THE ROLLING STONES for the very last time?

Vermutungen, wonach die Rolling Stones die Lust am Touren verlieren könnten, wurden in den Siebzigerjahren von den Bandmitglieder selbst befeuert. So erklärte ein 27-jähriger Mick Jagger 1975: „Ich kann heute nicht mehr wie ein 21-Jähriger herumhüpfen, und ich würde lieber sterben, als mit 45 noch ,Satisfaction‘ zu singen.“ Äußerungen wie diese führten dazu, dass das deutsche Magazin „Musikexpress“ im Frühjahr 1976 eine Geschichte über den bevorstehenden Europatrip mit der Überschrift „Die letzte Tour der Rolling Stones?“ versah und vom möglichen „letzten großen Coup“ der Gruppe schrieb. Die Veranstalter des Auftritts im Stuttgarter Neckarstadion nahmen den Ball auf: „Branchenkenner sehen die Europatournee bereits als Abschluss der glorreichen Stones-Ära. Sollte sich das bewahrheiten, bekämen die Zuschauer so das große Abschiedskonzert der weltbesten Rhythm-and-Blues-Band mit.“

Auf die Frage, wie lange es die Stones denn noch geben werde, hatte Jagger allerdings schon vorher geantwortet: „Das wissen wir selbst nicht.“ Und paradox sei ein „Rock-Sänger über 30“ nicht: „Es kommt drauf an, wie gut man ist. Trotzdem will ich natürlich nicht mein Leben lang Rock’n’Roll singen.“ Dann sah es plötzlich duster aus, Keith Richards stand wegen Rauschgiftbesitzes in Kanada mit einem Bein im Knast. Aber er kam mit Bewährung inklusive zweier Benefizkonzerte davon – doch die Gerüchte schossen weiter ins Kraut. „Das Ende der Rolling Stones“ beschwor etwa die deutsche Zeitschrift „Rocky“, die von Revisionsbestrebungen der kanadischen Staatsanwaltschaft gehört haben wollte.

Falsch spekuliert: 1981 startete in den USA die nächste Welttournee, und Jagger nahm allen Unkenrufern, die Stones seien inzwischen viel zu alt, den Wind aus den Segeln: „Warum soll ich nicht mit 50 noch auf der Bühne stehen, machen andere Künstler doch auch.“ Richards: „Vielleicht machen wir bis in alle Ewigkeit weiter.“ Tatsächlich überlebte die Band auch ihre schwerste Krise, als es Mitte/Ende der Achtziger Auseinandersetzungen gab um das Album „Dirty Work“ und eine Solotour Jaggers, bei der dieser mit seiner Band auch Stones-Titel spielte. Der „Spiegel“ fand, die Stones seien „klinisch tot“. Doch 1989 folgte die Wiederauferstehung mit dem Album „Steel Wheels“ und der anschließenden Welttournee. Seit damals nerven oder amüsieren einschlägige Fragen nur noch.

Richards: „Natürlich sind die Stones alte Rockknaben. Darum hat dieses ,Unternehmen Stones‘ einen gewissen Christoph-Kolumbus-Aspekt. Wir wollen herausfinden, wie weit man dieses Spiel treiben kann und ob wir eines Tages über den Rand der Welt stürzen werden.“

Lesen Sie mehr im eclipsed Nr. 159 (April 2014).