Vor rund 50 Jahren erschien mit „Jailbreak“ das sechste Studio-Werk der Dubliner Hardrock-Formation Thin Lizzy. Es hätte leicht ihr letztes sein können. Primär dank eines Songs, den die Musiker selbst zunächst gar nicht auf dem Zettel hatten, führte es sie stattdessen aber zum internationalen Erfolg und ließ sie zu einer der Topbands jener Ära avancieren.
Ende 1975 waren Thin Lizzy in den Augen ihres Sängers, Bassisten und Hauptsongschreibers Phil Lynott eigentlich recht gut im Geschäft. Zumindest live waren sie eine Macht – vor allem in ihrer irischen Heimat sowie in Großbritannien, wo ihre Club-Tourneen regelmäßig ausverkauft waren. Was bis dato allerdings fehlte, war ein Single-Hit, der im Radio lief und die globale Masse der Musikfans dazu brachte, auch endlich ihre Platten zu kaufen. Ihre 1972 veröffentlichte Single „Whiskey In The Jar“ war ein guter Start in diese Richtung gewesen. Doch nicht nur war die Nummer lediglich ein Folk-Traditional und auf keinem Lizzy-Longplayer enthalten. Ihre Notierung in den Charts (Platz 1 in Irland, 6 im UK und 7 in Westdeutschland) war auch bereits drei Jahre her – in der äußerst schnelllebigen Musikwelt eine halbe Ewigkeit.
Die danach herausgebrachten Singles aus eigener Feder konnten an den Erfolg nicht anknüpfen. Schlimmer noch: Die dazugehörigen Alben standen wie Blei in den Regalen der Plattenläden. Enttäuscht von den Verkaufszahlen ließ sie ihr Label Vertigo Records (Black Sabbath, Status Quo) wissen: Sollte das nächste Album kein Erfolg werden, würde man die Band vor die Tür setzen. Lynott und seine Kollegen – Drummer Brian Downey und die Gitarristen Scott Gorham und Brian Robertson – begannen im Spätherbst, neue Songs zu schreiben und im Übungsraum mit einem Acht-Spur-Rekor-entstandenen 15 Ideen war auch eine namens „G.I. Joe Is Back In Town“ – ein Lied aus Sicht eines Soldaten, der von der Front in seine Heimat zurückkehrt und Probleme damit hat, wieder in den Alltag zu finden. Hauptinspiration dafür war der erst ein paar Monate zuvor beendete Vietnamkrieg.