ROGER WATERS - Später Sieg

Er sei müde und ausgepowert, hätte die letzten Tage schon zu viel geredet und müsse heute ein bisschen kürzer treten. Was die Managerin von Roger Waters da in bester Feldwebelmanier an die Vertreterin der New Yorker Plattenfirma weitergibt, zeugt von wenig Respekt gegenüber einem halben Dutzend Journalisten, das aus aller Welt in den Big Apple gereist ist, um das ehemalige Pink-Floyd-Mastermind zu sprechen. Alle Termine an einem verregneten Donnerstagmittag Ende April werden empfindlich gekürzt. Eine nonchalante Vorgehensweise, die den meisten Betroffenen nicht einmal mitgeteilt wird, um keinen Unmut aufkommen zu lassen.

Der Künstler selbst scheint daran nicht ganz unbeteiligt. Waters, ein grauer Panther mit weißem Dreitagebart trifft mit leichter Verspätung ein, schüttelt seinem Gegenüber zwar die Hand, fragt aber als Erstes, wie lange der Termin dauern wird. „25 Minuten“, heißt es. Es folgen ein zufriedenes Nicken und eine Erklärung: „Ich war gerade im Fitnessstudio und bin völlig fertig. Aber ich kann noch denken und reden.“ Dass andere mit Jetlag zu kämpfen haben und je einen Tag An- und Abreise hinter beziehungsweise vor sich haben, kommt dem 73-Jährigen nicht in den Sinn. Aber er gibt sich zumindest Mühe, ein konstruktives Gespräch zu führen.

eclipsed: Gestern hast du am „Times Talk“ in der Florence Gould Hall teilgenommen und Fragen von Fans beantwortet. Dabei hast du überraschend gelöst gewirkt. Ganz anders als in der Vergangenheit…

Roger Waters: (lacht) Weil mir das Spaß gemacht hat. Die Fragen waren toll und die Teilnehmer sehr interessiert.

eclipsed: Demnach bist du heute ein leichterer Gesprächspartner? Oder einfach altersmilde?

Waters: Ich bin mit mir selbst im Reinen, mehr denn je. Denn es ist doch so: Wir alle tragen einen unsichtbaren Richter mit uns herum, der auf unserer Schulter sitzt und ständig sagt: Tu dies nicht, tu das nicht. Der hat mich während meiner gesamten Karriere gequält, besonders nach der Trennung von Pink Floyd, die für mich eine riesige Zäsur darstellte, eine unglaublich wichtige Entscheidung war. Ich war 25 Jahre in der Band, oder wie lang auch immer, und hatte eine Menge Ballast im Gepäck. Mehr als ich alleine tragen konnte. Es hatte ein bisschen was von einer Hochzeit, die man verlässt, mit leeren Dosen an der Stoßstange, die einen Riesenkrach machen. (lacht)

eclipsed: So schlimm?

Waters: Oh, das kannst du dir gar nicht vorstellen…

eclipsed: Zumal du allein für die Trennung der Band verantwortlich gemacht wurdest?

Waters: Ja, das war sehr intensiv und sehr feindselig. Wahrscheinlich wird man mir nie vergeben – und das bei all der Arbeit, die ich geleistet habe, den tollen Songs, die ich geschrieben habe. Gerade was die anderen Jungs in der Band betrifft. Aber wir sterben ja langsam aus, also wen schert’s. Es hat mich nur eine Menge Zeit gekostet, um das loszuwerden und zu erkennen, wo die Probleme liegen, was die Leute an mir stört. All der Mist wie: Er hat uns keine eigenen Stücke schreiben lassen. Fickt euch! (lacht) Niemand hat euch vom Schreiben abgehalten, ihr Deppen. Das ist doch lächerlich. Und das wisst ihr auch. Aber egal, ich will das nicht vertiefen, weil es, wie du sicher merkst, ein Quell ewiger Freude ist. Im Ernst, ich habe genug davon, es hat mich krank gemacht. Ich war 20 Jahre in Therapie, um das hinter mir zu lassen, und ich tue mein Bestes, damit es so bleibt.

Lest mehr im eclipsed Nr. 191 (06-2017).

Kommentare

vandeMeer am 5. Juni 2017 - 11:17

Eigendlich ist doch das nicht alles nach zu voll ziehen, das sich ein Künstler so lange etwas mit sich herum schleppt ?? Normaler weise geht man doch da drann kaptutt, wenn man es so lange mit sich herum schleppt. Aber Roger Waters hat es mit sich herum geschleppt, wie so auch immer. Da bei hätte er es doch einfacher haben können, in den 20 Jahren !! Aber es kommt, wie es kommen muß, es kommt doch alles aus sich heraus, weil er nicht kaputt gehen wollte, und das ist auch gut so. Wir Künstler (Maler, Autor, und Dichter), können das auch, aber wir halten das nicht 20 Jahre durch, das ist sicher. Wir schreiben, oder malen es, da mit die Seele im inneren befreit wird. Jeden falls ist es zu begrüßen, auch wenn es 20 Jahre gedauert hat. Hinter her sagt man immer, es ist doch toll, das ich das getan habe. Da fühlt man sich gleich wie neu geboren.
Des halb freut es mich am meisten, das Roger es geschafft hat, diesen Schritt zu tun. Er wird es nie bereuen, das weiß ich !! Jeden falls wünscht man ihn, das ihm das gelingt, was ihm gelingen soll. Die neu Produktion der CD hat ihm wohl auch da bei geholfen. Mann kann ihm nur das Beste wünschen,

in diesem Sinn,
E. Heeder - Stadtteilkünstler - Objekte - Autor, und Dichter

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