Ende der Schonzeit für Salonlöwen - Für BRYAN FERRY war früher alles besser, außer seiner eigenen Musik

Der ewige Charmeur leidet unter fortschreitendem Kulturpessimismus: Die Charthits werden immer schlimmer, die Jugend hat keinen Stil mehr, und die Damenwelt ist auch nicht mehr, was sie mal war. Ein Szenario, gegen das der ehemalige Kunstlehrer auf seinem neuesten Werk „Avonmore“ mit rockigem Edelpop alter Schule ankämpft.

eclipsed: Bryan, was stört dich an der Gegenwart?

Bryan Ferry: Eine Menge. Ich hoffe, ich klinge jetzt nicht wie ein alter Sack, aber manchmal wünsche ich mir die Sechziger und Siebziger zurück. Das war eine bessere Zeit. Und noch wichtiger: Ich war jung. (lacht) Außerdem kann man sich die aktuelle Musik kaum noch anhören. Sie ist vulgär, obszön, provokant und schlecht. Also nichts, was einem ein Glücksgefühl vermittelt...

The Art Of Sysyphus Vol. 80

COLOUR HAZE - Überall (alternative mix) (8:38)
Album: To The Highest Gods We Know (2015)
Label/Vertrieb: Elektrohasch/Sonic Rendezvous
www.colourhaze.de

Auch auf dem neuen COLOUR HAZE-Album sind alle liebgewonnenen Trademarks der Münchener Stonerrocker vertreten. Spannende Licks, die zu griffigen Riffs werden. Langsame Rhythmen, die zu vorwärtspreschenden Grooves heranwachsen. Und wie im hier präsentierten „Überall“ eine bemerkenswerte Gitarrelinie.

SUPERTRAMP - 40 Jahre „Crime Of The Century“

Eigentlich waren sie schon tot. Sogar mausetot. Nach zwei Alben, die sich so gut verkauften wie Schokolade mit Seifengeschmack und laut Gitarrist/Sänger Roger Hodgson auch nicht viel besser klangen, schien das Kapitel Supertramp bereits 1971 beendet – weil wirklich alles schieflief. Die Band, die damals noch aus Kevin Currie, Frank Farrell, Dave Winthrop, Rick Davies und eben Hodgson bestand, fiel nach einer desaströsen Skandinavientour auseinander. Ihr Finanzier, ein holländischer Multimillionär namens Stanley August Miesegaes, zog sich aus dem Musikgeschäft zurück, und das jüngste Album „Indelibly Stamped“ lag wie Blei in den Regalen. Nicht zuletzt wegen eines gruseligen Artworks, das eine tätowierte weibliche Brust zeigte und Hodgson bis heute peinlich ist. „Ich weiß nicht, was wir uns dabei gedacht haben“, so der Mann, der heute in der Nähe von Sacramento, im Norden Kaliforniens, lebt und inzwischen als Einziger noch die Supertramp-Fahne hochhält.

AC/DC - Vorübergehender Stromausfall

AC/DC gehen die Mitglieder aus: Der Rhythmusgitarrist leidet unter Demenz, der Schlagzeuger ist von der neuseeländischen Polizei verhaftet worden – ihr vierzigstes Dienstjubiläum haben sich die australischen Megastars sicherlich anders vorgestellt. Doch trotz der widrigen Umstände: Mastermind Angus Young denkt nicht an ein Ende der Hardrockinstitution. Mit dem jetzt erscheinenden Album „Rock Or Bust“ werden AC/DC 2015 auf Welttournee gehen.

Tatort Düsseldorf: Angus Young residiert in einer Suite des luxuriösen Breidenbacher Hofs, die für seine körperlichen Abmessungen geradezu überdimensioniert wirkt. Denn bei dem 59-jährigen Australier mit schottischen Wurzeln, einem Zweitwohnsitz im niederländischen Aalten und einem fürchterlichen Down-under-Akzent handelt es sich bekanntermaßen um einen kleinen, schmächtigen Mann, der inzwischen fast kahl ist und heute zudem einen extrem ungesunden grau-bleichen Teint hat.

NEIL YOUNG - Play Pono To Me

Wo die Geschichte Neil Young mit seinem neuen Album „Storytone“ einordnen wird, können wir jetzt noch nicht sagen. Fest steht fürs erste, dass die Reaktionen auf die Platte einmal mehr zwischen Verwunderung, Kopfschütteln, Staunen und Respekt changieren. Mit großorchestralen Arrangements könnte diese Arbeit eine der schönsten Platten seiner langen und an Veröffentlichungen nicht eben armen Laufbahn sein, doch mit seiner brüchigen und mittlerweile erstaunlich limitierten Stimme sorgt der alte Barde dafür, dass ein Gefühl von entspannter Anmut niemals aufkommen kann.

UNIVERS ZÉRO - Vierzig Jahre in der Opposition

Bei Prog-Fans, die Musik mit ungewöhnlicher Instrumentierung schätzen, stehen Univers Zéro hoch im Kurs. 2014 feiert die häufig umbesetzte Band, die von moderner Klassik und mittelalterlicher Musik beeinflusst wurde, ihr vierzigjähriges Bestehen – eine bewundernswerte Leistung, da vor allem ihre frühen Alben eine echte Herausforderung ans ungeübte Ohr darstellen. Zeit für einen Rückblick auf eine Gruppe, die dem Kammerprog bzw. dem Prog-Subgenre Rock In Opposition (RIO) zugerechnet wird, in späteren Jahren aber auch minimalistischere Töne anschlug.

LUNATIC SOUL - Seelenfinsternis

Er wandert zwischen zwei Welten, zwei Herzen schlagen in seiner Brust. Das wird deutlich, als Mariusz Duda sich am Telefon meldet: „Hello, here is Mariusz from… ah… Lunatic Soul or Riverside“. Kurze Verwirrung auf der polnischen Seite der Leitung, gefolgt von einem kurzen Lachen auf beiden Seiten. Um Lunatic Soul geht es dieses Mal – und um das neue Album, das sich mit düsterem, trance-artigem Artrock präsentiert.

eclipsed: „Walking On A Flashlight Beam“ ist das erste Lunatic-Soul-Album mit farbigem Cover und einem richtigen Titel. Symbolisiert das, dass du ein neues Kapitel aufgeschlagen hast?

Mariusz Duda: Ich hoffe es. Einerseits wollte ich meinen charakteristischen Stil beibehalten, andererseits auch neues Terrain betreten. Dennoch ist das Album mit seinen beiden Vorgängern verbunden. Inhaltlich ist es so etwas wie die Vorgeschichte des ersten Albums. Es ist die Story eines Menschen vor dessen Geburt.

PENDRAGON - Ausgedehnte Bergtour

Pendragon gehören seit Mitte der Achtzigerjahre zum Inventar der Neoprogszene. Die 1978 als Zeus Pendragon gegründete Formation hat sich aber gerade in den letzten Jahren mit den Alben „Believe“, „Pure“ und zuletzt „Passion“ stilistisch breiter und moderner präsentiert und sich damit wieder als relevante Band zurückgemeldet. Gitarrist, Keyboarder und Sänger Nick Barrett, Keyboarder Clive Nolan, Bassist Peter Gee und der neue Schlagzeuger Craig Bundell nehmen auf „Men Who Climb Mountains“ einiges von dieser klanglichen Frische auf, erinnern aber gleichzeitig auch wieder mehr an frühere Alben.

eclipsed: Nick, von dir ist bekannt, dass du ein großer Camel-Fan bist und als solcher besonders Andrew Latimers Gitarrenspiel liebst. Gibt es Songs oder Passagen auf dem neuen Album, bei denen dir beim Schreiben oder beim Einspielen Camel im Hinterkopf herumschwirrten?