Bismut – das sind Gitarrist Nik Linders, Schlagzeuger Peter Dragt und Bassist Huibert der Weduwen – feiern 2026 ihr zehnjähriges Jubiläum. Drei Alben standen bislang auf der Habenseite: „Schwerpunkt“ (2018), „Retrocausality“ (2020) und „Ausdauer“ (2023), allesamt mit Jams und Improvisation im Proberaum eingespielt, allesamt ein Mix aus Heavy Psych, Doom, Stoner und Prog. In dieselbe Richtung stößt nun auch das neue Werk „Matsutake“ vor. Über die Hintergründe sprach eclipsed im Zoom-Interview mit den drei Musikern.
eclipsed: Glückwunsch zu eurem neuen Album „Matsutake“. Wann habt ihr angefangen, an dem neuen Werk zu arbeiten? Wie lange hat es gedauert?
Peter Dragt: Wir haben vor zwei Jahren direkt nach dem vorherigen Album „Ausdauer“ angefangen zu jammen. Wir hatten immer noch genug Ideen, um direkt weiterzumachen. Nach dem Prozess des Songwritings für „Ausdauer“ vermissten wir die Freiheit des Jammens. Für mich war es eine Art Erlösung, wieder mit dem Jammen anzufangen.
eclipsed: Ihr habt das neue Album auf die gleiche Weise aufgenommen wie eure vorherigen Alben – indem ihr gemeinsam in eurem Proberaum gejammt und improvisiert habt. Was macht diese Art der Aufnahme so attraktiv für euch?
Nik Linders: Das ist nicht nur die Art, wie wir aufnehmen, sondern auch, wie wir Songs schreiben. Wir fangen mit Jams an, und an einem gewissen Punkt hören wir sie uns an und verwandeln sie in etwas. Der Prozess beginnt also immer mit dem Jammen und geht dann meistens so weiter, dass Huibert die Aufnahmen der Jams in kleinere, mundgerechte Stücke schneidet. Daraus formen wir dann die Songstrukturen, die am Ende aufgenommen werden. Wir nehmen uns im Grunde einfach die besten Teile heraus. Diese packen wir in die Songs. Einige Passagen halten wir bewusst offen, damit wir dort immer noch ein bisschen jammen können. Aber ein Teil davon wird zu einer festen Songstruktur. Es funktioniert einfach für uns, weil es sich natürlich anfühlt. So arbeiten wir seit dem ersten Album, und es funktioniert für uns immer noch sehr gut.
eclipsed: Ihr schneidet also einfach die langen Jams von vielleicht 20 oder 25 Minuten auf 5 oder 10 Minuten runter?
Linders: Wir nehmen die Struktur und die Hauptteile aus den Jams, aber wir machen sie uns zu eigen, wenn wir anfangen, den Song zu proben. Wir ändern ständig Dinge daran. Die Songs sind also nicht exakt so wie die Jams, aber sie sind auch nicht völlig anders.
eclipsed: Der Aufnahmeprozess war also der gleiche wie bei den früheren Alben. Aber was ist anders? Was ist der Unterschied zwischen dem neuen Album und „Ausdauer“?
Dragt: Wir spielen jetzt seit zwei weiteren Jahren intensiv zusammen und sind als Einheit gewachsen. Ich beherrsche zum Beispiel die Dynamik am Schlagzeug viel besser als früher. Je länger man sein Instrument spielt, desto präziser wird man.
Huibert der Weduwen: Aber wir sind auch als Band besser darin geworden, Entscheidungen zu treffen. Wir verstehen heute schneller, welche Atmosphäre oder welchen Vibe ein Song braucht. Dadurch bekommt die Musik mehr Tiefe. Es fühlt sich heute alles notwendiger an – wie ein Wort in einem Satz, das genau an diese eine Stelle gehört.
eclipsed: Wenn ich mir das neue Album anhöre, habe ich das Gefühl, dass es nicht einfach nur Improvisation sein kann. Es klingt nach viel mehr. Die Stücke durchlaufen verschiedene Momente, Stile und Stimmungen. Woher kommen all diese unterschiedlichen Einflüsse?
Linders: Das passiert überraschenderweise ganz natürlich. Wir kommen aus völlig unterschiedlichen Ecken: Punk, Stoner, Metal und Doom. Wir waren früher alle in sehr verschiedenen Bands aktiv. Ich bin selbst oft überrascht, wenn wir uns die Jams hinterher anhören, dass wir drei irgendwie zusammen diesen einen Moment finden. Wenn wir im Proberaum stehen, schauen wir uns an, gehen zum nächsten Part über, und irgendwie passt es. Die besten Momente landen auf dem Album. Wir finden einfach denselben Vibe und merken: Ja, das funktioniert!
Dragt: Oft vergesse ich beim Spielen völlig die Zeit und wo ich bin und „wache“ erst eine Stunde später wieder auf. Und das alles ganz ohne Drogen!