Man wird nur einmal 80. Wenn man eine Lebensleistung wie der musikalische Erfinder Robert Fripp im Kontobuch hat, ist dieser runde Geburtstag freilich kein Zielpunkt, sondern eine Wendemarke, an der im besten Fall neue Herausforderungen winken. Welche das sein werden, weiß man bei jemandem wie Fripp nie. Denn wenn wir etwas aus seiner langen Laufbahn gelernt haben, dann, dass er in jeder Hinsicht unberechenbar ist.
Es war an einem heißen Tag anno 2000. Das Setting glich einem Krimi von Agatha Christie: Acht ausgewählte Journalisten aus acht europäischen Ländern saßen in London um einen großen ovalen Tisch. Seine Hochwohlgeboren Robert Fripp gewährte Audienz. Der Gastgeber gab die Regeln vor: drei Runden von je einer Stunde, in denen jeder Journalist jeweils eine Frage und eine Zusatzfrage stellen durfte. Die Erwiderung folgte stets der Form „The short answer is ‚Yes‘“ bzw. „‚No‘ – the long answer is…“, worauf sich eine längere Einlassung entlud. Der Musiker genoss die Zeremonie sichtlich. Irgendwann wagte der italienische Teilnehmer folgende Frage: „Warum geben Sie eigentlich nie Autogramme?“
Fripp antwortete mit freundlicher Süffisanz (aus dem Gedächtnis zitiert): „Ich stehe jeden Morgen zur gleichen Zeit auf, frühstücke und gehe zur Arbeit. An der Bushaltestelle warte ich auf den Bus. Niemand käme auf die Idee, den Busfahrer um ein Autogramm zu bitten. Er macht einfach seine Arbeit. Meine Arbeit ist Musikmachen, Autogramme gehört nicht zu meiner Berufsbeschreibung. Ist meine Arbeit getan, fahre ich wieder nach Hause, ganz genau wie der Busfahrer. Wenn Sie mir versprechen, künftig Ihren Busfahrer um ein Autogramm zu bitten, dann bin ich auch bereit, ein Autogramm zu geben.“ Daraufhin schlossen sich seitens anderer Teilnehmer der Runde weitere Fragen zum Thema Autogramm an, auf die Fripp mit höflich-geduldiger Abwehrhaltung reagierte. Am Ende des Events wartete am Ausgang auf jeden von uns ein von allen Mitgliedern King Crimsons inklusive Robert Fripp unterschriebenes Autogrammfoto. Was muss sich der alte Schelm angesichts dieser hartnäckigen Diskussion mit nur ihm bekanntem Ausgang innerlich schlappgelacht haben!