NIGHT OF THE PROG - Nach 24 turbulenten Jahren scheint das Ende des Festivals beschlossene Sache

Ein Donnerschlag! Schon in den letzten Jahren kam aufgrund organisatorischer Veränderungen auf der Loreley, der Corona-Pause 2020/21 und der geplanten nächsten Bundesgartenschau Unruhe auf. Doch in diesem Sommer war Winfried Völklein noch ganz sicher, dass es mit der NOTP weitergeht. Nun verkündet der Veranstalter auf der Homepage, aufgrund steigender Kosten und sich stetig verschlechternder Bedingungen 2024 aufzuhören. Wir haben ihn zu den Gründen befragt, nachgespürt, ob es nicht einen Hoffnungsschimmer gibt, und zugleich die Gelegenheit ergriffen, Rückschau auf das größte deutsche Prog-Festival zu halten.

eclipsed: Was sind die Hauptgründe, die zur Verkündung des Aus geführt haben?

TREVOR HORN - Wer Pop sagt, muss auch Prog sagen

Als Kultproduzenten der 1980er-Jahre kennen ihn viele, als Musiker ist er dagegen weit weniger stark in Erscheinung getreten. Im eclipsed-Interview erzählt Trevor Horn, was die Band Kraftwerk mit seinem Werdegang zu tun hat, was ihn zur Einspielung seines neuen Coveralbums bewegte, warum Prog und Pop sich nicht ausschließen, wem die Songschreiber-Krone gebührt und was er mit einer einige Minuten währenden großen Genesis-Reunion zu tun hatte.

Auf dem Album „Echoes - Ancient & Modern“ des britischen Produzenten überraschen Musiker wie Iggy Pop, Steve Hogarth, Robert Fripp, Toyah Willcox oder Lady Blackbird mit Klassikern in ungewöhnlichen Versionen. Erstmals seit über 40 Jahren erklingt Fripps markante Gitarre wieder in einem Popsong. Wir sprachen mit dem 74-jährigen Trevor Horn in Leipzig vor seinem Auftritt mit der Band Dire Straits Legacy.

ROGER WATERS reist nochmals zur dunklen Seite des Mondes und polarisiert erneut

Auch wenn der exzentrische bis egomanische Musiker aktuell fast mehr durch politische Äußerungen auf- oder missfällt, so ist doch auch sein Bestreben, als Musiker im fortgeschrittenen Alter nochmals Geschichte zu schreiben, wieder erwacht. So produktiv wie zuletzt war er jahrzehntelang davor nicht. Nach den „Lockdown Sessions“ (2022) lehnt er sich nun mit der „The Dark Side Of The Moon Redux“-Neuauflage des legendären Jahrhundertwerks seiner früheren Band Pink Floyd weit aus dem Fenster.

GLASS HAMMER machen sich auf dem neuen Album „Arise“ auf eine Reise ins Weltall

Glass Hammer haben sich über die Jahre zu einer Art musikalischen Wundertüte entwickelt: Man weiß nie, was man bekommt. Nachdem die Band ihre „Sword & Sorcery“-Trilogie „Skallagrim“ abgeschlossen hat, überrascht sie die Fans nun mit mit ungewohnten spacigen Klängen, die für Aufhorchen sorgen dürften.

Seit den frühen Neunzigern ist die Band um Steve Babb aktiv und hat in ihrer Geschichte ganz unterschiedliche musikalische Phasen durchlaufen. Mal dominierten Einflüsse von ELP („Chronometree“) oder von Yes („If“), man scheute sich aber auch nicht vor Ausflügen in folkige Gefilde („The Middle Earth Album“) oder verärgerte viele Fans mit dem poppigen „Three Cheers For The Broken-Hearted“. Sorgen, dass so etwas mit „Arise“ auch passieren könnte, hat Steve Babb jedoch nicht.

eclipsed: Wie bei euch üblich, ist auch „Arise“ wieder ein Konzeptalbum geworden, es unterscheidet sich aber sowohl musikalisch als auch textlich deutlich von den Vorgängern.

ANIMAL COLLECTIVE - Gegen alle Regeln

Welche Regeln auch immer in einer sich ständig verändernden Musikwelt gelten, Animal Collective geht stets einen anderen Weg. Seit fast zweieinhalb Jahrzehnten kultiviert die Gruppe aus Baltimore ihren eigenen musikalischen Garten, der stetig verändert und erweitert wird, aber gleichwohl kaum Berührungspunkte mit seiner Umgebung hat. Diese Eigenständigkeit stellt die Band, die seit 2001 aus demselben Quartett besteht, aber in wechselnden Formationen antritt, auf ihrem neuen Album „Isn’t It Now?“ erneut eindrucksvoll unter Beweis.

GALAHAD machen Demenz zum Albumthema

Es ist gerade viel los im Leben von Stuart „Stu“ Nicholson. Zwei Alben innerhalb von 13 Monaten zu promoten ist das eine. Das andere sind schwierige private Umstände, die den Galahad-Sänger beschäftigen. „Ich komme gerade von meinem Vater“, erzählt er im Zoom-Interview, für das er sich in sein Heimstudio zurückgezogen hat. „Er ist an Demenz erkrankt, und ich kümmere mich zusammen mit meinem Bruder um ihn.“ Der erste Hinweis auf das neue Album „The Long Goodbye“, das im Titeltrack das Thema Demenz aufgreift? Nur zum Teil. Denn die Vorgeschichte beginnt früher: „Ich habe den Text tatsächlich schon vor ein paar Jahren zu schreiben begonnen, als meine Tante und meine Mutter an Demenz litten. Dann sah ich den Film ‚Still Alice‘, in dem es auch darum geht. Erst später ist auch mein Vater an Demenz erkrankt.“ Der Titeltrack ist mit rund 13 Minuten Spieldauer der wichtigste Song auf der neuen Platte.

Es geht weiter mit der Pink-Floyd-Tribute-Band ECHOES, aber anders als bisher

„Aufgrund tiefgreifender Veränderungen im privaten sowie auch geschäftlichen Bereich haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, als Band in Zukunft getrennte Wege zu gehen.“ So verkünden es Oliver Hartmann (Gesang, Gitarre), Paul Ahrens (Keyboards), Martin Hofmann (Bass) und Steffen Maier (Drums) auf der Echoes-Website. Im Interview stellt Ahrens aber gleich klar, dass die schlimmsten Befürchtungen der Echoes-Fans unbegründet seien, denn es wird weitergehen, aber anders als bisher: „Es ist nicht so, dass die Pink-Floyd-Fans keinen von uns mehr auf der Bühne sehen. Es wird uns weiterhin auf der Bühne geben. Höchstwahrscheinlich auch mit einem Pink-Floyd-Projekt. Und es wird Echoes auf der Bühne weiter geben. Damit ist doch schon Spannung da und Interesse geweckt, was denn mit Echoes passiert. Es entspricht nicht der Realität, wenn da so ein ‚It’s all over now, Baby Blue‘-Gefühl entsteht.“