GENTLE GIANT - Keiner werfe den ersten Stein

8. September 2026

Gentle Giant Progressive Rock Prog

GENTLE GIANT - Keiner werfe den ersten Stein

1973 erschien mit „In A Glass House“ eines der bahnbrechenden Alben des Prog, das auch für seine Schöpfer, die britische Band Gentle Giant, ein Schwellenwerk war, das sie in eine damals noch ungewisse Zukunft katapultierte. Frontmann Derek Shulman empfängt uns via Zoom in seinem Arbeitszimmer und ist, wie sich herausstellen wird, mehr als begeistert, über ein Album zu sprechen, das er lange vermieden hat zu hören, aber nun zu den Glanzlichtern seiner Karriere mit Gentle Giant zählt.

Derek Shulman ist gut gelaunt und bereit, über ein Album zu sprechen, das er als schwierig bezeichnet und dessen Größe er erst seit kurzer Zeit wieder goutieren kann – genau gesagt, seit er sich an den Remix gemacht hat. Dass er solche Schwierigkeiten mit „In A Glass House“ hatte, liegt an den schwerwiegenden familiären Verwerfungen, die mit dem Entstehungsprozess einhergingen... „Mein Bruder Phil hatte die Band nach dem ‚Octopus‘-Album verlassen, und wir, vor allem ich, verstanden die Welt nicht mehr, da wir uns auf einem kreativen Höhepunkt wähnten. Phil sah sich vor die Entscheidung gestellt, entweder eine Familie zu gründen oder eben diesen Rock’n’Roll-Lebensstil weiterzuverfolgen, und er entschied sich gegen die Band. Damals hatte ich kein Verständnis dafür, und wir hatten danach jahrelang keinen Kontakt mehr. Das war schon eine schwere Zeit.“ Auf dem fertigen Album findet sich dann mit „Way Of Life“ auch ein Song, der recht unmittelbar Phil Shulman und dessen Situation anspricht. Dazu kam, dass die Plattenfirma, wie in den 70er Jahren üblich, schnell neues Futter verlangte, und der Band ganze fünf Wochen für Aufnahme und Mix kredenzt wurden. Psychisch sahen sich die beiden verbliebenen Shulman Brüder, Derek und Ray, sowie ihre drei Mitstreiter Kerry Minnear, Gary Green und John Weathers erst kaum in der Lage, ihre hochkomplexe Musik statt zu sechst nun nur noch zu fünft zu spielen. Über die Sessions selbst möchte Shulman gar nicht so viel sprechen, außer, dass es eine sehr aufreibende und belastende Zeit gewesen sei. „Unsere Fans haben es schon immer so empfunden, dass ‚In A Glass House‘ eines unserer besten Alben ist, aber ich konnte und wollte mich jahrzehntelang nicht mit dieser sehr schwierigen Zeit auseinandersetzen. Und so war ich insgeheim sehr froh, dass ein Remix lange nicht im Bereich des Möglichen war.“

Die Technik macht’s möglich, das Glashaus wieder aufzubauen

Im Unterschied zu anderen Gentle-Giant-Alben waren im Fall von „In A Glass House“ nämlich die Masterbänder verschollen und nicht mehr aufzufinden. Lange Zeit hatte man daher einen Remix für unmöglich gehalten, doch die neuen technischen Möglichkeiten öffneten neue Türen. „Es ist unglaublich“, begeistert sich Shulman, „wir konnten mit der neuen uns zur Verfügung stehenden Technologie aus unserer Quelle die einzelnen Spuren bzw. Instrumente retrospektiv isolieren und einzeln abspeichern, um auf dieser Basis dann das Album neu zu mischen. Es gibt Leute, die finden diesen KI-Einsatz problematisch, aber die Wahrheit ist doch, dass das Original-Album einfach nicht gut abgemischt war. Wir hatten keine Zeit, das damals ordentlich zu machen, und wie viele 70er-Jahre-Produktionen klingt das Ganze schwammig und wenig differenziert. Nimm nur Rays Bass-Spiel, dem nun endlich die Ehre zuteilwird, die es verdient. Ich bin mir sicher, Ray sitztda irgendwo im Himmel und erfreut sich daran, wie toll sein Bass nun klingt“, gedenkt Shulman seinem 2023 verstorbenen Bruder. Aber auch die akustischen Finessen des Albums kommen im neuen Mix, den es entsprechend auch in Dolby 5.1 und Dolby Atmos gibt, phantastisch zur Geltung ...

Gentle Giant’s "In a Glass House" Returns in Newly Remixed and Remastered Edition! Available July 31

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