STEVE HOWE - Alte Hippie-Ideale mit neuer Aktualität

10. August 2020

Steve Howe Yes

STEVE HOWE - Alte Hippie-Ideale mit neuer Aktualität

Auch Yes hat die Corona-Krise einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ihre „Relayer“-Tour musste auf das Frühjahr 2021 verschoben werden. Wenigstens verkürzt nun Gitarrist Steve Howe mit seinem neuen Soloalbum „Love Is“ die Wartezeit. Im Interview sprach er über Liebe zur Erde als Lebensprinzip, Alexander von Humboldt und sein Vergnügen daran, neben der Gitarre auch mal die Stimme zum Einsatz zu bringen.

Lässt man die „Homebrew“-Serie außer Acht, die eher Democharakter hat, war „Time“ 2011 Steve Howes bisher letztes Solowerk. 2017 spielte er mit seinem im selben Jahr verstorbenen Sohn Virgil „Nexus“ ein. Beide Alben bestanden aus Instrumentalstücken. Auf „Love Is“ tritt er nun nach längerer Sangespause auch wieder stimmlich in Erscheinung, wobei er zusätzlich Yes-Frontmann Jon Davison zum harmonischen Gesangsstelldichein eingeladen hat.

eclipsed: Hat dir die Corona-Auszeit geholfen, dein Soloalbum fertigzustellen?

Steve Howe: Nein, das war schon vorher fertig. Die Stücke des Albums befassen sich hauptsächlich mit den letzten vier, fünf Jahren meines Lebens. Ein paar behandeln aber auch weiter zurückliegende Ereignisse.

eclipsed: Was ist denn die zugrunde liegende Idee des Albums? Offenbar beziehst du dich im Titel auf eine Art universelle Liebe zur Natur und Erde.

Howe: Im Grunde ist das einfach meine Art zu denken, schließlich war ich schon 1967 ein Hippie. Seit 1972 vermeide ich tierische Produkte und pharmazeutische Drogen und Medikamente. Das macht einen wohl auch empfänglich für die Schönheit der Natur und die Erkenntnis, wie bewahrenswert sie ist. Aber es geht auch darum, Kinder zu haben oder auf einfachere Zeiten zurückzuschauen. All das ist Liebe und das Motto des Albums bzw. das meinen Handlungen zugrunde liegende Prinzip.

eclipsed: Auch der deutsche Geograf und Forschungsreisende Alexander von Humboldt, der als Pionier ökologischen Denkens und früher Warner vor der Umweltzerstörung durch den Menschen gilt, war für dich eine Inspiration?

Howe: Ja, meine Frau hat mir das Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ von Andrea Wulf geschenkt. Ein ganz wundervolles Buch über seine Reisen und Entdeckungen. Er hat früh gesagt, dass wir dabei sind, den Planeten zu zerstören, aber er wurde leider vergessen. Da ist es jetzt wohl höchste Zeit, ihn wiederzuentdecken.

eclipsed: „Love Is“ ist aber kein echtes Konzeptalbum. Wovon handeln denn die anderen Songs?

Howe: Nun, Texte sollen sich ja nicht so eindimensional erfassen lassen, aber Liebe ist schon ein durchgehender roter Faden. „See Me Through“ dreht sich darum, konstruktiv mit anderen Menschen sein Leben zu gestalten, egal was es einem beschert. „It Ain’t Easy“ und „Imagination“ handeln vom Kreislauf des Lebens mit Kindern und Kindeskindern. „On The Balcony“ behandelt die Perspektive von oben auf die Dinge des Lebens, Chaos wie Ruhe. Das ist aber auch mehr ein Rocksong, und der Balkon ist wie eine Bühne, auf der du als Musiker wiederum von den Leuten beobachtet wirst.

Love Is a River

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