WE DID IT OUR WAY! - Interview mit Carl Palmer zum Vermächtnis von ELP

15. Februar 2017

ELP Emerson Lake & Palmer

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Der 66-jährige Schlagzeuger ist nach wie vor höchst agil. Carl Palmer war auch nicht erst bei ELP aktiv, sondern hatte Ende der Sechziger bereits bei Atomic Rooster und The Crazy World Of Arthur Brown getrommelt. Derzeit wechselt er wie im Flug zwischen seiner eigenen Band Carl Palmer’s ELP Legacy und Asia hin und her. Im Stau steckengeblieben, muss das Interview um ein paar Tage verschoben werden. Einmal am Apparat, erweist sich Palmer ganz als britischer Gentleman alter Schule: Er entschuldigt sich schwungvoll, ist höflich und entgegenkommend. Und er ist quicklebendig, seine Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen.

eclipsed: Nach dem Tod von Greg Lake bist du das letzte lebende Mitglied von ELP. Wie würdest du das Vermächtnis der Band beschreiben?

Carl Palmer: Zunächst einmal waren ELP eine der erfolgreichsten Bands, die von Keyboards angetrieben waren. Viele Keyboards, kaum Gitarre. Zudem war ihr musikalischer Ansatz strikt europäisch. Wir machten nicht typischen Blues, Jazz oder Rock, sondern etwas, das neu war, das auf klassischen Adaptionen beruhte. Das schien wunderbar zu funktionieren. Es war aber nicht komplett neu: Zuvor hatte ein französischer Pianist namens Jacques Loussier das wohl schon getan. Mit seinem Jazztrio spielte er ausschließlich Bach im Jazzstil. Wir haben Klassisches adaptiert wie „Pictures At An Exhibition“ von Mussorgsky, „Hoedown“ und „Fanfare For The Common Man“ von Copland. Sogar „Carmina Burana“ von Carl Orff. Alles europäisch interpretiert und präsentiert in einem Rockformat.

eclipsed: Und auch die Bühnenpräsentation war eigen.

Palmer: Als wir in die USA gingen, waren wir wirklich komplett anders. Wahrscheinlich waren wir die Ersten, die das mit großem, modernem technologischen Aufwand taten, sprich: mit riesigen Moogsynthesizern. Für uns selbst war das sehr interessant. Wir hatten einen Sänger, der nicht wie ein typischer Rockshouter rüberkam, sondern eher wie ein Chorsänger. Sehr englisch. Auch die Texte waren ungewöhnlich. Wir waren virtuose Spieler. Unser Vermächtnis dürfte also sein: Wir haben es auf unsere ganz eigene Art gemacht!

eclipsed: Was war die besondere Qualität der Liveband ELP?

Palmer: Man muss verstehen: Damals hat noch niemand so große Shows auf die Bühne gebracht. Als ELP in die USA gingen, sagte ich, dass wir dem Publikum so viel wie möglich, wie die Amerikaner sagen, eye candy geben. Also ließen wir mein Drumset rotieren, Keith hatte bereits Messer in seine Orgel gerammt. Darüber hinaus hatten wir Projektionen, eine tolle Lightshow und sogar einen ersten rudimentären Quadrofoniesound. Aber gerade die englische Presse befand, dass das alles over the top wäre. Sie bezeichneten es als Säbelrasseln. Wenn man das mit heute vergleicht, mit Bands wie U2 oder den Stones, dann war das gar nichts. Wir wurden damals aber als extravagant abgestempelt. Drei große Trucks mit unseren Namenslettern – hey, das war doch nichts im Vergleich zu heute! Nur wir waren eben die, die damit begonnen haben.

Lest mehr im eclipsed Nr. 188 (03-2017).

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