DAVID BOWIE - Eine Ausstellung

27. Juni 2014

David Bowie

Verflossene Lieben soll man bekanntlich ruhen lassen. David Bowie aber hat noch mal mit seiner großen Romanze geflirtet, fast vierzig Jahre nach der ersten Begegnung: „Where are we now?“, sein Song, mit dem er sich voriges Jahr überraschend zurückmeldete, ist eine Ode an Berlin. Ziemlich müde klingt der heute 67-Jährige da, und ganz schön wehmütig, wie er sich in alte Zeiten beamt: ins Berlin des Jahres 1989, als im Prenzlauer Berg der erste Grenzübergang aufgemacht wurde. „Twenty thousand people cross Bösebrücke/Fingers are crossed, just in case“; ins Charlottenburg der späten Siebziger: „Sitting in the Dschungel on Nürnberger Straße/A man lost in time, near KaDeWe/Just walking the dead“.

Seitdem ist Berlin wieder um eine große, ernste Hymne reicher und Bowie um ein spektakulär unspektakuläres Comeback. Da passte es perfekt, dass das „Victoria and Albert Museum“ in London eine große Schau zu dem einstigen Glamrocker zusammenstellte – freilich ohne etwas von dessen musikalischer Rückkehr zu ahnen. Den Kuratoren Geoffrey Marsh und Victoria Broackes öffnete der Mann mit den ungleichen Pupillen erstmals sein Privatarchiv, das er seit jeher akribisch sortiert. So, als habe er stets damit gerechnet, dass seine Kunstgeschöpfe einmal museumsreif werden: Ziggy Stardust, Aladdin Sane, der Thin White Duke...

Tatsächlich ist wohl keine frühe Rockkarriere penibler durchgeplant gewesen als die des Engländers, der 1947 als David Robert Jones zur Welt kam. Die Ausstellung, die für den Berliner Halt um sechzig Exponate zu Bowies Schöneberger Zeit erweitert wurde, zeichnet die verschiedenen Ebenen nach, aus denen sich das Gesamtphänomen Bowie formt. Die dreihundert Objekte starke Ausstellung porträtiert ihn als Allrounder, der weit mehr war als bloß Musiker und eindringlicher Sänger. Sein Spielfeld verstand er auch unter visueller und diskursiver Hinsicht wie wenige andere Rocker vor und nach ihm.

AUSSTELLUNG „DAVID BOWIE IS“ (bis 10.8.2014)

Berlin, Martin-Gropius-Bau, tgl. 10-20 Uhr, www.davidbowie-berlin.de

Lesen Sie mehr im eclipsed Nr. 162 (Juli/August 2014).