehr mit seinen Buddys aus Birmingham verbunden. Sie gingen gemeinsam, ohne viel Geld zu verdienen, durch die harte Schule der Miniclubs und skurrilen Auftrittsorte. In Westdeutschland hatten Earth schnell einen festen Anlaufhafen, den Star-Club in Hamburg, der für englische Bands wie ein Magnet wirkte. Ein Engagement dort war indes kein Zuckerschlecken für die junge Formation, spielte sie dort doch meist mehrere Tage hintereinander je zwei bis drei rund 45-minütige Sets. Und die Unterbringung auf’m Kiez war alles andere als luxuriös. Eine Erfahrung, die auch die Beatles acht Jahre zuvor gemacht hatten. Nach Gigs in Hamburg im April und Juni, kamen Earth im August, Oktober und November als Black Sabbath dorthin zurück.

The Songs Remain The Same

Ob nun beim letzten Deutschlandgig am 17. Januar 2017 in Köln oder damals bei den Konzerten in Hamburg oder in Baden-Württemberg – ein Großteil der Setlist war identisch: „Paranoid“, „Black Sabbath“, „Hand Of Doom“, „Fairies Wear Boots“, „War Pigs“, „Behind The Wall Of Sleep“, „N.I.B.“, „Rat Salad“, alles war bereits 1969 und teilweise sogar ein Jahr früher da. Umso verständlicher, dass den Besuchern der frühen Sabbath-Gigs der Atem stockte. Trotz Heavybands wie der Jeff Beck Group, Cream oder The Jimi Hendrix Experience hatte einen solch extremen Sound nun wirklich noch niemand gehört. „Als wir uns umbenannten und ich auf den Namen Black Sabbath stieß, hatte uns das nochmals einen Schub in die Heavy-Richtung verpasst“, erinnert sich Schlagzeuger Bill Ward, der den prägnanten Namen auf einem Filmplakat gelesen hatte. „Das war das Image, dem wir instinktiv schon immer entsprochen hatten, aber durch die Horrorverbindung machte auf einmal alles noch mehr Sinn, und unser Sound wurde immer bedrohlicher.“

Die Musiker kippten den Namen Earth, da diesen zur selben Zeit auch eine andere Band führte. „Unser Glück, denn ich glaube, das war der fehlende Baustein zu unserem Sound.“ Ozzy betont oft und gerne, dass „Black Sabbath“ der erste Song gewesen sei, den Black Sabbath als Band geschrieben hatten. „Was natürlich so nicht stimmt“, interveniert Butler. „Es war der erste Track, den wir nach der Umbenennung schrieben, aber den Großteil der Songs der ersten beiden Alben hatten wir bekanntlich schon ewig in unserem Set. Dazu einige Coverversionen.“

Lest mehr im eclipsed Nr. 190 (05-2017).

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