MARK KNOPFLER - Der Dickkopf

Alle zwei Jahre ein neues Album und eine Tour: Der ehemalige Chef der Dire Straits ist so zuverlässig wie eine Schweizer Uhr. Und so beharrlich, dass ihn nichts aus der Ruhe bringt – weder die Reunion-Tour seiner alten Band noch die Einführung in die Rock’n’Roll Hall of Fame. Der 69-jährige Schotte macht einfach sein Ding, und das, so zeigt sein neues Album „Down The Road Wherever“, immer noch verdammt gut.

NEKTAR - Don’t remember the future

Als Roye Albrighton 2016 nach längerer Krankheit verstarb, war die Zukunft von Nektar ungewiss. Die hinterbliebene Rumpfformation hatte mit Schlagzeuger Ron Howden nur noch ein Gründungsmitglied in ihren Reihen. Doch Howden war gesundheitlich angeschlagen. Dann gab es Bassist Tom Fry, seit 2014 in der Band. Und natürlich Keyboarder Klaus Henatsch, der mit Albrighton seit 2007 gemeinsame Sache gemacht hatte. Doch würde das reichen für eine Neuauflage der Band? Jetzt legt sie ihre neueste Studioarbeit „Megalomania“ vor.

GRETA VAN FLEET - Die Lebensversicherung des Rock

Ein Gerücht macht die Runde: Die Rockmusik sei tot beziehungsweise von der Popmusik, von windigen Produzenten und der Musikindustrie verwässert. Insofern bleibe lediglich der Blick zurück mittels Backkatalogveröffentlichungen, Reuniontourneen und Autobiografien aus einer vermeintlich besseren Zeit. Alles Quatsch, wie Greta Van Fleet beweisen: Das Quartett aus Michigan erweist sich als Gralshüter und vielleicht sogar Zukunft des Rock. eclipsed hat Sänger Josh Kiszka beim Interview in Los Angeles auf den Zahn gefühlt.

ACE OF CUPS - Altweibersommer der Liebe

Ende der Sechzigerjahre, während des Summer of Love, machten Ace Of Cups, 1967 in San Francisco gegründet und mit den Grateful Dead befreundet, als erste reine Frauenrockband Furore mit einem außergewöhnlichen Stilmix, der sogar Jimi Hendrix begeisterte. Ihr Debütalbum aber ist gerade erst, nach über einem halben Jahrhundert, erschienen. Eine zweite Studioarbeit wird 2019 folgen, wie ihre Gitarristin Denise Kaufman gegenüber eclipsed ankündigte.

GENESIS - 40 Jahre „…And Then There Were Three…“

Da waren’s nur noch drei. Noch während der letzten Tour hatte Steve Hackett für sich entschieden, Genesis zu verlassen. Er war frustriert, hielt er doch seinen Anteil am Output für zu gering und seine Beiträge für zu wenig wertgeschätzt. Bei Tony Banks, Phil Collins und Mike Rutherford löste sein Entschluss auch längst nicht so einen Schock aus wie Peter Gabriels Ausstieg zwei Jahre zuvor. Sie wollten dem Prog-Schlachtschiff ohnehin einen neuen Sound, einen radiotauglicheren Anstrich verpassen. So wurde „…And Then There Were Three…“ das bis dato poppigste Album der Band. Als Phil Collins am 8. Oktober 1977 in London in der Ladbroke Grove zufällig auf seinen Bandkollegen Steve Hackett traf und kurz mit ihm sprach, ahnte er nicht, was er Stunden später aus zweiter Hand erfahren sollte. „Abends sagte mir Mike, Steve komme nicht mehr, er sei raus“, so Collins in einer Banddokumentation des Musiksenders VH-1. Damit hatte niemand gerechnet.

Die SMALL FACES feiern den Fünfzigsten ihres Psychedelic-Klassikers „Ogdens’ Nut Gone Flake“

Im Mai 1968 veröffentlichten die Small Faces „Ogdens’ Nut Gone Flake“. Ein Album, das nicht nur aufgrund seines spektakulären Cut-out-Covers, sondern auch wegen der Geschichte um einen Menschen, der sich auf die Suche nach der verlorengegangenen Hälfte des Mondes begibt, seinerzeit viel Aufsehen erregte. Der Klassiker wird zum fünfzigsten Jahrestag seiner Veröffentlichung in verschiedenen Formaten wiederveröffentlicht. Wir sprechen mit Small-Faces-Schlagzeuger Kenney Jones (70) über die Zeitlosigkeit dieses Meilensteins.

eclipsed: Warum ist „Ogdens’ Nut Gone Flake“ heute noch so populär?

MARIANNE FAITHFULL hat als Musikerin alles er- und überlebt

Wehe dem, der es wagt, Marianne Faithfull bei ihrem Nachmittagsschläfchen zu stören. Da helfen selbst teure Blumen als Mitbringsel nichts. Madame öffnet die Tür zu ihrem Pariser Apartment in Morgenmantel, Pyjama und Hausschuhen, ist angeschlagen von einer fibrösen Erkältung und blafft ihren Besuch erst einmal an: „Okay, das muss jetzt schnell gehen. Ich bin krank und will wieder ins Bett.“ Sie ist tatsächlich nicht gut beieinander: wirres Haar, gerötete Haut, Schweiß auf der Stirn. Sie kann nur mühsam gehen und hustet ständig. Zudem fühlt sich die Faithfull in ihrer Privatsphäre gestört. Das Chaos in ihrer mondänen Wohnung im 6. Arrondissement ist ihr sichtlich peinlich. Überall Wäsche, Essensreste, welke Blumen. Es müffelt nach Medizin. Warum sie den Termin nicht abgesagt hat? „Weil ich die PR brauche. Ich erreiche mein Publikum durch Typen wie Sie. Also bringen wir es hinter uns.“

THE TANGENT senden mit einer Schachfigur eine gesellschaftspolitische Botschaft an ihre Fans

The Tangent hatten ihre letzte Studioarbeit „The Slow Rust Of Forgotten Machinery“ ebenso wie die Vorgängerplatten jenseits von Zeit und Raum angesiedelt. Allerdings nur musikalisch. Wer sich die Texte von Mastermind Andy Tillison anhörte, dem wurde klar, dass die Formation in der Realität angekommen war und deutlich kritische Töne anschlug. Mit ihrer aktuellen Veröffentlichung „Proxy“ wollte das Supergroup-Projekt aber nicht wieder als Mahner auftreten. Eine Abgrenzung, die dem Quintett nicht wirklich gelungen ist. Zu sehr fühlt sich Tillison verschiedenen tagesaktuellen Themen verpflichtet, will unbedingt darüber schreiben. Zwar ruft der 59-Jährige seine Hörerschaft nicht mehr dazu auf, auf die Barrikaden zu gehen, um ein besseres Leben einzufordern. Aber er will nach wie vor, dass „wir alle zusammen diesen Planeten, auf dem wir leben, heil bekommen und positiv gestalten“.