WILLE AND THE BANDITS - Das wirklich wahre Leben

15. Februar 2017

Wille And The Bandits

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Der Mann ist ständig unterwegs, aber gejammert wird nicht, sondern gejammt: Wille Edwards ist ein raubeiniger Sänger à la John Mellencamp, Gitarrist in bester Ry-Cooder-Manier und Mastermind des 2007 gegründeten Trios Wille And The Bandits. „Ich bin trotz geliebter Ehefrau und genauso geliebter zweijähriger Tochter ein urbaner Hippie“, lacht der 33-Jährige. „Es macht mir unglaublichen Spaß, möglichst jeden Abend auf einer Bühne irgendwo auf der Welt zu stehen, um mich zwei Stunden lang mit mir selbst zu konfrontieren. Das ist ein hartes Stück Arbeit. Und es ist der schönste Zustand, den ich kenne, vollgepackt mit Emotionen, Energie, Ekstase. Näher kann man dem eigenen Ego nirgendwo kommen.“

eclipsed: „Steal“ ist laut deiner Aussage euer „stärkstes Album bislang“. Das behauptet so ziemlich jeder Musiker von seinem neuen Werk. Wie ist das bei dir konkret zu verstehen?

Wille Edwards: In unserem Fall hat das vor allem mit dem Sound der Platte zu tun. Wir haben sie ganz bewusst analog aufgenommen, was bedeutet: Alles passierte live im Studio, alle waren gemeinsam bei den Aufnahmen da. Dadurch bekommt das Ganze eine raue Authentizität. Und die ist das Markenzeichen von mir und den Banditen.

eclipsed: Demnach ist der Liveaspekt für euch nach wie vor wesentlich wichtiger als der Studioaspekt?

Edwards: Das haben wir in Interviews immer wieder gebetsmühlenartig behauptet, daran wird sich auch nichts ändern. Weil wir einfach weiterhin zu gerne auf einer Bühne stehen, dieses einzigartige Gefühl dort kann uns niemand nehmen. Allerdings unterscheidet sich die Studio- von der Livesituation aktuell kaum. Überall, wo wir Musik machen, ist alles unglaublich organisch.

eclipsed: Neben all der rohen Bluesenergie steckt in vielen der neuen Stücke eine gehörige Portion Melancholie. Woran liegt das?

Edwards: Wir sind mit Haut und Haaren Blueser. Das bedeutet, dass sehr viel Wehmut und Nostalgie in uns stecken muss, wenn wir diesen Anspruch überzeugend rüberbringen möchten. Und zumindest in mir schlummert, obwohl ich privat sehr glücklich bin, etwas Finsteres, das es musikalisch auszuleben gilt, damit es keinen Einfluss auf meinen Alltag nimmt. Außerdem habe ich die Bluesgeschichte sehr intensiv studiert. Als Konsequenz daraus wollen wir urigen Blues zurück ins moderne musikalische Leben bringen. Obwohl das unseres Erachtens nach nur dann funktionieren kann, wenn man ihn mit einer gehörigen Portion Rock anreichert.

Lest mehr im eclipsed Nr. 188 (03-2017).

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