Die britische Band 10cc geht im September auf Deutschland-Tour. Graham Gouldman ist dabei das letzte noch aktive Gründungsmitglied. Er schrieb auch Hits für die Yardbirds, Herman’s Hermits, die Hollies und Jeff Beck. Als 10cc 1974 ihr zweites Album „Sheet Music“ veröffentlichten, wurde es mit den späten Werken der Beatles verglichen. Allein die Texte lösten vielerorts Begeisterungsstürme aus. Wer sich darauf einließ, konnte immer neue sprachliche Finessen, feine Seitenhiebe und ironische Brechungen entdecken. Besonders die amerikanische Gesellschaft geriet dabei ins Visier der Briten: etwa in dem Single-Hit „The Wall Street Shuffle“, der den Börsen-Hype mit scharfem satirischen Blick seziert. Vom Aktiengeschäft hatten Graham Gouldman, Kevin Godley, Eric Stewart und Lol Creme allerdings keinen blassen Schimmer.
Sänger, Gitarrist und Bassist Gouldman, inzwischen 80, erinnert sich: „Wir mussten in Zeitungen schauen, um Wörter und Wortspiele herauszusuchen, die wir verwenden wollten. Zum Beispiel: Man braucht einen Yen, um eine Mark zu verdienen, oder so etwas in der Art.“ Auch musikalisch zeigte sich die Band aus der Region Greater Manchester auf höchstem Niveau. Was Lol Creme auf der Gitarre entfaltete, gehört zum Feinsten, was die damalige Popmusik zu bieten hatte. Das Spektrum reichte von sanften Passagen über verspielte Klangexperimente bis hin zu kraftvollen Rock-Nummern. 10cc waren ihrer Zeit deutlich voraus. Mit einem ausgeprägten gestalterischen Anspruch trieb das Quartett in wechselnden Besetzungen Songwriting und Produktion bis Anfang der 80er konsequent voran.