SHAMALL spürt den ökologischen Inkonsistenzen unseres Tuns nach

Norbert Krüler alias Shamall hatte neben kreativem Überfluss auch genug Ärger angesammelt, um die Menschheit mit einem neuen Doppel-CD-Konzeptalbum zu beschenken. Auf „Schizophrenia“ beschäftigt er sich mit allerlei selbstquälerischen Gedanken: „Das ganze Album dreht sich um diese soziopolitische, aber auch alltägliche Schizophrenie. Eigentlich wissen wir alle genau, was man tun müsste, sind dann aber Meister im Weggucken und Nicht-Umsetzen. Nimm beim Thema Umweltschutz nur mal als Beispiel den Plastikmüll. Wo kommen denn all die Gelben Säcke her? Oder Leute, die bedauern, dass unsere Generation bei dieser Aufgabe versagt habe, dann aber just eine Kreuzfahrt buchen. All diese unglaublichen Widersprüche. Wir sind alle keine Engel. Dabei wäre schon so viel im Kleinen erreicht. Im Titelsong heißt es deshalb: ‚Ich geh die Straße lang. Ich weiß, was falsch läuft, aber ich tu gar nichts. Ich dreh mich noch nicht mal um.‘“

TRAIL OF DEAD melden sich in alter Stärke zurück

Sechs Jahre ist es her, dass das letzte Album der texanischen Band And You Will Know Us By The Trail Of Dead erschien, die ja im Grunde nur ein Duo ist. Auf „IX“ ließen es Frontmann Conrad Keely und sein trommelnder Gegenpart Jason Reece damals wieder etwas ruhiger angehen, nachdem man auf den Vorgängeralben teils der Lärmphase des Frühwerks gehuldigt hatte: „Ich denke tatsächlich in Trilogien“, erklärt Keely, „und diese aktuelle Trilogie fing mit ‚IX‘ an und geht nun eben mit ‚X‘ weiter, und das nächste Album werde ich dann vielleicht sogar ‚XI‘ nennen, haha. Im Ernst: Ich habe mich hier in der Tat auf unsere eher besonnenen, melodischen Songs der drei Alben vom Anfang der Nullerjahre bezogen, das hat sich aber eher spontan beim Komponieren und Arrangieren ergeben.“ 

Beständiger Wandel bringt AVATARIUMS kreatives Feuer zum Lodern

Ein wenig erinnert die Entwicklung Avatariums ans Erwachsenwerden: Hatte anfangs noch Doom-Ikone Leif Edling die volle kreative Kontrolle über das Projekt, zieht er sich in den letzten Jahren immer stärker zurück – wie ein Vater, der seine Kinder langsam in die Selbstständigkeit entlässt. Für „The Fire I Long For“, das vierte Album, schrieb er nur drei der insgesamt neun Stücke. Das neue Kreativzentrum bilden Gitarrist Marcus Jidell, der mit Edling auch bei Candlemass und The Doomsday Kingdom kollaboriert, sowie Sängerin Jennie-Ann Smith. Auf natürliche Weise ergibt sich so ständig Neues. Gutes Beispiel ist die Ballade „Lay Me Down“, wo statt harter Riffs Akustikgitarre und sinnliche Gesangsharmonien die Atmosphäre prägen. 

THE SHAKING SENSATIONS - Ohne Musik geht es nicht

Sie waren ausgebrannt, leer, ziellos. Nach dem zweiten Album „Start Stop Worrying“ (2013) war die Motivation weiter Musik zu machen auf dem Nullpunkt angekommen. The Shaking Sensations waren in eine existenzielle Krise geraten. Doch nun legt das Quintett aus Kopenhagen mit „How Are We To Fight The Blight?“ eine neues famoses Postrock-Album vor. Voll mit New Artrock, der sich ganz den instrumentalen Walls Of Sound widmet und dabei Gegensätze wie ruhig-laut, schnell-langsam oder freundlich-düster vereint. Gitarrist Jeppe Nygaard Christensen erläutert eclipsed die Hintergründe.

eclipsed: Wie glücklich seid ihr, dass jetzt doch noch ein neues Album von euch erscheint?

HIGHLIGHTS 2019 CD-Sampler

The Art Of Sysyphus Vol. 107

DIE 80er - Geliebt und gehasst - ein polarisierendes Jahrzehnt

Wohl kein anderes Jahrzehnt polarisiert musikalisch so sehr wie die 1980er-Jahre. Es war das Jahrzehnt, in dem Popmusik, nachdem sie in den 70ern bereits zum Big Business geworden war, zu ihrer kommerziellen Blüte fand, vorgetragen im vollen Bewusstsein um ihr Potenzial, die Massen zu bannen. Ein Jahrzehnt der seltsamen Klamotten, der synthetischen Klänge, aber auch des ironisierenden Spiels mit der Bedeutung von Pop an sich, in dem zahlreiche Stile sich gegenseitig befruchteten und neue Wege beschritten wurden. In einer mehrteiligen Serie erinnern wir uns an eine Zeit, die vielschichtiger und komplexer war, als viele sie in Erinnerung haben.

Das Chamäleon NEIL YOUNG bleibt sich letztlich treu

Es ist ein triumphales Comeback, das Neil Young mit seiner Band Crazy Horse und dem neuen gemeinsamen Album „Colorado” feiert. Alles ist anders, und doch bleibt alles irgendwie beim Alten. Was wollen wir mehr?!

50 Jahre ist es her, dass Neil Young, zuvor gefeierter Sänger und Gitarrist der Hippie-Truppe Buffalo Springfield, mit der Trash-Band Crazy Horse eine völlig neue Musikauffassung begründete. Auf der Schaumkrone des Virtuositätswahns ging es ihm einfach nur um Energie. Die Partnerschaft von Young und der Band weist sicher einige löchrige Stellen auf, und doch gibt es nur wenige Projekte, in denen der alte Poet so überzeugend ist wie mit Crazy Horse.