Es ist ein offenes Geheimnis: Im 58. Jahr ihres Bestehens sind die HardrockPioniere in der Form ihres Lebens. Das unterstreicht auch ihr 24. Studio-Epos „Splat!“, das mit einer grandiosen Mischung aus Lebenserfahrung, MontyPython-Humor und bissiger Gesellschaftskritik aufwartet. Alles verpackt in starke Songs mit noch stärkeren Gitarren-/Keyboard-Passagen. Grund genug für ein ausführliches Gespräch mit Maestro Ian Gillan, der Mitte August stolze 81 Jahre jung wird. Darüber hinaus standen auch Roger Glover und Don Airey für interessante Kurz-Interviews zur Verfügung. Plus: Thin Lizzy und das Purple-Experiment!
eclipsed: Ian, aktuell tourt ihr noch mit „=1“, stellt aber gleichzeitig ein neues Album namens „Splat!“ vor. Wie habt ihr das – bei all dem Reisen – so schnell hinbekommen?
Ian Gillan: Ganz einfach: Die Songs sind bei 7 Sessions in den letzten 18 Monaten entstanden. Wir haben immer wieder ein paar Tage auf Tour pausiert, um neue Ideen festzuhalten. Mit demselben Ansatz, den wir seit 1969 verfolgen: Wir starten gegen Mittag und enden um Punkt 18 Uhr – unterbrochen von einer 15-Uhr-Tee-Pause. Auf diese Weise kamen wir auf etwa 25 Ideen, die wir in Nashville mit Bob Ezrin in Form gebracht haben. Nicht zu kompletten Stücken weiterentwickelt, sondern zu reinen Instrumentals, die es anschließend noch weiter auszuarbeiten galt.
eclipsed: Also ein aufwendiges Prozedere?
Gillan: Definitiv. Und den Gesang habe ich in Hamburg und dann noch einmal in Toronto aufgenommen. Aus einem Grund, den wir schon früh erkannt haben: Du machst ein Album, gehst auf Tour, und nach fünf oder sechs Konzerten verändern sich die Songs so, dass sie nur noch wenig mit den Studio-Versionen zu tun haben. Sie entwickeln sich weiter. Von daher testen wir die Stücke immer erst auf der Bühne, bevor wir die finale Version einspielen. Um sich später nicht ärgern zu müssen: „Ich wünschte, wir hätten das anders gemacht.“ Auch die Texte gehe ich nicht mehr auf konventionelle Weise an. Ich schreibe keine Songs, sondern Geschichten.
eclipsed: Die meisten davon haben etwas von einer Parabel für die verrückte heutige Zeit…
Gillan: (lacht) Unbedingt.