Die amerikanische Band MIDLAKE nähert sich wieder ihren folkloristischen Wurzeln an

„Im Grunde wollten wir uns sammeln, neu orientieren und einfach schauen, dass wir mal etwas anderes im Leben machen.“ Mit entwaffnender Ehrlichkeit begründet Sänger und Gitarrist Eric Pulido die lange Pause, die Midlake nach ihrem 2013 erschienenen Album „Antiphon“ eingelegt haben. „Wir wollten vermeiden, dass wir uns am Ende hassen und die Band Geschichte wäre.“ Tatsächlich hatte es bereits vor dem Album einen radikalen Bruch bei der Band aus Texas gegeben. Sänger und Songwriter Tim Smith war ausgestiegen, und Pulido hatte entschieden, sich selbst als Ersatz am Mikro auszuprobieren. „Antiphon“ war nach den beiden Psych-Folk-Meisterwerken „The Trials Of Van Occupanther“ (2006) und „The Courage Of Others“ (2010) schließlich eine mittlere Enttäuschung gewesen, so dass die Pause naheliegend schien. „Das waren dann aber nicht nur musikalische Nebenprojekte, die da gelaufen sind, es ging primär um Persönliches.

NAXATRAS zeigen sich überaus farbenfroh zwischen Prog, Psych und Classic Rock

2015 orientierten sich Naxatras vom Stoner Rock hin zum Psychedelic Rock. Ihr mysteriöser Bandname leitet sich von den „Nakshatras“ ab und stammt aus der hinduistischen Astrologie, wird dort verwendet, um die verschiedenen Mondphasen zu beschreiben. „IV“, der Titel des aktuellen Albums, lässt nun alles offen, auch ungeachtet einer möglichen Verbindung zu Led Zeppelins viertem, eigentlich unbetiteltem Album. Das Cover zeigt, einem psychedelischen Farbenrauschen gleich, ein esoterisches Fantasy-Thema mit einem fremdartigen Krieger, der zwei Schwerter in den Händen hält.

Auf „Isle Of Wisdom“ entführt die schwedische Band HÄLLAS die Hörer in abenteuerliche Fantasy-Welten

„Alte Bücher, Spiele und Filme, vor allem Fantasy“, antwortet Hällas-Drummer Kasper Eriksson spontan, wenn er nach den Einflüssen des Quintetts gefragt wird. Sein persönlicher Lieblingsfilm aus besagtem Genre ist „Excalibur“ von 1981, der von der Artus-Sage handelt. Auf ihren bisherigen Alben haben sich die Schweden ganz der Fantasy verschrieben und ihr eigenes Paralleluniversum erschaffen, dessen Hauptfigur der namensgebende Ritter Hällas ist. „Auch unser neues Album spielt in einer Fantasy-Welt, wir haben uns aber eine neue Geschichte ausgedacht“, erzählt Kasper Eriksson.

Die norwegischen Hardrocker AUDREY HORNE melden sich nach vier Jahren mit dem Album „Devil’s Bell“ zurück

Wir erreichen Torkjell „Toschie“ Rød via Zoom am ersten Tag der russischen Invasion in der Ukraine. Dem in Bergen beheimateten Sänger von Audrey Horne ist die Sorge angesichts des Krieges anzumerken. Gleichzeitig ist seine Vorfreude darauf, mit dem neuen Album „Devil’s Bell“ demnächst auch live wieder voll durchzustarten, deutlich zu spüren. Als bedrohlich empfindet der Frontmann die Gegenwart allerdings schon länger. Schon die Titel der wie gewohnt energiereichen, mitunter hymnenhaften Hardrocksongs mit klassischem Metal-Einschlag weisen auf die Düsternis und Nachdenklichkeit des neuen Studiowerks hin. Diese Stimmung sei nicht nur eine Folge der Pandemie: „Das lag auch an der zunehmend feindseligen Atmosphäre und Sprache, die sich nach den letzten Präsidentschaftswahlen in den USA auch bei uns in Norwegen ausgebreitet hat. Auch in den sozialen Medien wird immer mehr offener Hass verbreitet.“

AXEL RUDI PELL bleibt auch ohne Samstagabend-TV-Show der Hardrocker der Herzen

„Woanders is auch scheiße!“, titelte der Bochumer Autor Frank Goosen. Nach diesem Motto lebt auch Axel Rudi Pell seit seiner Geburt vor 61 Jahren in der Ruhrgebietsmetropole. Und ähnlich hemdsärmelig geht er auf seinem neuen Album „Lost XXIII“ zu Werke. Allerdings wird auch das nicht dazu führen, dass er außerhalb seiner Fanbase eine feste Größe wird. Diese treue Klientel beschert ihm aber immerhin regelmäßig Top-10-Platzierungen, und die Fans füllen bei Tourneen mit  Besucherzahlen zwischen 700 und 2000 Leuten die Clubs und Hallen. Pell hat sich seit der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums „Wild Obsession“ (1989) ein treues Publikum erspielt mit einem Sound, den man immer noch irgendwo zwischen NWOBHM und traditionellem Hardrock à la Rainbow, Dio und UFO verorten kann. ARP-Fans wissen es zu schätzen, dass Pell sie nicht enttäuscht – aber auch nie überfordert mit zu vielen Überraschungen.

Mit ihrem neuen Album starten die schwedischen Rocker HELLACOPTERS nochmals durch

Einige mögen sich noch daran erinnern: „Head Off“, der 2008 erschienene letzte Hellacopters-Studiostreich, bestand ausschließlich aus Coverversionen von Songs weniger bekannter Rockacts – was die Band damals aber nicht offiziell bekannt gab, wodurch sie den einen oder anderen Journalisten in die Bredouille brachte. Somit ergab sich die erste Frage an Sänger Nicke Andersson gewissermaßen von selbst: „Diesmal handelt es sich um Eigenkompositionen, oder?“ Seine Antwort schiebt in ihrer Detailliertheit jegliche Zweifel vom Tisch: „‚The Pressure’s On‘ habe ich zusammen mit unserem Keyboarder [Anders Lindström, Anm.] geschrieben – er die Musik, ich die Gesangsmelodie und den Text.

MARILLION - Die letzte Stunde vor Mitternacht

Schon 2016 machten sich Marillion auf „FEAR“ ernsthaft Sorgen um die Zukunft der Menschheit. Auf ihrem neuen Werk „An Hour Before It’s Dark“ bewegen sich die Zeiger ihrer persönlichen Weltuntergangsuhr nun bedrohlich auf kurz vor zwölf zu. Die allgegenwärtige Pandemie, drohende Klimakatastrophe und generelle Endzeitstimmung machen sich unmissverständlich breit auf einem Album, das musikalisch allerdings umso mehr mit größerer Dynamik sowie neuen Farben und Tönen beeindruckt. Zum großen Roundtable konnten wir sämtliche Ritter der Marillion-Tafelrunde versammeln: Sänger Steve Hogarth, Gitarrist Steve Rothery, Keyboarder Mark Kelly, Bassist Pete Trewavas und Drummer Ian Mosley. Darüberhinaus nahmen sich die Herren Rothery und Kelly die Zeit für ein paar persönliche Nachfragen, bei letzterem zu seiner im Januar erschienenen Autobiografie, Textauszug inklusive.