Wolfgang Becker, Kopf des Bluesrocktrios Schwarzbrenner, zeigt sich angesichts der Gratwanderung zwischen lyrischer Vergangenheit und musikalischer Gegenwart auf dem neuen Werk der Band wieder recht zufrieden: „Das Eichendorff Album“, ihr 17. Longplayer in 31 Jahren und der sechste, der sich der Romantik widmet, umfasst acht bereits veröffentlichte und fünf neue Vertonungen von Werken des Dichters.
eclipsed: Wie kann man sich in unseren so rationalen Zeiten auf sechs Alben mit der Romantik beschäftigen?
Wolfgang Becker: Wir haben uns durch „Des Knaben Wunderhorn“ gearbeitet, sind dadurch auf Clemens Brentano und Achim von Arnim gestoßen, um jetzt bei Joseph von Eichendorff zu landen. Wir haben demnach ein ziemlich breites Spektrum abgedeckt. Denn die Romantik war vielschichtig. Das macht sie unwiderstehlich.
eclipsed: Ist Eichendorff ein ganz besonderer Romantiker für euch?
Becker: Er hat es verstanden, eine formenreiche, knappe Sprache zu entwickeln. In diese kann der geneigte Zuhörer kraft einer zweiten Ebene in seine eigene Welt eintauchen. Oder wie Eichendorff es selbst formuliert hat: „Jeder legt die Leiter so hoch, wie er in der Lage ist und möchte.“
eclipsed: Ist „Aus dem Leben eines Taugenichts“ für dich ein spezielles Buch im Gesamtwerk des Dichters?
Becker: Zunächst einmal ist es die bekannteste Erzählung des Autors, was mit der Thematik zu tun hat: Vordergründig ist sie von Leichtigkeit geprägt. Tatsächlich geht es um einen jungen Burschen, der als purer Künstler jenseits des Alltags sein existenzielles Dasein fristet. Dieser Wunsch wird der Menschheit immer bleiben.