FUZZ SAGRADO - Immer noch Bock auf Rock

FUZZ SAGRADO - Immer noch Bock auf Rock

Mit Samsara Blues Experiment mischte Chris Peters die hiesige Heavy-Psych- und Stonerrock-Szene auf. Doch 2020 wurde nach dem letzten Album „End Of Forever“ - das fünfte Studioalbum der Band - ein Schlussstrich gezogen. Chris Peters zog nach Brasilien und startet dort seine Musikkarriere neu: Fuzz Sagrado heißt sein neues Projekt, das er ganz allein bestreitet, und „A New Dimension“ das gerade veröffentlichte Debüt.

Chris Peters schien 2021 genug vom Musikbusiness zu haben. In seinem vorherigen eclipsed-Interview schienen auch Unzufriedenheit und Frust durch. Der Umzug nach Brasilien - der Liebe wegen - scheint ihm aber gut getan zu haben. Das Ende von Samsara Blues Experiment, jener Band, die der Sänger/Gitarrist/Keyboarder seit 2007 zusammen mit Hans Eiselt (Gitarre, Bass), Thomas Vedder (Schlagzeug) und Richard Behrens (Bass, bis 2014) vorangetrieben hatte, sieht er heute doch versöhnlicher - es gibt nun eine Vinyl-Neuauflage des Samsara-Debüts „Long Distance Trip“ und mit „Demos & Rarities“ eine Raritäten-Sammlung - und blickt in die Zukunft.

Die Zukunft dürfte für ihn Fuzz Sagrado sein. Das von ihm im Alleingang eingespielte Debüt „A New Dimension“ bewegt sich wie Samsara Blues Experiment im Bereich des Heavy Psych und Stonerrock, bietet aber auch neue Facetten. Grund genug mit Peters über sein Leben in Brasilien, seine Vergangenheit - inklusive der Früh-2000er Band Terraplane und seines musikalischen Nebenprojekts Surya Kris Peters, von dem schon diverse Alben online erschienen sind - und Fuzz Sagrado zu sprechen.

eclipsed: Die ersten Alben von Samsara Blues Experiment erschienen bei World In Sound. Danach dann bei deinem eigenen Electric Magic Records Label. Wieso jetzt wieder die Rückkehr zu einem richtigen Label? Warum zu World In Sound?

Chris Peters: Zunächst sehe ich Electric Magic auch als „richtiges“ Label. Neben eigenen Veröffentlichungen habe ich ja auch einige Alben anderer Bands herausgebracht. Mein Label war aber immer auch eng mit World In Sound verbunden, fast ein Unterlabel, da WIS immer auch einen Großteil der Vertriebsarbeit übernommen hatte. In Deutschland habe ich noch viel Label-Arbeit machen können. Ich selbst habe über die Webshops auch Platten an die Fans direkt geschickt, etc. Hier von Brasilien aus ist das nun nicht so einfach. Die Erstauflage der Fuzz Sagrado-CD oder die Zweitauflage vom letzten Samsara-Album hatte dann mein Vater noch verschickt, aber das geht wegen der wesentlich schlechteren preislichen Bedingungen bei der deutschen Post nicht mehr. Wir haben dann hin und her überlegt, auch mit Wolfgang bei WIS stand ich noch in Kontakt. Es musste v.a. eine Versandlösung gefunden werden, da DHL leider nicht mehr tragbar ist für kleine Unternehmungen, die ihren Kundenschwerpunkt im Ausland (v.a. USA und Übersee) haben.

Ich habe zwar zuletzt bei SBE immer gesagt, eigentlich brauche keine Band ein Label, aber so ganz richtig ist das halt auch nicht. Gerade in diesen Zeiten ist es halt doch wichtig Vertriebspartner zu haben. Der zweite Pluspunkt für ein externes Label ist das Finanzielle generell. Mit SBE waren wir finanziell gut aufgestellt, vor allem wenn wir live gespielt haben. LP-Pressungen zu stemmen, war da wirklich leicht. Da das Livespielen in dieser bekannten Szeneband nun aber wegfällt und LP-Produktionen auch erheblich teurer geworden sind, brauchte ich halt Hilfe bzw. war ich anfangs tatsächlich etwas unsicher, ob mein aktuelles Album nun unbedingt auch auf Vinyl gepresst werden muss. Ich bin eher keiner dieser selbstgefälligen Musiker. Ich gehe mittlerweile eher rational an die Dinge heran.

Das Kozmik Artifactz-Label hatte aber relativ schnell eine LP-Pressung zugesagt und das Fuzz Sagrado-Album auch in einer, wie ich finde, wunderbaren Vinyl-Version veröffentlicht. Ich bin sehr dankbar für diesen Support, neben der CD-Neuauflage bei World In Sound und der LP bei Kozmik Artifactz, gab es ja außerdem noch Tapes der beiden Vorgänger-EPs bei dem amerikanischen Label Echodelick Records. Also genug Interesse ist prinzipiell da. Ich hingegen neige gerade etwas zum Understatement, keine Ahnung warum, vielleicht auch weil einem in den letzten zwei Jahren irgendwie suggeriert wurde, dass Kunst oder Musik keine besondere Bedeutung haben.

eclipsed: Wie kam es jetzt zur Neuauflage eures Debütalbums „Long Distance Trip“ auf Vinyl mit der Bonus-CD „Demos & Rarities“?

Peters: Das Album ist halt wirklich ein Kassenschlager. Aus irgendeinem Grund ist es zu einem wahren Kultalbum geworden. Eigentlich geht das schon seit etwa sechs Jahren, dass sich zeitweise an jedem Tag mindestens ein Album davon über unsere Online-Shops verkauft hatte. Und im Streaming ist es nach wie vor für etwa 60% der Einnahmen verantwortlich. Nun war die LP, wie manch andere SBE-Alben, ausverkauft und man konnte bei Discogs etc. mitverfolgen, wie die Preise angestiegen sind. Dem wollte ich entgegenwirken. Wo ein derartiger Bedarf ist, muss man liefern. Mich hatten auch andere Labels angeschrieben, mit teilweise etwas frech anmutenden Angeboten, auf die ich hier mal nicht weiter eingehen möchte. Leider gibt es auch in dieser immer noch kleinen Psychedelic-Szene einige „faule Eier“ – wo ich früher immer dachte, wir wären quasi wie eine Familie.

Ich hatte nach dem Ende von SBE in 2020 dann zunächst auch so meine persönlichen Probleme und wollte eine Zeitlang gar nichts mit der Band zu tun haben, aber so kann ich das ja nun auch nicht machen. Da wäre im dümmsten Fall irgendwann einer mit Bootlegs gekommen, wie es sie ja schon auf CD gibt. Mir liegen auch die Fans nach wie vor noch am Herzen. Ich finde es ein starkes Stück und als „alter Ossi“ moralisch etwas fraglich, wenn irgendjemand auf Discogs bis zu 200 EU für so eine Platte verlangt und sie dann, mangels anderen Angeboten, auch bekommt. Ich wollte eigentlich auch 2020 zum eigentlichen Jubiläum des Albums, schon eine neu aufgearbeitete Version anbieten, und das hat ja nun endlich geklappt, inklusive der Demo-CD, worauf auch einige „kleine Fan-Perlen“ aus den frühen Tagen der Band sind. Ich bin froh, dass der Wolfgang von WIS von Anfang an wirklich ein echter Fan von SBE gewesen ist und uns, und mir im Besonderen, da auch vieles ermöglicht hat. Ich sehe nichts davon als selbstverständlich an.

eclipsed: „End Of Forever“ erschien unlängst auf Vinyl aber bei Electric Magic. Sind weitere Vinyl-Reissues geplant?

Peters: Nun ja, das war auch so eine etwas schräge Sache, bedingt durch die Umstände – das Album entstand ja, während SBE auseinanderbrachen – und wohl auch meinem angesprochenen Hang zum Understatement, haben wir das Album zunächst erstmal in kleiner Auflage herausgebracht. Ich selbst bin z.B. seit Jahren kein Sammler von physischen Tonträgern mehr. Für mich besteht einfach keine Notwendigkeit Dinge anzuhäufen. Um das nur mal nebenbei zu erwähnen. Ich gehe manchmal sicher zu sehr von mir selbst aus. Die ersten 500 LPs des letzten SBE-Albums waren dann in weniger als zwei Wochen weg. In dieser Zeit wollte ich halt wirklich auch erstmal gar nichts mehr zum Thema SBE hören, während wohl nicht wenige Fans sich etwas veralbert vorgekommen sein müssen – viele wollen doch noch etwas in den Händen halten. Als es mit den anderen beiden Jungs von SBE wieder etwas entspannter wurde, und z.B. auch die vertraglichen Angelegenheiten geklärt waren, konnten wir uns schließlich auf eine Neupressung einigen, und auch diese ging wieder wie warme Semmeln raus, wieder etwa zwei Wochen und schon waren alle weg aus meinem Lager. Und nun musste halt eine dritte Auflage her. In dem Rahmen hatten wir ja auch die „Long Distance Trip“-Sonderedition und nun auch andere Alben (z.B. „Revelation & Mystery“), die ausverkauft waren, neu aufgelegt. SBE ist halt auch zwei Jahre nach dem Ende der Band noch gefragt. Zum Glück läuft aber auch mein neues Projekt sehr gut an, obwohl ich im Moment nicht live spiele und grad eher nur der nerdige Typ mit der Gitarre bin. Wie gesagt, ist mir dieses Fan-Musiker-Verhältnis aber ganz lieb, ich versuche auch alle Nachrichten an mich zu beantworten und möchte versuchen, den Bedarf bestmöglich zu decken und Abzockern bei discogs u.a. keinen Spalt zu bieten – zumal solche Verkäufe ja auch mir persönlich nichts bringen, also ich sehe davon keinen Cent.

eclipsed: Wer hat für „Demos & Rarities“ wo in welchen Archiven gestöbert?

Peters: Ich wollte wirklich etwas Besonderes anbieten, nicht nur das „Long Distance Trip“-Album in leicht verändertem Artwork, und da ich in 2021 quasi mit der Archiv-Verwaltung von SBE angefangen habe, konnte ich relativ schnell ein schönes Package zusammensuchen. Zur aktiven Zeit der Band war halt vieles eher schon ein bisschen „business as usual“, auch aus Zeitmangel. Die Alben wurden eigentlich immer selbstverständlich nachgepresst, so wie sie waren – also z.B. auch ohne nachfolgende Nummerierung, so dass man oft nicht sehen kann, welche Pressung das jetzt eigentlich ist. Ein bisschen chaotisch, leider. Jetzt habe ich halt auch einmal Zeit, um manches zu reflektieren und um solche besonderen Releases auszuarbeiten. Für das komplett neue Layout, Fotorecherche etc. braucht man ja auch erstmal Zeit und Inspiration. Die „Demos & Rarities“-CD war zunächst nur als Teil des „Long Distance Trip“-Special vorgesehen, jedoch habe ich mit Wolfgang recht schnell entschieden, dass man die CD separat anbieten sollte, um eben nicht so ein „Abzockerding“ zu machen, wo in etwa jeder, der das Original-Album schon hat, nochmal alles kaufen müsste, nur um diese neue CD haben zu können. Es sind auf der CD auch Sachen drauf, die ich früher nicht veröffentlichen wollte, teils aus Unsicherheiten heraus, die aber letztlich signifikante Eckpfeiler waren, bevor das Album rauskam, wie z.B. der erste richtige Studio-Aufenthalt mit dem „For The Lost Souls“-Demo oder mein damaliges Hippietum auf seinem Zenit mit dem zehnminütigen Raga-Versuch „All Is One“. Das ist schon irgendwie auch wichtig im Rückblick, zu sehen woher man kommt.

eclipsed: Wie fühlt es sich an, diese alten Sachen wiederzuhören?

Peters: Nun ja, wenn ich so auf meine Vergangenheit schaue, frage ich mich nicht selten: Wer war dieser langhaarige Typ eigentlich? Manches klingt aus heutiger Sicht ein wenig „primitiv“, aber wenn ich es mit anderen Sachen vergleiche, hat es schon seine Berechtigung. Es war ein langer Weg von diesen Aufnahmen bis zum heutigen Tag. Man lernt im besten Fall nie aus und das zeigen diese Aufnahmen auch. Früher habe ich manchmal wohl auch gedacht, sonst was für ein toller Hecht zu sein, aber wenn ich nun ehrlich bin, gab es vieles, was noch ausbaufähig war. Aber es hat auch seinen Charme, dieser überbordende Eifer der Jugend, alle Regler auf zwölf und rotzig drauflos gerockt.

eclipsed: In unserem Interview 2021 zum letzten Samsara-Album „End Of Forever“ hast du dich auch zu dem Verhältnis zu den anderen Samsara-Musikern geäußert und von schon langanhaltenden Problemen gesprochen. Wie sieht heute – mit zwei Jahren und ein paar 1000 Kilometern Abstand – dein Verhältnis zu ihnen aus?

Peters: Nun, es hat sich manches entspannt. Ich wollte eigentlich immer ein gutes ausgeglichenes Verhältnis in der Band, wo prinzipiell jeder auch immer sagen kann, was er denkt und sich einbringen kann. Ich war in vielen Dingen zwar auch „der Macher“ und habe mich dann immer persönlich kritisiert gesehen, wenn es andere Meinungen gab. Zum Schluss häuften sich gegenteilige Meinungen und das war wirklich schwierig. Wie angesprochen neige ich zu bestimmten Unsicherheiten, und will aber auch nicht so ein Bandboss sein, der alles irgendwie vorschreibt, der auf der Bühne eine Einheit vorgaukelt, aber ansonsten immer seine eigene Suppe im Extra-Hotelzimmer kocht. Wir waren mit SBE trotz allem irgendwie auch gute Kumpels und ich denke, darauf kann man sich jetzt besinnen. Der Abgang von Richard in 2014 war ähnlich kompliziert. Letztlich verbinde ich dieses SBE-Feeling aber auch mit meinen Mitmusikern und daher würde ich jetzt nicht losziehen und mich allein als Samsara bezeichnen, wie manche Leute nun meinen: „Warum machst du nicht weiter unter dem Namen“. So einfach ist es halt nicht, auch wenn das garantiert sehr viel leichter wäre, als jetzt mit 42 Jahren quasi von vorn anzufangen.

eclipsed: Kommen wir zu Surya Kris Peters. Da hast du ja – zumindest online – jede Menge Musik/Alben veröffentlicht. Erzähl mal, was dahintersteckt.

Peters: Ich hatte dieses Projekt 2014 angefangen. Damals war ich zum einen etwas unsicher, wohin die weitere Reise mit SBE gehen sollte. Ich war damals schon etwas abgegessen vom immer lauten, immer sehr ähnlichen, irgendwie dumpfen Stonersound – andererseits hatte ich damals auch eine recht große Leidenschaft zum Thema Synthesizer entwickelt. Meinen ersten Moog hatte ich ja „schon“ 2009 (und davor Software-Synthesizer), und irgendwie hatte sich nach den Jahren als Gitarrist eine Langeweile mit den üblichen Gitarrensounds eingestellt. Meine erste Band hatte ich in 1999 und dann war ich bis 2014 erstmal eher nur Gitarren-fixiert. Ich wollte dann mal etwas Anderes probieren und bin so zu dem Surya-Projekt gekommen, wo ich dann auch z.B. meine Klangvisionen voll ausleben konnte, die bei SBE in der oft knappen Zeit im Aufnahmestudio immer nur bedingt umgesetzt werden konnten. Surya ist ja eigentlich die „totale Kopfhörer-Musik“.

In erster Linie sollten alle meine Projekte Spaß machen, deswegen war es ja z.B. auch unausweichlich, als SBE dann wirklich kein Spaß mehr waren, einen Schlussstrich zu ziehen. Ich bilde mir sicher nicht ein, irgendwie als Innovator in die Musikgeschichte einzugehen, und kann und will auch niemanden beeindrucken – dazu fehlen mir mit Sicherheit auch die Fertigkeiten am jeweiligen Instrument. Ich mache das alles eher um mich auszudrücken, weil ich quasi eben genau das bin. Ich bin kein Bäcker und kein Maler, sondern doch in erster Linie Musiker. Da ist etwas in mir, das raus will. Ich bin eigentlich auf alles irgendwie stolz, vieles habe ich aus eigener Kraft geschafft. So wie jetzt z.B. Songs zu machen, die nach einer Band klingen, aber das bin alles ich allein. Kreativität in jeglicher Form ist eigentlich das Tollste, was man im Leben für sich selbst entdecken kann. Auch einen schönen Kuchen backen zu können, ist ja etwas Kreatives. Ich finde es extrem wichtig in seinem Leben eine gewisse Art von Kreativität ausleben zu können.

eclipsed: Welche Erinnerungen/Gefühle hast du noch an Terraplane?

Peters: Die Jugend, welche man wohl nicht selten verklärt. Wie gesagt bin ich nun auch über 40, und die nostalgischen Momente nehmen nicht unbedingt ab, auch wenn es am Ende wenig zu beschönigen gibt, außer vielleicht einer gewissen Unbefangenheit und dass „noch alles möglich schien“. Man darf eventuell nicht so oft darüber nachdenken, wie kurz das Leben eigentlich ist. Ich finde, ich habe einen ganz coolen Lebenslauf hinter mir. Wenn ich dem irgendwem vorlegen müsste, denke ich, kann man mir zumindest bescheinigen immer irgendwie einen eigenen Weg gegangen zu sein. Nicht selten erwische ich mich ja mit einem Schmunzeln im Gesicht, wenn ich heutzutage diese ganzen „jungen Hüpfer“ auf Instagram oder so sehe, die eben immer noch genau diesen Retro-Sound und -Look suchen, wie wir vor gefühlt hundert Jahren mit Terraplane schon, mit Schlaghosen und all dem 70s Klimbim. Schon witzig.

eclipsed: Du lebst jetzt in Brasilien, hast eine brasilianische Ehefrau. Wie lebt es sich so in Brasilien? Wo lebst du da genau? Hast du dich dort an das Leben gewöhnt?

Peters: Wir leben hier im Bundesstaat Minas Gerais, etwa 300 km südlich von Belo Horizonte, nahe der Serra da Canastra. Um es einmal zu veranschaulichen, Minas erstreckt sich etwa über die Fläche von Frankreich, hat jedoch nur 11 Millionen Einwohner. Man hat also sehr viel Land, sehr viel Natur, und wenig Menschen. Prinzipiell kann man hier gut leben, wenn man ein halbwegs gutes Einkommen hat. Der Arm-Reich-Unterschied ist jedoch riesig. Wir haben hier auch Favelas im Kleinen, nicht wie in São Paulo oder Rio, aber eben auch Armenviertel, und viele „Luxusgüter“ sind wirklich Luxus. Alles an Technik, Möbel, Autos etc. ist wirklich schweineteuer im Vergleich zu Deutschland. Der Brasilianer an sich sieht aber vieles ganz anders als der mit Verlaub etwas „verwöhnte Deutsche“, zu denen ich mich auch immer noch zähle. Für mich ist vieles noch eine Art „Gewöhnungsarbeit“, auch das Klima. Hier ist halt das ganze Jahr eigentlich Sommer, wenn auch mit saisonalen Unterschieden, z.B. ist der „Winter“ hier sehr trocken, fast ohne Niederschlag, und dann im Sommer ab Januar geht die krasse Regenzeit los, mit teilweise sintflutartigen Regenfällen, wo es jährlich zu denselben, teils sehr heftigen Überschwemmungen kommt. Vieles erscheint irgendwie etwas schräg, aber man gewöhnt sich langsam eine Gelassenheit an. Besonders interessant ist es auch von hier aus auf Europa und seine Probleme zu schauen, die in dem Zusammenhang natürlich ganz anders erscheinen. So etwas kann man aber nur schwer in Worten vermitteln. Ich sage daher immer, jeder der die Möglichkeit hat, aus Europa einmal hierher zu Besuch zu kommen, sollte das unbedingt tun, und er wird bereichert zurückkehren!

eclipsed: Kann man das Leben dort überhaupt mit dem in Deutschland vergleichen? Gibt es Dinge, die du aus Deutschland vermisst?

Peters: Das ist hier schon wirklich eine andere Welt. Ich bin ja nach 40 Jahren in Deutschland auch ganz anders aufgewachsen als meine Frau, die eben in erster Linie ihre brasilianische Realität kennt. Man kann sich nun vorstellen was das im täglichen Leben an Missverständnissen und Problemen aufwirft. Hier zählen halt erstmal andere Dinge, sehr viel wichtiger als z.B. irgendeinen „modernen Sch...“ oder irgendwelche dieser Luxusgüter zu haben, ist es sich mit Freunden oder Familie zu treffen, in einer der zahlreichen „Plastik-Stuhl-Bars“. Das brasilianische Lebensgefühl ist eher schwer nur mit Worten in einem knappen Interview zu vermitteln und sicher ist nun nicht jeder Brasilianer und nicht jeder Deutsche gleich in ein Schema einzuordnen. Ich selber bin aber immer noch ein verwöhnter Westeuropäer, heule mich nicht selten darüber aus, dass ich eben nicht einfach mal einen Verstärker kaufen kann, wie beim Musicstore Versand, wo er am nächsten Tag da ist und bei Nichtgefallen ungefragt zurückgenommen wird. In dem Sinne vermisse ich schon etwas, ja.

eclipsed: In wie weit kriegst du die politische Situation mit, gerade jetzt nach der Präsidentenwahl?

Peters: Ich interessiere mich nicht sehr für Politik, bekomme aber natürlich vieles mit. Wenn ich z.B. immer mal Nachrichten aus Europa überfliege, ist da doch meistens eher Grund für schlechte Laune. Da kann man mir jetzt Naivität nahelegen, aber letztlich hat das Leben auf unserem Planeten so viele Nuancen, die wohl die Wenigsten von uns auch nur halbwegs erschließen können. Alles ist doch irgendwie komplex und hat mehr als eine Seite. Hier in Brasilien haben wir nun Wahljahr, das ist einerseits interessant, anderseits fast schon komisch wenn Bolsonaro den nicht mehr ganz so jungen Lula z.B. mitten in der TV-Debatte auf seine strammen Beine anspricht oder der Viagrakonsum im jetzigen Parlament thematisiert wird. Was das alles am Ende für uns „Normalsterbliche“ hier bedeuten wird, wird sich wohl zeigen. Eine Sache möchte ich jedoch noch einmal im Besonderen erwähnen, in meinem Bekanntenkreis hier in Brasilien können beide Lager immer relativ entspannt diskutieren, und auch beste Freunde können komplett gegenläufige Ansichten haben. Mir ist vor allem in den beiden letzten Jahren aus Deutschland eher etwas sehr Gegenteiliges aufgefallen, das dort sogar Freundschaften an politischen Diskussionen zerbrechen können. In Brasilien kann man trotz alledem auch sehr locker über sich selbst und die Welt lachen.

eclipsed: In wie weit hat Brasilien einen Einfluss auf deine Musik? Zumindest auf Surya Kris Peters scheint doch ein gewisser Einfluss da zu sein.

Peters: Unter anderem beeinflusst mich in Brasilien wohl gerade eines, und zwar die gewisse Isolation, in der ich hier lebe. Ich kam nun aus dem quasi-hippen Berlin, wo es nicht nur an Musikern, sondern auch an Musikinstrumenten etc. in keiner Form mangelt, hier in die brasilianische Provinz. Einerseits wollte und musste ich auch erstmal allein sein, ohne fremde Einflüsse und vor allem nervige Grundsatzdiskussionen (z.B. Streit wie oft ein Part wiederholt wird). Andererseits sehe ich mich hier auch mit einigen Schwierigkeiten konfrontiert, die zu Improvisation und Kreativität führen müssen. Wenn es z.B. schwierig wird, Instrumente oder Gerätschaften (z.B. Gitarrenverstärker) zu kaufen, tja, was macht man dann? Das ist hier manchmal auch ein bisschen Krampf für mich, z.B. Effektpedale zu finden, auf die ich grad Bock hab, die dann aber irgendwie auch bezahlbar sind. Fast alles an Musikequipment hier ist zwei- bis dreimal so teuer wie in Europa bzw. überhaupt nicht erst verfügbar, und in 2020 kam ich ja erstmal nur mit dem Allernötigsten her: mit zwei Koffern, davon einem für den Modularsynthesizer, und nur einer einzigen Gitarre.

Also besinnt man sich auf das, was man hat, am Ende reicht es ja auch für eine Weile, und vielleicht sind viele dieser Gerätschaften auch nicht das, was man wirklich braucht, sondern wie in meinem Fall kann man sich vielleicht eher noch einmal darauf besinnen, was einen guten Gitarristen oder Musiker allgemein ausmacht. Z.B. übe ich hier täglich Gitarre, was ich in Deutschland zuletzt in den frühen 2000ern gemacht habe, während ich in Deutschland zuletzt mehr damit beschäftigt war, irgendwelchen Sounds (oder Sights) hinterherzujagen: gestern irgendwelche Vintage Verstärker, heute die Quad Cortex – am Ende eher ein ganz schöner Quatsch. Man kann sich auch sehr leicht in einer Art Equipment-Fetischismus verrennen. Dieses ganze analog vs. digital-Gequatsche usw., macht lieber ein paar Songs und habt Spaß. Tja und wie gesagt, dass ich hier alleine musiziere, beeinflusst ganz sicher auch und führt mich eventuell zu Fragen wie: Wieviel muss oder will ich in meinen Songs eigentlich sagen? Müssen da jetzt zig Parts drin sein, oder reicht manchmal ein einfacheres Strophe-Refrain-Strophe-Schema?

Mit SBE wollte ich seit Jahren auch weg von diesem verkopften „Pseudo Prog“, ganz schlimm fand ich das z.B. bei „Waiting For The Flood“. Das „Long Distance Trip“-Album hingegen, welches in großen Teilen von mir allein erdacht war, hat schon bewiesen, dass man eben nicht so verkopft sein muss beim Musikmachen. In manchen Dingen musste ich wohl auch erstmal zurück zu mir finden. Das Leben hier in Brasilien hat mich auch zu viel Selbstreflexion geführt, trotz dessen ich ja hier alles andere als allein für mich bin, sondern zum ersten Mal in meinem Leben in einem wirklich wunderbaren Familien-Setting mit Frau und Stieftochter lebe.

eclipsed: Bist du in die brasilianische Musikszene eingetaucht? Beschreibe die Szene doch mal ein bisschen.

Peters: Ich mochte schon seit meinem ersten Besuch in 2017 vor allem die brasilianischen 60er-80er Jahre Sachen, da gab es z.B. eine ganz eigene Form des Progressive und Psychedelic Rock mit Bands wie Secos e Molhados oder Künstler wie Tim Maia (alter brasilianischer Funk). Vor allem den habe ich eine Zeitlang täglich viel gehört. Das ist irgendwie auch eine Art „gute Laune-Musik“ und hat mir über eine etwas traurige Zeit in Berlin geholfen. Vielleicht habe ich im Geiste ja schon seit 2017 in Brasilien gelebt, mit täglichen Caipirinhas, Tim Maias Musik und den damaligen Online-Chats mit meiner jetzigen Frau. Auch aktuell gibt es hier natürlich zahlreiche Musiker, allerdings vielleicht nicht unbedingt so sehr spezialisiert wie in Berlin oder Europa allgemein. Wenn ich jetzt hier jemandem von modularen Synthesizern erzähle, tauchen eher nur Fragen auf. In Deutschland, zumindest in Berlin, ist das ja nun eher schon wieder kalter Kaffee. Was hingehen aber beachtlich ist, hier im Ort haben wir z.B. auch ein jährliches Drum-Festival, selbst unser recht junger Bürgermeister ist auch Rock-Drummer. Allgemein haben hier Rock und Metal schon auch eine relativ große Popularität. Sepultura kamen z.B. aus unserer Landeshauptstadt Belo Horizonte. Es gab vor ein paar Monaten auch einen Stonerrock-Sampler „Weedian: Trip To Brasil“. Leider ist aber vieles eher sehr westlich orientiert, nicht mehr wie zu Zeiten der Musica Popular Brasileira in den 70ern. Ich würde z.B. das Buch „Lindo Sonho Delirante“ empfehlen und dort die Bands anzuchecken. In den 60ern bis 80ern gab es richtig tolle eigenständige Musik hier, die wohl die wenigsten in Europa kennen werden, da man sich eventuell auch erstmal an die portugiesische Sprache gewöhnen muss.

eclipsed: Warst du seit deinem Umzug nach Brasilien schon mal wieder in Deutschland?

Peters: Ja, leider nur einmal kurz in zwei Jahren aufgrund schwieriger Einreisebestimmungen, weil Brasilien von deutschen Behörden immer mal wieder als „Hochrisikogebiet“ eingestuft wurde. So konnte man halt schwer eine Reise planen. Nun ja, schwieriges Thema, das sich zum Glück auch in Deutschland entspannt hat. Unser Besuch in Deutschland, nach zwei Jahren in Brasilien, war dann in vielen Dingen „interessant“ und auch eine Art umgekehrter Kulturschock für mich, plötzlich konnte man z.B. wieder alles kaufen, selbst die Kellogs Smacks, nach denen ich hier zwei Jahre suchten musste. Wir waren zeitweise in einer Art Rausch, sogar meine Frau hatte plötzlich eine Shoppinglust entwickelt. Am meisten in Deutschland vermisse ich tatsächlich aber den Herbst, sowas gibt es hier halt in der Art nicht. Ganz andere Vegetation halt, wir sind hier mitten in den Tropen.

eclipsed: Kommen wir nun zu Fuzz Sagrado: In dem Interview 2021 zu „End Of Forever“ hast du gesagt, dass dich die tiefer gelegte Fuzzgitarre und der noch tiefere Fuzzbass langweilen. Mit Fuzz Sagrado bist du nun zumindest teilweise zu dieser Art Musik zurückgekehrt. Was hat deine Meinung geändert?

Peters: Ja sehr gut bemerkt, um es nochmal auf den Punkt zu bringen: schlimm war für mich bei SBE unter anderem, dass der Bass fast immer alles überdonnert hatte und man das irgendwie auch nicht kommuniziert und gelöst bekam, dass der Bass ein wichtiger Teil der Musik ist, aber eben nicht allein die Musik ausmacht. Darauf kann man diesen Satz aus unserem vorherigen Interview vor allem wohl beziehen. Das war wirklich extrem für mich, wenn ich als Gitarrist mit zwei wirklich monstermäßigen 100-Watt-Röhrenverstärken und großen 4x12-Boxen, alles immer gleichzeitig an, im Raum stehe und trotzdem manchmal nur so ein Fitzelchen von meiner Gitarre wahrnehmen konnte. Wenn es dann auf meine Frage, ob man etwas leiser spielen könne, in etwa hieß; „Na dann musst du dich lauter machen“. Also da habe ich wahrscheinlich einfach ein anderes Musikverständnis entwickelt.

Ich liebe ansonsten weiterhin auch bestimmte Alben aus dem Hardrock, meine alten Stonerhelden aus den 90ern oder halt späten 60s- und frühen 70s-Kram, ja auch den ewig präsenten Hendrix muss ich als Einfluss zählen. Das war und ist schon tolle Musik. Ein großer Schubs zurück zum Rock kam für mich dann tatsächlich von Musik-Youtubern, allen voran ein gewisser Rick Beato, der eine ganz tolle Reihe von Videos macht, wo er bekannte Rocksongs auseinandernimmt und mit großer Leidenschaft alle Parts erklärt, wie in etwa „hier hör mal was der Bass in diesem Led Zeppelin-Song spielt, und dann das Schlagzeug“. Durch diese Videos habe ich endlich auch ein besseres Verständnis für die Arbeit der Rhythmusfraktion entwickeln können. Bass spielen macht mir z.B. grad richtig viel Spaß!

eclipsed: Auf der Bandcamp-Site zu „A New Dimension“ hast du schon eine Menge zu Fuzz Sagrado erklärt. Beschreibe dennoch bitte deine Motivation zu Fuzz Sagrado.

Peters: In einem Interview mit dem Rock Hard in 2020 meinte deren Herausgeber und erklärter SBE-Fan Holger Stratmann zu mir: „Du musst weitermachen mit dieser Art Musik“ und das war wohl als erstes bei mir hängen geblieben. Ich bin auch echt noch nicht bereit für die Rockerrente, um das mal so zu sagen. Dafür ist noch zu viel Musik in mir drin, die halt raus will. Ich habe dann irgendwann einmal aus Spaß Black Sabbaths „Sweet Leaf“ hier gecovert, und das war so ein Moment, wo mir wirklich nochmal der Groschen gefallen war: Ich habe doch noch Bock auf Rock. Sicher muss es nicht immer so knallen wie bei Samsara, aber ich sehe auch, dass manche Leute noch Spaß an meiner Musik haben. Mich freut das Feedback, das ich nun bekomme und mich anspornt weiterzumachen. Man sitzt als Musiker auch nicht nur allein im Kämmerchen.

eclipsed: Machst du tatsächlich alles allein auf dem Album? Alle Instrumente? Produktion? Tontechnik? Hast du dort ein eigenes Heimstudio? Oder wo hast du das Album aufgenommen?

Peters: Ja, ich mache alles allein. Ich habe hier in unserem Haus einen kleinen Raum, in dem ich quasi von mittags bis abends Krach machen kann. Meine Frau liebt ja auch meine Musik, und hat einen recht eklektischen Musikgeschmack. Ihre Lieblinge sonst sind Frank Zappa, Magma und sowas. Von daher schon mal recht gute Voraussetzungen, nur das angesprochene Equipment-Beschaffungsproblem nervt mich manchmal, obwohl man wirklich nicht so viel braucht. Selten fehlt mir auch ein Austausch mit (Mit-) Musikern, aber letztlich habe ich genug Leute, die ich fragen kann, ob das jetzt gut oder sch... ist, was ich so mache. Mit der Produktionstechnik (vor allem Mix & Mastering) habe ich mir extrem viel angelernt in den letzten zwei Jahren. Es war ja genug Zeit dafür und mit dem Internet liegt einem das Wissen der Welt zu Füssen. Viele essentielle Plugins gibt es sogar kostenlos oder sie sind bereits im grundlegenden Aufnahmeprogramm vorhanden (Kompressoren etc.). Man braucht ganz sicher kein Vintage-Equipment und eher nur sehr wenig analoges Zeug. Ich bin halt auch ein ziemlicher Nerd, ich liebe so Computerkram, die ganzen Plugins, die es so gibt etc. Das ist grad voll mein Ding!

eclipsed: „A New Dimension“, der Titel des Fuzz Sagrado-Albums, kann auch bedeuten, dass du einen musikalischen Neuanfang wagst. Ist das so? Oder zumindest, dass du eine neue stilistische Ausrichtung innerhalb des Psychedelic Rock beschreiten möchtest?

Peters: Ich würde das, was ich da im Moment mache, erstmal gar nicht unbedingt alles als „reinen“ Psychedelic Rock bezeichnen. Ich mag tatsächlich auch einige Gruppen aus den 80ern, Post-Punkiges wie The Comsat Angels oder The Sound, und auch gut gemachten Synthie Pop à la Depeche Mode. Sowas ist in Samsara ja nie vorgekommen. Ich habe aber Bock, diese Einflüsse in meine Musik einzubringen. Nicht immer, aber mal in ein oder zwei Songs pro Album fände ich cool und es macht eventuell auch einen kleinen Unterschied zur großen Masse der restlichen Stoner- und Psychedelicwelt. Das verstehen nun eventuell nicht alle Hörer, und nicht jedem gefällt es. Was sollʼs, ich mag eben nicht nur ein weiteres Klischee bedienen, davon gibt es mehr als genug. Meine erste Band war übrigens eine Gothic Gruppe, obwohl ich da eher nur zufällig dazu gestoßen war. Aber im Gothic Bereich, der sich ja wiederum aus angesprochenen 80s Sounds ableitet, finden sich auch Anklänge an meine Lieblingsband The Doors wieder. Ich habe auch eine gewisse Grundmelancholie in mir, glaube ich. Lake Of Tears ist auch eine meiner Lieblingsbands in den 90ern gewesen. Da wusste teilweise auch niemand, wie man das nun genremäßig bezeichnen soll, Gothic Psychedelic Rock? Ich will mir da keine Grenzen auflegen, noch weniger als bei SBE. Ich denke, bei Fuzz Sagrado mache ich wirklich teils auch „Experimentelles“ und sicher nicht nur so Standard Psychedelic, der nach 60s klingen muss. Das fände ich langweilig und hat für mich auch wenig mit dem Begriff Psychedelic im Ursprünglichen zu tun. Da geht es für mich eher um eine Art „Erweiterung der Wahrnehmung“, und nicht um Abziehbild-genaues Nacheifern von Vorbildern aus der Ursuppe der späten 60er.

eclipsed: „A New Dimension“ lotet tatsächlich verschiedene Möglichkeiten des Psychedelic Rock aus. Die Tracks haben unterschiedlichen Charakter. Hast du schon eine Ahnung, wo dich Fuzz Sagrado noch hinführen wird?

Peters: Ich mache weiter, solange es mir Spaß macht. Im Moment arbeite ich an dem zweiten Fuzz Sagrado-Album, das quasi auch fast fertig ist. Da finde ich interessanterweise auch viele Parallelen zum Grunge der frühen 90er wieder, aber auch Anklänge an Pink Floyd, und auch fast schon symphonische Momente wie z.B. bei The Verve oder The Moody Blues. Also umso mehr man lernt, umso unendlicher scheinen die Möglichkeiten, wenn man kreativ und offen genug ist.

eclipsed: Kannst du dir vorstellen, auch mal wieder innerhalb eines Bandkontextes Musik zu machen? Was müsste dafür alles passen?

Peters: Ja, im Moment denke ich darüber nach. Mir fehlt doch auch manchmal die soziale Komponente, sich mit zumindest ähnlich Gesinnten im Proberaum zu treffen, und dann live zu spielen. Das kann schon auch was Schönes sein. Ich hatte auch schon ein Angebot, auf einem Festival hier in Brasilien zu spielen. Prinzipiell müssten sich die musikalischen Mitstreiter aber meinen (Song- und Sound-)Vorgaben einordnen, eventuell mehr als schon bei Samsara. Allzu locker kann eine Band scheinbar nicht laufen, wenn das halbwegs „gut“ sein soll. Ich möchte nicht nochmal in einer Band spielen, die ich gründe, wo ich am Ende aber das Gefühl habe, mich nicht mehr mitteilen zu können. Mich haben ehrlich auch diese anfänglichen Vergleiche mit Amon Düül immer sehr genervt, vielleicht weil SBE manchmal wirklich irgendwie krautig waren, was aber nie meine Absicht war. Ich wollte immer eher eine tighte Rockband haben, die die Songs im Konzert auch möglichst gut umsetzt. Ich bin in dem, und im buchstäblichen, Sinne auch kein Stoner. Mich beeindrucken da eher andere Gruppen, wo alles irgendwie gut zusammen harmoniert.

***Interview: Bernd Sievers