Die Bostoner von OK Goodnight haben unsichere Zeiten hinter sich. Dabei präsentierten sie sich auf ihrem zweiten Album, „The Fox And The Bird“, als eine der vielversprechendsten jungen Bands im kunstvollen, anspruchsvollen Progmetal. Jetzt, nach Umbesetzungen und jahrelangem Touren, melden sie sich mit dem ambitionierten „stop/go“ zurück. Ein Gespräch mit einer Band zwischen Erwartungshaltung und Entwicklungsdrang.
Aber bevor es um Musik geht, spricht Multiinstrumentalist Martín de Lima über Politik. Denn in seinem Heimatland Kolumbien stehen gerade Präsidentschaftswahlen an, die politische Lage sei wie überall in der Welt angespannt. Er empfindet es als große Herausforderung, sich davon im Alltag nicht entmutigen zu lassen. Andererseits betont er, wie wichtig ihm die Musik sei, in die er viel von seiner Frustration fließen lasse. „Eigentlich ist die kreative Arbeit das Beste, was wir als Musiker machen können, um auf diese gesellschaftlich unsicheren Zeiten zu reagieren.“
eclipsed: Casey, Augusto, Martín, wenn wir schon beim Thema sind – wie sehr reflektiert denn „stop/go“ das aktuelle Weltgeschehen?
Augusto Bussio: (lacht) Gar nicht so sehr. Wir haben uns eher darauf konzentriert, über persönliche Dinge zu schreiben, über individuelle Sorgen, Ängste und Nöte. Weil sich so viel bei uns privat und innerhalb der Band veränderte, haben wir nach einem neuen Sinn als kreative Einheit gesucht. Ich finde, das merkt man den Songs an. Klar, das soziale Umfeld beeinflusst einen immer auf die eine oder andere Weise, aber darauf lag diesmal nicht der kreative Fokus.
eclipsed: Und habt ihr diesen Sinn gefunden?
Bussio: Auf jeden Fall! Nachdem 2023 unser Gitarrist Martin Gonzales ausgestiegen ist, waren wir etwas orientierungslos. Der erste Song, der zu viert entstand, war dann „22“. Da fügte sich alles zusammen. Diese Stilbrüche innerhalb des Songs wiesen uns den Weg für die restlichen Kompositionen.
eclipsed: In „22“ treffen djentige Metalriffs auf eingängige Melodien – ganz schön eklektisch.
Bussio: Eklektisch ist das richtige Wort. Nicht nur die einzelnen Songs, sondern auch das Album als Ganzes umfasst eine Menge Genres und Zwischentöne. Wir lieben komplexe Musik, also ist es kein Wunder, dass unsere Songs verworren und nicht immer gradlinig sind.