EINAR SOLBERG - Ein Maestro auf Reisen

14. April 2026

Einar Solberg Leprous

EINAR SOLBERG - Ein Maestro auf Reisen

Ist er der künftige Klassiker unter den Proggern? Auf seinem zweiten Soloalbum „Vox Occulta“ rückt der Frontmann von Leprous breitwandige Orchesterklänge ins Zentrum. Sein Anspruch: der „cineastischste Musiker des Progrock“ zu werden. Ein Gespräch mit dem norwegischen Sänger über Inspiration, Druck – und die glanzlosen Orte, an denen seine Songs entstehen.

Als das Orchester gebucht war, stand noch keine einzige Note auf dem Blatt. „Das war etwa einen Monat vor den Aufnahmen, und ich tourte mit Leprous durch die USA.“ Einar Solberg erzählt das nebenbei, fast lapidar, während er über die Entstehung von „Vox Occulta“ spricht. Dabei ist das zweite Album, das der Sänger unter eigenem Namen veröffentlicht, sein bis dato größtes Projekt, ein Hybrid aus Progmetal und klassischer Musik. So arbeitete er zum ersten Mal mit dem Norwegian Radio Orchestra zusammen, das schon den Eurovision Song Contest musikalisch gestaltete und Künstler wie Gregory Porter oder Diamanda Galás begleitete. Angst davor, das Orchester wieder nach Hause schicken zu müssen, hatte er allerdings nicht. Erst unter Druck, sagt Solberg, blühe er richtig auf. „Ich lasse mich gern von meiner Kreativität treiben und hoffe, dass ich sicher ankomme.“

Einar Solberg ist ein kreativer Dauerbrenner. Seit 2001 lotet er mit Leprous die Tiefen des Progmetal aus, komponiert und textet für das Quintett, gibt die kreative Marschrichtung vor. Zuletzt hatte sich die Band kargeren, elektronischeren Landschaften zugewandt, in denen vor allem Solbergs Stimme glänzen konnte, die mal kühl raunte, mal aggressiv schrie und sich mal in einen musicalhaften Sopran emporschwang. 2023 dann veröffentlichte er „16“, sein erstes Soloalbum, eher eine Ansammlung von Songs als ein kohärentes Ganzes. Im Gegensatz zu „Vox Occulta“, für das Solberg klare Parameter absteckte: keine Synths, viel Bombast. „Deswegen habe ich zuerst die Orchesterpartituren komponiert“, sagt er, „und alles andere danach.“ In „Stella Mortua“ etwa schwelgen die Geigen zu donnernden Pauken, bevor die Gitarre mit einem arpeggierten Akkord einsteigt. 

EINAR SOLBERG – Medulla (OFFICIAL VIDEO)

Lest mehr im aktuellen Heft ...