DUKES OF THE ORIENT - Melodien aus dem Morgenland

Asia Featuring John Payne sind nun Dukes Of The Orient. Erik Norlander, neben Payne der Protagonist der neuen alten Truppe, hat mit dem Bassisten lange an einem ersten Album unter neuem Banner gefeilt. Musikalisch ist vieles beim Alten geblieben: AOR an der Schwelle zum Melodic Prog, und alles auf höchstem Niveau. Und da sie den erwartungsvollen Namen Asia nicht mehr verwenden, kann man sich als Hörer unvorbelastet einlassen auf diese Reise mit dem Orientexpress.

Die Musik von Dukes Of The Orient ist kein fauler Kompromiss. Selbst wenn es auf den ersten Blick so scheint, da der Kalifornier Erik Norlander britischen Prog liebt und der Engländer John Payne den AOR-Sound US-amerikanischer Prägung. Nachdem sich Geoff Downes 2006 entschlossen hatte, wieder mit den Originalmitgliedern von Asia gemeinsame Sache zu machen, stand der Rest der damaligen Asia um John Payne ziemlich bedröppelt da.

CHRIS FARLOWE - Aus der Zeit gefallen

Chris Farlowe beackert mit siebundsiebzig Jahren immer noch die Clubs. Auf der Bühne ist der Londoner ein Vulkan – ob mit der Hamburg Blues Band oder mit eigener Truppe. Vor fast genau sechzig Jahren begann seine Karriere bei der John Henry Skiffle Group. Seine Heldentaten vollbrachte er in den Sechzigern („Out Of Time“) und in den Siebzigern mit Colosseum. Mick Jagger und Jimmy Page zählen ihn zu ihren Lieblingssängern. Eine lohnende Unternehmung also, mit Farlowe vor einem Gig der HBB zurückzublicken auf ereignisreiche Rock-, Blues- und Jazzrockjahrzehnte.

DONOVAN - Wenn der Großvater mit dem Enkelsohne

Auch im Alter von einundsiebzig Jahren ist Donovan Leitch noch äußerst aktiv. Der schottische Singer-Songwriter tourt regelmäßig und verwandelt dabei seine Konzerte in spirituelle Happenings. Dabei spielt er nicht nur seine zeitlosen Klassiker. Er erzählt zahlreiche Anekdoten über die Sechziger und gibt dem Publikum Tipps zur spirituellen Selbstfindung. Derzeit ist er mit seinem Stiefenkel Joolz Jones auf Tournee.

TONY BANKS - Der letzte Romantiker

Als Mitglied von Genesis schrieb Tony Banks Musikgeschichte. Dank seines Kompositionstalents und des innovativen Einsatzes diverser Tasteninstrumente drückte er der Gruppe seinen Stempel auf. Da Genesis nach 1998 nur noch einmal aktiv waren, verlegte sich der Brite zunehmend darauf, Orchesterwerke zu komponieren. Im Februar hat er sein drittes Album mit klassischer Musik, hier vor allem mit Anleihen aus der Spätromantik, vorgelegt. Entsprechend der Anzahl der darauf enthaltenen Stücke trägt es den schlichten Titel „5“.

MARILLION - Das unbeabsichtigte Meisterwerk

Nach zuletzt „Misplaced Childhood“ erfährt jetzt auch Marillions Opus „Brave“ aus dem Jahr 1994 eine Neuveröffentlichung: als luxuriöses, randvolles Boxset mitsamt Steven-Wilson-Remixes, einem Konzertmitschnitt sowie einer neuen Dokumentation. eclipsed sprach anlässlich dessen exklusiv mit Steve Hogarth, Steve Rothery, Mark Kelly und Ian Mosley über die Entstehung eines düsteren Meisterwerks, das auch nach vierundzwanzig Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

A PERFECT CIRCLE - Rüssel aus der Schüssel

Vierzehn Jahre zwischen zwei Alben – das sind Dimensionen, die man sich als Band erst einmal leisten können muss. Die ein gesundes Selbstbewusstsein erfordern, aber auch ergebene Fans, die eine Engelsgeduld aufbringen. Wie bei dem Duo Billy Howerdel und Maynard James Keenan, das den kreativen Nukleus von A Perfect Circle bildet, und bei dem der Faktor Zeit keine Rolle zu spielen scheint: Songs werden erst veröffentlicht, wenn sie wirklich perfekt sind. Wenn die künstlerische Vision bis zum Letzten ausgereizt ist und die Presse mal wieder richtig vorgeführt wurde. Ein anstrengendes Vorspiel für ein großes Album mit dem Titel „Eat The Elephant“. Das gehört bei A Perfect Circle einfach dazu…

GALAHAD will auch nach diversen Line-up-Wechseln die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen

Das Wort Beständigkeit hat Stuart Nicholson aus seinem Wortschatz gestrichen. Denn mit ständigen Veränderungen lebt seine Band Galahad seit ihrer Gründung im Jahr 1985. Nicht nur ihre Besetzung hat sich – teils zwangsläufig, teils gewollt – immer wieder geändert. Auch ihr Stil war und ist so wandelbar wie bei kaum einer anderen Formation im Prog. Mit ihrem neuen Studioalbum „Seas Of Change“ setzen die Engländer aus Dorset diese Tradition fort.

Die Zeit der gewöhnungsbedürftigen Discosounds und Dance-/Tranceeinflüsse, die noch auf „Battle Scars“ und „Beyond The Realms Of Euphoria“ zu hören waren, ist für Galahad vorbei. „Wir hatten immer vielfältige Einflüsse, mehr als nur Prog, zum Beispiel auch Folk und harte Sachen wie Rammstein“, sagt Nicholson und fügt erklärend hinzu: „Du musst bedenken: Als wir anfingen, waren viele von uns noch Teenager. Da hat sich vieles erst entwickelt.“

YO LA TENGO machen da weiter, wo sie nicht aufgehört haben

Hoboken ist eine unansehnliche Kleinstadt in New Jersey, die am Hudson River gegenüber Manhattan vor sich hindämmert. Viel hat sie der Welt nicht geschenkt. Na ja, doch: So kam Frank Sinatra hier vor einhundertdrei Jahren zur Welt, und zwei stilprägende Bands der jüngeren amerikanischen Rockgeschichte stammen von hier. Die eine, Sonic Youth, ist selbst schon Geschichte, die andere, Yo La Tengo, erfindet sich auf „There’s A Riot Going On“ gerade neu.