END OF THE LINE - In Memory of Gregg Allman

„Ich habe mein ganzes Leben mit dem Blues verbracht. Er ist meine große Leidenschaft, die mir aus meinem eigenen Blues heraushilft. Der Blues trägt zum Stressabbau bei. Er ist wie eine Harley Davidson.“
(Gregg Allman)

Sind jemals schönere Worte über den Blues gefunden worden?! Nur wenige weiße Musiker haben es geschafft, in ähnlicher Weise zu einer US-amerikanischen Blueslegende zu werden wie der Sänger, Organist, Gitarrist und Bandleader Gregg Allman. Doch er war weit mehr als nur ein Bluesmusiker. In seinem Lebenswerk mischen sich Blues, Country, Folk, Latin, Cajun, Gospel, Hardrock und noch ein ganzes Bündel weiterer Stile zu einer einzigartigen Mischung. Am 27. Mai dieses Jahres starb Gregg Allman im Alter von 69 Jahren.

Allman war sicher keine ganz einfache Natur. Selbst für sein unmittelbares Umfeld war er zuweilen erratisch und unberechenbar. Auf der Bühne konnte er es schnell mal zu minutenlangen Diskussionen mit seinen Mitmusikern kommen lassen, wenn ihm etwas nicht passte. Doch der am 8. Dezember 1947 geborene Gregory LeNoir Allman war in ein Zeitalter hineingewachsen, in dem es zum guten Ton gehörte, gegen den Strich gebürstet zu sein. Das erschöpfte sich nicht in aufgeschlitzten Jeans und provokanten Tattoos, sondern entlud sich in einer Haltung, die auch mal hinter Gitter enden konnte. Wenn er darüber schwadronierte, wie er 1969 mit der frischgegründeten Allman Brothers Band von jedem zweiten Dorfsheriff in den Südstaaten weggesperrt wurde, huschte auch am Ende seines Lebens noch ein verklärtes Lächeln des leisen Triumphs über seine zerknautschten Züge. „Die wollten uns immer eins auswischen, indem sie uns in den schwarzen Zellentrakt sperrten. Aber genau da wollten wir ja hin, denn von den Jungs dort lernten wir den Blues.“

Nach eher halbherzigen Versuchen mit Bands wie The Allman Joys oder The Hour Glass schloss er sich 1969 der Formation seines großen Bruders Duane Allman an, die kurz darauf als The Allman Brothers Band Furore machte. Da die Gruppe mit dem älteren Allman und Dickey Betts schon hinreichend mit Gitarristen bestückt war, musste der bisherige Sänger und Gitarrist eigens für diesen Job Orgel lernen. Die sechsköpfige Allman Brothers Band wurde schnell mehr als nur eine weitere Rockkapelle. Das Logo stand gleichermaßen für ein Familienunternehmen, aber auch für ein Bündnis von Gleichen, die hier ohne Ansehen ihrer Herkunft Brüder sein konnten. Ein gelebter Hippietraum mitten in der archaischen Ordnung der Südstaaten. Zwei Gitarren, zwei Schlagzeuge, Keyboards und Bass erlaubten der Allman Brothers Band ein Spiel mit unbegrenzten Möglichkeiten. Ihr Multitasking aus Country, Blues, Jazz und Rock ging als Southern Rock in die Geschichte ein.

Lest mehr im eclipsed Nr. 192 (07/08-2017).

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