EARTHWORKS - Lebensreise

Es gibt nicht viele Schlagzeuger, die so umfassend die Rockgeschichte geprägt haben wie der Engländer Bill Bruford. Mit seinem kraftvollen polyrhythmischen Drumming leistete er entscheidende Beiträge in Bands wie Yes oder King Crimson, er spielte kurzzeitig für Genesis und Gong und war an der Aufstellung der Supergroup U.K. beteiligt. 1979 gründete er dann seine eigene Band Bruford und 1986 schließlich Earthworks, mit denen er zwei Jahrzehnte lang musizieren sollte. Das Wirken von Earthworks wird jetzt mit einer großen Retrospektive gewürdigt.

MARS RED SKY erweitern erneut den Sprachumfang des Stonerrock

Schon seit seiner Gründung 2007 ließ sich das französische Trio Mars Red Sky nicht in den Grenzen des Stonerrock bändigen. Das zeigte sich auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 2011 ebenso wie auf den nachfolgenden Alben „Stranded In Arcadia“ (2014) und „Apex III (Praise For The Burning Soul)“ (2016) und bestätigt sich nun auf dem jüngsten Output „The Task Eternal“, das zwar heftiger Doom sein kann, aber auch unzählige elegante und schwelgerische Passagen bietet. Schlagzeuger Mathieu Gazeau: „Wir haben unser Vokabular erweitert. Mit jedem Album wollen wir neue Türen öffnen und uns neue Dinge aneignen. Wir hören sehr viel verschiedene Musik. Wir lieben Psych-Pop, Jazz, Musik aus den 60ern. Ich denke, all das hört man auch auf dem Album.“

IGGY POP - „Die sollen sich alle verpissen!“

Seine Rente hat er sich gesichert. Also gönnt sich Iggy Pop einen Ausflug in Avantgarde- und Jazzgefilde. Sein neues Album „Free“ ist eine Flucht vor dem animalischen Rocker, den er seit Ende der Sechzigerjahre so überzeugend gibt wie kein Zweiter. Und gleichzeitig ist es ein lupenreines „Piss off!“ in Richtung seiner Kritiker.

Von Marcel Anders

Jetzt hat es auch ihn erwischt: Iggy Pop benötigt eine dicke Hornbrille, geht leicht gebeugt, hört schlecht und der Muskel unter seinem Oberarm hängt in sonnengegerbter Haut vom Knochen. Ein Anblick, der ein bisschen schockiert, weil der 72-Jährige immer das drahtige Stehaufmännchen vom Dienst war. Der Prototyp-Punk, der Rebell mit Jeans und freiem Oberkörper. Heute braucht er einen persönlichen Assistenten, der sich um seine Termine kümmert, ihm Kaffee kocht und ihn durch Miami kutschiert, wo Mr. Pop „Free“ präsentiert. Sein 18. Soloalbum ist eine Kooperation mit dem Jazztrompeter Leron Thomas, die für einen Bruch mit Pops typischem Dampfwalzenrock steht. Und für die er nur eine Erklärung hat: „Ich kann es mir leisten“.

ONE SENTENCE. SUPERVISOR - Radikaler Widerstand

Für die Schweizer Band One Sentence. Supervisor hat mit dem dritten Album „Acedia“ ein neues Kapitel begonnen. Durch die Hinzunahme des Oud-Virtuosen Bahur Ghazi als festes Bandmitglied hat der ureigene Krautrock der Schweizer Band eine neue Dimension und enorme Erweiterung der Klangpalette erfahren. Gegenüber eclipsed erläutert Sänger und Gitarrist Donat Kaufmann die Hintergründe.

Von Bernd Sievers

eclipsed: Mit seinen vielen stoischen Rhythmen hat „Acedia“ etwas Krautrockiges. Habt ihr euch vom Krautrock inspirieren lassen?

Donat Kaufmann: Ja, Krautrock gehört zu unseren wichtigsten Einflüssen, es ist quasi unser kleinster gemeinsamer Nenner. Mich interessiert am Kraut das Mantrahafte, die Nähe zum Mythischen. Das Repetitive in der Musik kann Vertrautheit herstellen, Gedanken beruhigen und in ungewohnte Richtungen lenken.

Die Kumpels Brett William Kull und JD Beck haben als RISE TWAIN ihre Klangsprache gefunden

Ausgemacht war ein Telefoninterview mit Brett William Kull von Rise Twain. Das kommt auch wie geplant zustande. Überraschenderweise ist aber auch Sänger JD Beck in der Leitung. Gut gelaunt werfen sich die Freunde aus Philadelphia die Bälle zu, und so entwickelt sich ein kurzweiliges Gespräch über ihr gemeinsames Musikprojekt, Jeff Buckley, Freundschaft und das richtige Timing.

eclipsed: Als ich hörte, dass Brett Teil dieses Projektes ist, hatte ich Prog à la Echolyn erwartet. Stattdessen gibt es ganz was anderes zu hören. Was ist passiert?

JD Beck: Er hat begonnen, mit mir Musik zu machen. (lacht)

Brett William Kull: (lacht) Ja, das ist eine schöne Art, es auszudrücken.

Blues-Gitarrist LAURENCE JONES besinnt sich auf seinem neuen Album auf die Stärken seiner Band

2016 wurde der erst 27-jährige flinke Gitarrenfinger Laurence Jones in die Blues Hall Of Fame aufgenommen. Auf der Bühne stand er bereits mit den ganz Großen des Genres wie Van Morrison, Buddy Guy oder Eric Burdon. Wächst hier etwa ein neuer Joe Bonamassa heran? Sein neues Album, schlicht „Laurence Jones Band“ betitelt, überzeugt allerdings mit stilistischer Offenheit, die weit über den reinen Blues hinausgeht. Kann dies als ein Neuanfang mit der Betonung auf der Bandidentität interpretiert werden? „Ja“, bestätigt Jones, „ich hoffe, dass das ein klassisches Album von mir geworden ist und zeigt, was ich in den vergangenen zehn Jahren als professioneller Musiker erreicht habe.“

Die Musikkommune LORD’S FAMILY erfährt nach fast fünf Jahrzehnten eine späte Würdigung

Die Idee kam von jenseits des Atlantiks: Junge Frauen und Männer jeder Hautfarbe, Musiker, Studenten, Schüler, Lehrlinge und junge Arbeiter, viele mit christlichem Hintergrund, suchten auf dem Land Lebensformen jenseits der Wohlstandsgesellschaft – solche Hippie-Kommunen wurden vor allem durch den Film „Easy Rider“ und das Woodstock-Festival motiviert. Eine von ihnen, Lord's Family aus dem oberbayerischen Beilngries, erfährt jetzt eine späte Würdigung: Bei Sireena Records erschien die 10-Inch-Scheibe „Innere Musik“ mit sechs Titeln (s. „News From The Past“, Heft 212), die im Domizil des Kollektivs, einem Jagdschloss im Altmühltal, entstanden sind.

Die Bremer Formation EYEVORY hat ihrem Album „Aurora“ einen besonderen Schliff verpasst

Fast drei Jahre sind seit Erscheinen von Eyevorys Konzeptalbum „Inphantasia“ ins Land gegangen. Eine ereignisreiche und produktive Zeit für die Progband aus Bremen, wie Sängerin und Bassistin Jana Frank berichtet: „Wir haben seit eineinhalb Jahren einen neuen, diesmal festen Schlagzeuger, was sich sehr gut anfühlt. Zuvor hatten wir viele Wechsel, mussten uns immer wieder neu einstellen. Jetzt steht der Stuhl wieder auf vier Beinen.“ Ein Jahr lang hat die Gruppe neues Material erarbeitet. „Rund vierzig Songs sind entstanden. Aus denen wurde kräftig ausgesiebt, bis die besten zehn für das Album übrig waren“, fasst Frank zusammen. Ihr Fazit verrät einen gewissen Stolz: „‚Aurora‘ fühlt sich wie ein geschliffener Diamant an, einfach weil da sehr viel Schleifarbeit hineingeflossen ist.“