IQ „The Road Of Bones“

Giant Electric Pea - 9/10 - Artverwandt: Genesis; Yes; The Flower Kings

Es hat sich einiges getan in den fünf Jahren seit „Frequency“: Mit Neil Durant ist ein neuer Keyboarder eingestiegen, und Urbassist Tim Esau ist zurückgekehrt. Die Livefeuerprobe hat die neu formierte Band längst bestanden, und nun liefert sie mit „The Road Of Bones“ wieder eines der Alben ab, für die Fans sie seit den frühen Achtzigern schätzen: Progressive Rockmusik mit düsterem Einschlag, komplex arrangiert, wunderbar produziert und mit einem Peter Nicholls, der gesanglich ein ums andere Mal über sich hinauswächst. Die Platte beginnt, wie man es von IQ kennt: „From The Outside In“ ist ein kraftvoller, melodiöser Song, der ein wenig an „Ryker Skies“ erinnert. Ungewöhnlich sind die letzten Minuten, als der Sturm sich in einer unheilvollen Xylofongischt auflöst und das Stück bedrohlich ausklingt. Mit dem Titeltrack folgt die stärkste Komposition des Albums. Die Nummer ist in den ersten Minuten sehr zurückgenommen, Nicholls erinnert jetzt stark an Peter Gabriel. Zwei Minuten vor Schluss ballt sich der Song zu einer heftigen, von IQ in dieser Art selten gehörten Soundattacke zusammen. „Without Walls“ ist mit neunzehn Minuten Kernstück von „The Road Of Bones“ und zunächst schwierig zu durchdringen. Verglichen mit den Stücken zuvor wirkt dieser Monolith schroff und abweisend, was selbstverständlich den düsteren Lyrics geschuldet ist. Ein hartes Stück Arbeit, doch nach mehrmaligem Hören beginnt der Song sich mehr und mehr zu offenbaren. Das balladeske „Ocean“ ist ein ordentlicher, im Kontext der übrigen Stücke jedoch keineswegs überragender Song. Seine Aufgabe besteht eher darin, die Bühne fürs große Finale zu bereiten: Das zwölfminütige „Until The End“ beginnt – für IQ untypisch – mit orientalisch anmutender Instrumentierung. Dabei findet es nie so richtig in die Spur, doch gerade das macht seinen Reiz aus. IQ sind bei aller Komplexität seit jeher bestrebt, auch große, wunderschöne Melodien zu schreiben, doch in diesem Track verweigern sie sich zunächst einer griffigen Struktur. Auch das Ende ist überraschend, wenn das Getümmel in eine zurückgenommene Pianopassage, dann in ein Akustikgitarrensolo mündet und Nicholls mit einer gesanglichen Glanzleistung über zarte Klaviertöne singt. Der Abschluss einer faszinierenden akustischen Reise. Nach den Studiosessions hatten IQ so viele Songs, dass es für ein Doppelalbum gereicht hätte. Zugunsten der Kompaktheit entschieden sie sich jedoch gegen diese Variante. Die restlichen sechs Stücke, die hinter den fünf „offiziellen“ Nummern qualitativ keinesfalls zurückstecken, liegen als Bonus-CD der Special Edition bei. Eine salomonische Lösung. 

Top-Track: The Road Of Bones 

Sascha Seiler