Die norwegischen Hardrocker AUDREY HORNE melden sich nach vier Jahren mit dem Album „Devil’s Bell“ zurück

Wir erreichen Torkjell „Toschie“ Rød via Zoom am ersten Tag der russischen Invasion in der Ukraine. Dem in Bergen beheimateten Sänger von Audrey Horne ist die Sorge angesichts des Krieges anzumerken. Gleichzeitig ist seine Vorfreude darauf, mit dem neuen Album „Devil’s Bell“ demnächst auch live wieder voll durchzustarten, deutlich zu spüren. Als bedrohlich empfindet der Frontmann die Gegenwart allerdings schon länger. Schon die Titel der wie gewohnt energiereichen, mitunter hymnenhaften Hardrocksongs mit klassischem Metal-Einschlag weisen auf die Düsternis und Nachdenklichkeit des neuen Studiowerks hin. Diese Stimmung sei nicht nur eine Folge der Pandemie: „Das lag auch an der zunehmend feindseligen Atmosphäre und Sprache, die sich nach den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA auch bei uns in Norwegen ausgebreitet hat. Auch in den sozialen Medien wird immer mehr offener Hass verbreitet.“

AXEL RUDI PELL bleibt auch ohne Samstagabend-TV-Show der Hardrocker der Herzen

„Woanders is auch scheiße!“, titelte der Bochumer Autor Frank Goosen. Nach diesem Motto lebt auch Axel Rudi Pell seit seiner Geburt vor 61 Jahren in der Ruhrgebietsmetropole. Und ähnlich hemdsärmelig geht er auf seinem neuen Album „Lost XXIII“ zu Werke. Allerdings wird auch das nicht dazu führen, dass er außerhalb seiner Fanbase eine feste Größe wird. Diese treue Klientel beschert ihm aber immerhin regelmäßig Top-10-Platzierungen, und die Fans füllen bei Tourneen mit  Besucherzahlen zwischen 700 und 2000 Leuten die Clubs und Hallen. Pell hat sich seit der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums „Wild Obsession“ (1989) ein treues Publikum erspielt mit einem Sound, den man immer noch irgendwo zwischen NWOBHM und traditionellem Hardrock à la Rainbow, Dio und UFO verorten kann. ARP-Fans wissen es zu schätzen, dass Pell sie nicht enttäuscht – aber auch nie überfordert mit zu vielen Überraschungen.

Mit ihrem neuen Album starten die schwedischen Rocker HELLACOPTERS nochmals durch

Einige mögen sich noch daran erinnern: „Head Off“, der 2008 erschienene letzte Hellacopters-Studiostreich, bestand ausschließlich aus Coverversionen von Songs weniger bekannter Rockacts – was die Band damals aber nicht offiziell bekannt gab, wodurch sie den einen oder anderen Journalisten in die Bredouille brachte. Somit ergab sich die erste Frage an Sänger Nicke Andersson gewissermaßen von selbst: „Diesmal handelt es sich um Eigenkompositionen, oder?“ Seine Antwort schiebt in ihrer Detailliertheit jegliche Zweifel vom Tisch: „‚The Pressure’s On‘ habe ich zusammen mit unserem Keyboarder [Anders Lindström, Anm.] geschrieben – er die Musik, ich die Gesangsmelodie und den Text.

MARILLION - Die letzte Stunde vor Mitternacht

Schon 2016 machten sich Marillion auf „FEAR“ ernsthaft Sorgen um die Zukunft der Menschheit. Auf ihrem neuen Werk „An Hour Before It’s Dark“ bewegen sich die Zeiger ihrer persönlichen Weltuntergangsuhr nun bedrohlich auf kurz vor zwölf zu. Die allgegenwärtige Pandemie, drohende Klimakatastrophe und generelle Endzeitstimmung machen sich unmissverständlich breit auf einem Album, das musikalisch allerdings umso mehr mit größerer Dynamik sowie neuen Farben und Tönen beeindruckt. Zum großen Roundtable konnten wir sämtliche Ritter der Marillion-Tafelrunde versammeln: Sänger Steve Hogarth, Gitarrist Steve Rothery, Keyboarder Mark Kelly, Bassist Pete Trewavas und Drummer Ian Mosley. Darüberhinaus nahmen sich die Herren Rothery und Kelly die Zeit für ein paar persönliche Nachfragen, bei letzterem zu seiner im Januar erschienenen Autobiografie, Textauszug inklusive.

TEARS FOR FEARS - Zwei launische, alte Bastarde mit Durchhaltevermögen

Kaum zu glauben, aber wahr: Bereits 18 Jahre ist es her, dass „Everybody Loves A Happy Ending“ erschien, das letzte Studioalbum von Roland Orzabal und Curt Smith, besser bekannt als Tears For Fears. Nachdem Orzabal aufgrund der Krankheit und des Todes seiner Frau zuletzt eine schwierige Zeit durchmachen musste, wagt das Duo mit „The Tipping Point“ einen Neuanfang – einem Werk, das wie schon frühere Alben auch der Traumabewältigung dient. eclipsed traf die beiden zum Exklusivinterview in London.

Nick D’Virgilio, Neal Morse & Ross Jennings - Zurück zum einfachen Song

Akustikgitarren und dreistimmiger Harmoniegesang à la Crosby, Stills & Nash sind die prägenden Merkmale von „Troika“, dem ersten Album des Trios D’Virgilio, Morse & Jennings. Für Letztgenannten war es keine geringe Überraschung, dass einer seiner musikalischen Helden ihn für ein solches Unterfangen überhaupt auf dem Schirm hatte.

SCORPIONS - Glaubensbekenntnis mit Killerriffs

„Rock Believer(s)“ waren sie immer, auch wenn die Scorpions in den 90er-Jahren zumindest zeitweise von der Hardrockgemeinde belächelt wurden und stilistisch teilweise den Faden verloren hatten. Doch spätestens seit der einstweiligen Ad-acta-Legung ihrer Abschiedspläne vor etwa zehn Jahren rockt es sich für sie wieder ganz ungeniert und locker. Ihr neues Album mit dem eingangs zitierten Titel, das viel 70er- und 80er-Jahre-Flair verströmt, ist dafür das beste Beispiel. Teilnehmer einer amüsanten Zoom-Videokonferenz mit viergeteiltem Bildschirm waren außer dem eclipsed-Autor die drei Deutschen im Scorpions-Team: Klaus Meine, Rudolf Schenker und Matthias Jabs.