CASPAR BRÖTZMANN MASSAKER - Industrial Ladyland

Es gab einmal eine Zeit, lange vor dem berüchtigten Loudness War, da konnte man Musikhörer noch mit Lautstärke erschüttern. Ein Magier dieser Eruptionen in Schwarz war der Berliner Gitarrist Caspar Brötzmann. Die fünf Alben seiner Band Massaker, die von Kritikern als Industrial-Variante der Jimi Hendrix Experience gefeiert wurde, kommen jetzt wieder raus.

DON FELDER - Alles, außer Eagles

Mit 71 ist der ehemalige Leadgitarrist der Eagles ein Workaholic mit ausgeprägtem Liebesbedürfnis und ebensolchem Ego. So drehen sich die Texte der elf Lieder seines dritten Soloalbums „American Rock ’n’ Roll“ bevorzugt über Frauen und deren Vorzüge. Worüber er auch gerne spricht. Nur zu seinen Ex-Kollegen will der Altrocker nichts sagen. Muss er auch nicht.

Obwohl Don Felder eclipsed fast 90 Minuten warten lässt und die Dame seines Managements primär bemüht ist, die vereinbarte Interviewzeit einzudampfen, erweist sich eine Unterhaltung mit dem Mann, der den Welthit „Hotel California“ zu verantworten hat, durchaus als amüsant. Vor allem, wenn man ihm den Gefallen tut, sich auf sein drittes Solo-Album „American Rock ’n’ Roll“ zu konzentrieren. Ein Werk mit geballtem Staraufgebot, an dem Felder fast fünf Jahre gebastelt hat.

BETH GIBBONS singt HENRYK GÓRECKIS SINFONIE NR. 3

2016 wagte sich Colin Stetson an eine Neuinterpretation von Henry Góreckis Sinfonie Nr. 3. Das war deshalb ungewöhnlich, weil der US-Saxofonist einer breiteren Öffentlichkeit bis dahin nur durch seine Zusammenarbeit mit Popacts wie Arcade Fire bekannt war. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Portisheads Beth Gibbons den schwierigen Gesangspart in jener berühmten „Sinfonie der Klagelieder“ übernommen. Die Liveaufnahme ihrer Performance im Opernhaus des Teatr Wielki in Warschau wird jetzt erstmals veröffentlicht.

Ein neues Boxset beleuchtet das frühe Solowerk von Krautrocker MICHAEL ROTHER

Der Gitarrist und Keyboarder Michael Rother hat mit Bands wie Neu! und Harmonia Musikgeschichte geschrieben. Doch erst mit seinen Soloalben sollte sich ab 1976 Erfolg auf breiter Ebene einstellen. In der Fünf-CD-Box „Solo“ fasst Grönland Records nun die ersten vier Alben Rothers zusammen und ergänzt sie um zwei Soundtracks; die Vinylversion enthält noch eine zusätzliche LP mit Remixes und Liveaufnahmen. Im Gespräch mit eclipsed lässt Rother die Arbeit an der Box Revue passieren.

eclipsed: Die vier Soloalben ohne die Soundtracks ergeben eine sehr homogene Zusammenstellung.

THE CLAYPOOL LENNON DELIRIUM verabreichen wieder eine hohe Dosis Musikgeschichte

Sean Lennon und Les Claypool haben einander gesucht und gefunden. Der eine hat einen Stammbaum, der andere eine Geschichte. Wobei dieses Bonmot nicht ganz fair ist: Sean Lennon ist nicht nur der Sohn von Yoko Ono und John Lennon. Mit dem Song „Beautiful Boy (Darling Boy)“ setzten die berühmten Eltern ihrem Filius zwar bereits 1980 auf dem Album „Double Fantasy“ ein Denkmal, als Sean gerade fünf Jahre alt war. Bereits 1998 veröffentlichte er aber sein erstes eigenes Album „Into The Sun“, einen schüchternen Mix aus Neofolk-, Bossa-, Grunge- und Jazzelementen, an dem viele Exponenten der New Yorker Jazzavantgarde beteiligt waren. Mehr Aufmerksamkeit erregte er zur selben Zeit mit der schrillen Avantgardepopband Cibo Matto, deren Dreh- und Angelpunkt allerdings Lennons damalige Freundin Yuka Honda war.

Die Floyd-Tributeband ECHOES glänzt auf neuem Livemitschnitt mit hochkarätigen Gästen

Über Sinn und Unsinn von Tributebands wurde auch in diesem Magazin schon mehrfach diskutiert. Und dann veröffentlichten Echoes „Barefoot To The Moon“ mit akustischen Versionen von Pink-Floyd-Klassikern, die jede Diskussion ad absurdum führten. Seine Originalität und Spielfreude, seinen Charme und Witz machen diesen Livemitschnitt zu einem Meisterstück. Das war 2015. Nun stellt der erfolgreichste deutsche Floyd-Tribute seine zweite DVD/Blu-ray/2CD vor: „Live From The Dark Side“, aufgezeichnet im vergangenen Jahr beim „Rock Of Ages“-Festival.

The Art Of Sysyphus Vol. 102

THE WHO - Drums & Drugs: Die letzten Jahre des Keith Moon

Die Geschichten über seine Ausraster und Eskapaden stimmen nicht alle. Das fängt schon mit dem Geburtsdatum an. Über Jahrzehnte hinweg galt der 23. August 1947 für Biografen, Journalisten und Musikerkollegen gleichermaßen als Fakt – weil es von Moon selbst verbreitet wurde. Erst der britische Journalist Tony Fletcher fand 1998 für sein 750 Seiten starkes Werk „Dear Boy – Das explosive Leben des Keith Moon“ heraus, dass Moon exakt ein Jahr älter war: eine von vielen Geschichten, die der Musiker erfunden oder so ausgeschmückt hatte, dass der Wahrheitsgehalt oft nur noch zu erahnen war.