PAT METHENY legt die Gitarre aus der Hand und lässt andere für sich spielen

Kaum ein anderer Musiker hat die elektrische Gitarre in den letzten viereinhalb Jahrzehnten so grundlegend revolutioniert wie Pat Metheny. Mit seiner Synclavier-Gitarre und diversen anderen technischen Neuerungen, aber auch mit seiner cineastischen Bildersprache hat er unzählige Klangepen geschaffen. Auf seinem neuen Album „Road To The Sun“ spielt er über weite Strecken nicht selbst, sondern lässt spielen.

Die Platte besteht aus drei Teilen. In der ersten Suite „Four Paths Of Light“ tritt der Klassik-Virtuose Jason Vieaux an, die sechsteilige Ritel-Suite interpretiert das renommierte L. A. Guitar Quartet, und erst das letzte Stück aus der Feder des estnischen Komponisten Arvo Pärt spielt Metheny selbst. Die Namen lassen es ahnen – „Road To The Sun“ bedient weder Jazz noch Jazzrock, sondern es ist Musik für klassische Gitarre.

Für ihr erstes Coveralbum wühlen MONSTER MAGNET tief in der Vergangenheit

„A Better Dystopia“ klingt durch und durch nach Monster Magnet – und wurde doch nicht von ihnen geschrieben. Stattdessen kuratierte Bandleader Dave Wyndorf Perlen aus dem Psych-Rock-Untergrund – eine Liebeserklärung an die Musik seiner Kindheit.

eclipsed: Der Titel „A Better Dystopia“ klingt nach einer direkten Reaktion auf die aktuelle Weltlage.

Dave Wyndorf: So ist es. Die Nachrichten momentan erinnern mich an meine Kindheit. Auch damals kursierten Begriffe wie „Katastrophe” und „weltweites Desaster”. Dass wirklich jeder so redet, passiert nicht oft. Ende der 60er/Anfang der 70er hatten wir Vietnam, Drogenmissbrauch, überall Aufstände. Es herrschte Kalter Krieg, Atomschläge drohten. Die Presse reagierte ähnlich. Zum zweiten Mal erlebe ich nun eine Zeit, in der alles scheiße wirkt. Also überlegte ich: Welche hat den besseren Soundtrack? Die alte natürlich! Schicke Musik, Schwarzlichtposter … viel coolere Dystopie!

Auch nach einem Herzinfarkt verspürt Ton Scherpenzeel noch immer Lust auf KAYAK

Ton Scherpenzeel kann es nicht lassen. Der 68-Jährige ist Musiker durch und durch, da hält ihn weder Corona noch ein Herzinfarkt auf, den er im Oktober 2019 erlitt. Seit nunmehr 49 Jahren (mit einer langen Pause zwischen 1981 und 1999) ist er der Chef von Kayak, der wohl wichtigsten niederländischen Progrock-Band neben Focus. Wobei: Dem letzten Satz würde er widersprechen, denn er sagt: „Wir könnten ein Konzert ausschließlich mit Progmusik spielen, ja. Aber eine Progband sind wir nicht. Das wäre nur die halbe Wahrheit.“

Älter und gesünder findet RYLEY WALKER auf „Course In Fable“ zu sich selbst

Ein Album von Ryley Walker auszupacken ist immer ein wenig, wie ein Weihnachtsgeschenk vom Geschenkpapier zu befreien. Wer Walker mag, der weiß, dass er nicht enttäuscht werden kann, und doch ist es stets absolut offen, was genau in der Verpackung wartet. Zurzeit hat Ryley gleich zwei neue Alben am Start, das Song-Album „Course In Fable“ auf seinem eigenen neuen Label Husky Pants und ein Drone-Album mit dem Chicagoer Dauer-Innovator David Grubbs.

Mit „A Secret To Hide“ starten POVERTY’S NO CRIME in ihr Jubiläumsjahr

Poverty’s No Crime sind reich. Reich an Erfahrung, schließlich existiert die Band seit 30 Jahren, wovon allein 20 in der aktuellen Besetzung absolviert wurden. Reich an Kreativität, mit „A Secret To Hide“ steigt die Anzahl der veröffentlichten Alben auf acht. Und reich an musikalischer Kompetenz, ihr melodiöser Progressive Metal hat über all die Zeit hinweg eine erstaunliche qualitative und stilistische Konstanz bewahrt. Entsprechend eingespielt ist das Quintett, und dass man sich – bedingt durch die Pandemie – diesmal während der Aufnahmen kein einziges Mal persönlich treffen konnte, stellte keine große Herausforderung dar: „Wir machen schon so lange zusammen Musik, da gibt es untereinander einen Konsens, wie die Dinge zu laufen haben. Es gibt kaum Kontroversen, wir haben eine effektive Arbeitsteilung gefunden“, erklärt Sänger und Gitarrist Volker Walsemann. 

Auch Corona kann die Newcomer von IVY GOLD bei ihrem Debüt nicht erschüttern

„Wir hatten eigentlich gar nicht vor, ein Album zu machen, und schon gar nicht, das so groß aufzuziehen“, erzählt Sängerin Manou und scheint immer noch etwas verblüfft, wenn es darum geht, warum und wie aus dem eher privaten Projekt mit Ehemann Sebastian Eder, Ex-Gitarrist der Prog-Metaller Avalon, schließlich eine Band mit bemerkenswerter Besetzung und das Debüt „Six Dusty Winds“ entstand. „Wir fingen an, zusammen zu schreiben, und irgendwann waren diese zehn, zwölf Songs fertig. Die wir auch aufnehmen wollten, aber mehr oder weniger nur für uns. Sebastian hat die Songs dann vorproduziert.

CAMERON GRAVES bringt auf „Seven“ Jazzrock und Thrash Metal auf einen Nenner

Morgens 9 Uhr in Los Angeles. Cameron Graves hat zwar noch nicht Klavier geübt, aber  bereits sein tägliches Kampfsport-Programm absolviert. An Xingyiquan schätzt er besonders den meditativen Aspekt und berichtet, dass auch sein Mentor Stanley Clarke ein großer Martial-Arts-Fan sei.

Mit dem Ex-Bassisten von Return To Forever verbindet ihn eine langjährige Freundschaft: „Als ich 17 war, ging ich zu einer Audition bei Stanley und nahm meine Freunde vom West Coast Get Down [Musikerkollektiv aus Los Angeles; Anm. d. Verf.] mit: Kamasi Washington, Ronald und Stephen Bruner [a.k.a. Thundercat; Anm.], Miles Mosley. Allerdings schaffte es keiner von uns, außer Ronald, der Drummer.“

Zehn Jahre später klappte es dann doch noch für Graves, wenn auch nur als Keyboarder. „Das hat mich schon ein bisschen verletzt!“, lacht der Pianist. „Ich glaube aber, dass Stanley das absichtlich gemacht hat, weil er einen Komponisten in mir sah, den er trainieren wollte.“