Inga Rumpf, soeben 80 Jahre alt geworden, zählt zu den Pionierinnen der deutschen Rockmusik. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren arbeitete sie mit Udo Lindenberg zusammen und scheute in ihrer langen Karriere nie das künstlerische Risiko. Ende des Jahres erscheint ihr prominent besetztes GeburtstagsLivealbum.
Gerade einmal 20 Jahre alt war Inga Rumpf, als sie bei den City Preachers einstieg. In den Anfangsjahren verband die Band Flamenco, jiddische Musik, Country, Gospel und Blues – eine Mischung, die man heute wohl als Weltmusik bezeichnen würde. Der britische Gitarrist John O’Brien-Docker hatte dieses Konzept nach Hamburg gebracht. „Wir sind viel in Kulturhäusern, Theatern und an Universitäten aufgetreten“, erinnert sich Rumpf. „Später haben wir auch deutsche Texte gesungen, zum Beispiel auf der Platte ‚Warum? Deutsche Protestsongs: Lieder gegen den Krieg‘.“
Erfolge mit Frumpy und Atlantis
1969 stand mit ihr erstmals eine Frau an der Spitze einer deutschen Rockband – Frumpy. Das war damals alles andere als selbstverständlich. „Zunächst war ich als Frau gar nicht so eindeutig erkennbar“, erzählt sie. „Ich war eher androgyn, trug Jeans, Unterhemd und lange Haare wie die Jungs und hatte eine recht tiefe Stimme. Viele merkten erst auf den zweiten Blick: Ach, das ist ja eine Frau. Deshalb glaube ich nicht, dass allein mein Geschlecht den besonderen Reiz der Band ausgemacht hat.“ Frumpys Markenzeichen war eine kraftvolle Mischung aus Hardrock und melancholischen Klanglandschaften, veredelt durch das fein dosierte Orgelspiel von Jean-Jacques Kravetz. Im Mittelpunkt stand jedoch stets Inga Rumpfs markante, von Soul und Blues geprägte Stimme. Das über zehn Minuten lange „How The Gipsy Was Born“ vom Album „Frumpy 2“ (1971) gilt bis heute als Herzstück des Bandkatalogs und brachte der Hamburger Formation den kommerziellen Durchbruch. Es war auch die Zeit, in der Konzerthallen gestürmt und Ordner – sofern überhaupt welche vorhanden waren – überrannt wurden – und Veranstalter mitunter sogar samt der Abendkasse verschwanden. „Es kam vor, dass wir nach einem schweißtreibenden Konzert nur mit einem Schuldschein nach Hause fuhren“, erinnert sich Rumpf. Nach der Auflösung von Frumpy gründete sie 1972 Atlantis. Zeitweise versammelte sich dort das Who’s who der westdeutschen Rockszene: Gitarristen wie Frank Diez, Dieter Bornschlegel und Alex Conti gehörten ebenso zur Band wie die Schlagzeuger Curt Cress, Ringo Funk und Udo Lindenberg.