R.I.P. DAVID BOWIE - Blackstar is beautiful

20. Januar 2016

David Bowie

Bei David Bowies 25. Studioalbum „★“ liegen Freude und Trauer nahe beieinander: Freude, weil es an Bowies 69. Geburtstag erschien, Trauer, weil der Künstler nur zwei Tage später an einem Krebsleiden verstarb. Wie schon bei „The Next Day“ hatte er im Vorfeld große Geheimniskrämerei betrieben: Bowie stand für Interviews seit Jahren nicht zur Verfügung, und auch von seinen Mitstreitern gab es nur wenige Kommentare zu den Aufnahmen. Gleichzeitig bewies Bowie mit dieser Strategie auch innere Größe, weil er seinen bevorstehenden Tod nicht publik machte und das Augenmerk der Öffentlichkeit lieber auf das lenkte, was ihm am wichtigsten war: seine Musik. Doch was ist dran an der Behauptung der „Times“, dass Bowies finales Werk sein „seltsamstes“ und „komplett durchgeknallt“ sei, inklusive Elektropopsounds und Jazzanklängen? Wir wagen einen Blick hinter die Kulissen.

Bowies Annäherung an den schwarzen Stern

Obwohl David Bowie gerne auf vertraute Musiker zurückgriff, war in dieser Hinsicht auf „★“ mal wieder Großreinemachen angesagt. Abgesehen von Produzentenlegende Tony Visconti hatte der Sänger und Multiinstrumentalist nämlich seine komplette Hintermannschaft ausgetauscht. Nicht mehr dabei war seine letzte Kernband, bestehend aus Gerry Leonard (g), Gail Ann Dorsey (b) und Zack Alford (dr). Stattdessen ging es Bowie darum, sich in den Bereichen Jazz, Electronica und Drum’n’Bass neue Inspirationsquellen zu erschließen – weswegen er den Saxofonisten Donny McCaslin und dessen Gruppe anheuerte, zu der Keyboarder Jason Lindner, Bassist Tim Lefebvre und Schlagzeuger Mark Guiliana gehören; weitere Verstärkung erhielt er von Gitarrist Ben Monder und Perkussionist James Murphy.

McCaslin, der am renommierten Berklee College of Music studiert hat, erinnert sich lebhaft an die erste Begegnung mit Bowie: „Ich lernte David über Maria Schneider kennen, in deren Gruppe ich etwa zehn Jahre lang gespielt hatte. Sie und David sprachen über eine Zusammenarbeit. Dann rief sie mich an, um von mir verschiedene Empfehlungen zu erhalten für das, was sie machten.“ Diese Unterredung führte im Juni 2014 zu zwei Workshops für Bowies Song „Sue (Or In A Season Of Crime)“, an dem McCaslins Gruppe beteiligt war. Schon nach dem ersten Workshop wollte Bowie diese explosive Formation so schnell wie möglich live erleben – weshalb er sich bei nächster Gelegenheit in die 55 Bar in Greenwich Village begab. „Am Morgen danach schrieb er mir eine E-Mail“, erinnert sich McCaslin. „Darin stand, dass er aufgrund dessen, was er am vergangenen Abend gehört hatte, einen Song geschrieben habe, und ob ich daran interessiert sei, diesen Song aufzunehmen.“ Bei dem Stück handelte es sich um „ʻTis A Pity She Was A Whore“, zu dem Bowie bereits die Basistracks programmiert und das Saxofon eingespielt hatte.

Damit kamen die Dinge relativ schnell in Gang, wobei es letztlich Maria Schneider zu verdanken ist, dass Bowie McCaslins Band für das komplette Album buchte. Tim Lefebvre amüsiert sich heute noch darüber, dass Bowie sich im Vorfeld über seine neuen Musiker kundig machte: „Er schaute sich YouTube-Videos von uns an und kaufte Mark Guilianas Platte ,Beat Musicʻ, auf der ich ebenfalls spiele. Sonst ist es immer umgekehrt – man informiert sich über den Typen, von dem man angeheuert wird.“

Lesen Sie mehr im eclipsed Nr. 177 (Feb. 2016).