DAVID BOWIE - Dead and alive

16. Januar 2017

David Bowie

Wenn sich Regierungschefs, Astronauten, der Erzbischof von Canterbury und ein Sprecher des Vatikans zum Ableben eines Rockmusikers äußern, wie am 10. Januar 2016 geschehen, ist das ein außergewöhnlicher Vorgang. Tatsächlich ist an diesem Tag mit David Bowie ein Künstler gestorben, der Normen gesprengt hatte, der weder künstlerische noch gesellschaftliche Beschränkungen für sich gelten ließ, den es unwiderstehlich ins Rampenlicht zog wie einen unheilbar Kranken nach Lourdes oder Fatima. Ein Künstler, der in seinen Texten Sehnsüchte nährte und selbst schürte, der bisweilen den Bereich des Metaphysischen berührte und der in seinem Wesen, seinem Auftreten und seinem Look immer genau das verkörperte, was er in seiner zauberischen Kunst gerade wieder an Neuem darbot. Ein Künstler auch, an dem es sich abzuarbeiten galt, da er nur selten Erwartungen erfüllte, nur selten auf einem einmal eingeschlagenen Weg verblieb und der niemals der Herde hinterhertrottete, sondern ihr stets vorauseilte. Dass ausgerechnet ihm, dem komplexen Eigenbrötler, die Fans in Scharen folgten, ist ein schwer zu fassendes Phänomen. Diesen Balanceakt, den dieser Avantgardist der Masse, lebenslang vollführte, stellen wir im Folgenden nach, indem wir uns die Alben besehen, die 2017 Jubiläum feiern.

Da wäre zunächst sein Debüt David Bowie (1967). Bitte Cover abbilden Bereits hier zeigte der 20-Jährige ein tiefes Verständnis dafür, dass sich Musik besser verkauft, wenn man mit ihr ein Image transportiert. Drei der vierzehn Lieder der noch ungeschlachten Platte – „Rubber Band“, „Little Bombardier“, „She’s Got Medals“ – sind Bowies musikalische Annäherung an den damals in England angesagten „messingknöpfigen Militarismus des Zeitalters Eduards VII.“ (Bowie-Chronist Kevin Cann). Folgerichtig präsentiert sich der junge Mann auf dem Cover in einer enganliegenden grauen Filzjacke, die einem Offiziersrock ähnelt. Brav in der Gesamtanmutung, ist doch hier bereits der leidenschaftliche Styler und Verwandlungskünstler zu erkennen. Weniger klar ist die künftige musikalische Entwicklung Bowies auszumachen. Neben dem soldatisch-schneidigen Getrommel der erwähnten Nummern, dominiert hier typische Britishness: Music Hall, Easy Listening, wie man es bei der BBC hörte. Eine einzige Nummer indes, „Silly Boy Blue“, wies in seinem theatralischen Hymnengestus und mit seinem spirituell, buddhistisch gefärbten Text bereits auf den kommenden großen Künstler hin.

Lest mehr im eclipsed Nr. 187 (02-2017).