Music From Time And Space Vol.72

40 Jahre MARILLION - Von Hofnarren, Angst und dem Ende der Jahreszeiten

2019 feiern Marillion ihr 40-jähriges Bestehen. Und auch die zweite Inkarnation der Band begeht ein rundes Jubiläum: „Seasons End“, das erste Album mit dem neuen Frontmann Steve Hogarth, erschien am 25. September 1989 und war der Startschuss zum ereignisreichen zweiten Leben einer Band, die zu diesem Zeitpunkt viele schon abgeschrieben hatten. Zudem erscheint eine umfangreiche Box, die sich dem „Afraid Of Sunlight“-Album widmet, das wiederum kurz vor seinem 25. Geburtstag steht. Es gibt also genug Gründe, sich intensiv der Geschichte dieser einzigartigen Band zu widmen. Wir wollen einerseits Marillions unwahrscheinliche Karriere entsprechend würdigen, andererseits aber auch einen besonderen Blick auf die turbulente Phase der Neuorientierung und den Fixstern „Seasons End“ werfen. Zu diesem Zweck sprachen wir mit den beiden Sängern sowie mit Gitarrist und Gründungsmitglied Steve Rothery über eine der faszinierendsten Bands der Welt und ihre 40-jährige Geschichte.

FLYING COLORS - Supergroup auf Raten

Anfang Oktober veröffentlichten die FLYING COLORS „Third Degree“, ihr drittes Studioalbum in acht Jahren. Könnte der Output größer sein, oder ist das Motto „Qualität statt Quantität“ genau das richtige Rezept für die Prog-Supergroup? Andererseits ist das vielleicht gar kein so schlechter Schnitt angesichts all der Projekte, in die die Bandmitglieder sonst noch involviert sind. Die vielfältigen Aktivitäten von Sänger und Keyboarder Neal Morse (Neal Morse Band, Transatlantic), Drummer Mike Portnoy (unter anderem Neal Morse Band, Sons Of Apollo, The Winery Dogs, Transatlantic) und Sänger und Rhythmusgitarrist Casey McPherson (Alpha Rev) sind allerdings gar nicht der eigentliche Grund für die längeren Studiopausen, die clever mit Veröffentlichungen packender Liveaufnahmen überbrückt wurden. In erster Linie machen die Tourtermine von Deep Purple, bei denen Gitarrist Steve Morse hauptsächlich seine Brötchen verdient, den Flying Colors einen Strich durch die Planung, wie Portnoy im Interview verrät.

MARK LANEGAN - Musikbesessener ohne Sendungsbewusstsein

Wer mit Kurt Cobain, Mitgliedern von Pearl Jam und Marianne Faithfull zusammengearbeitet oder am Meilenstein „Songs For The Deaf“ der Queens Of The Stone Age mitgewirkt hat, besitzt fast zwangsläufig selbst Legendenstatus – ein Ausdruck, dem allerdings immer auch etwas Vergangenes anhaftet. MARK LANEGAN jedoch ist nach wie vor ein höchst produktiver Künstler, der es liebt, sein eigenes Ding zu machen, und ebenso gern genreübergreifende Kollaborationen eingeht.

Im November wird Lanegan 55. Passend dazu kommt im nächsten Frühjahr unter dem Titel „Sing Backwards And Weep“ eine Autobiografie über seine zehn Jahre in Seattle heraus. Dazu gibt es nun mit „Somebody’s Knocking“ ein von den Erinnerungen inspiriertes Album. Im Interview erklärt der Musiker, warum er mit seinen Songs keine Botschaften an die Hörer richten will.

eclipsed: Welche Geschichte verbindet sich mit „Somebody’s Knocking“?

PERE UBU - Am Ende eines Wegs

Der König ist tot, es lebe der König. Die aus Cleveland in Ohio stammende Band Pere Ubu war immer ihrer Zeit voraus und steckte zugleich mit beiden Beinen in der Geschichte. Sie entlehnte ihren Namen dem grotesken Theaterstück „König Ubu“ des französischen Schriftstellers Alfred Jarry und erfand den Post-Punk bereits vor der großen Explosion des Punk. Mit ihrem neuen Album „The Long Goodbye“ nimmt sie Abschied. Oder doch nicht?

“The Long Goodbye“ ist bereits das 18. Studioalbum der 1975 gegründeten Avantgarde-Band Pere Ubu. Im Laufe der Zeit hat sich ihr Stil sehr stark von ungestümen Eskapaden hin zu nachdenklichen Geschichtenliedern gewandelt. Einzige Konstante über all die Jahre ist Sänger und Songschreiber David Thomas. Sein neues Werk ist keine Sammlung von Songs, sondern ein Spoken-Word-Essay mit Hintergrundklängen. Im Gespräch mit eclipsed berichtet er über seine gesundheitlichen Probleme und erklärt, was es mit dem Titel auf sich hat.

TONBRUKET - Musik und Antimusik

In sogenannten Jazzkreisen passiert es nicht allzu oft, dass eine Band in unveränderter Besetzung über einen Zeitraum von zehn Jahren sechs Alben veröffentlicht. Das schwedische Quartett Tonbruket ist eine Ausnahme. Auf seinem neuen Album „Masters Of Fog“ geht es einmal mehr über Start. Ein Sound wie ein eisiger Windhauch, der vom Nordpolarkreis zu uns herüber weht. Ein anfangs straightes, dann synkopierendes Schlagzeug kommt hinzu, grundiert von einem gravitätischen Bass. Am Ende legt sich das Sternenfunkeln einer Pedal Steel Guitar über das Ambiente. Willkommen in der Welt von Tonbruket.

PRIDE & GLORY / ZAKK WYLDE - Herzensangelegenheit

1994 erschien das einzige Album der Southern-Rock-Formation Pride & Glory. Nachdem Ozzy Osbourne nach dem Album „No More Tears“ (1991) seinen ersten Abschied vom Rockbusiness angekündigt hatte, stand Gitarrist Zakk Wylde auf einmal ohne Job da. So gründete er 1992 mit der White-Lion-Rhythmusmannschaft, bestehend aus dem Bassisten James LoMenzo und Drummer Greg D'Angelo, die Band Lynyrd Skynhead. Einige Songs des Trios erschienen u. a. auf dem Sampler „L.A. Blues Authority Vol. 1“ (1992), allerdings unter dem Namen Zakk Wylde. 1994, vor der Aufnahme des selbstbetitelten Debütalbums, änderte man mit Hinzunahme von Schlagzeug-Koryphäe Brian Tichy (Billy Idol, Whitesnake, Foreigner und Kenny Wayne Shepherd) den Namen. Ein Jahr später war das Kapitel Pride & Glory nach einer weltweiten Tour und u. a. diversen Festival-Auftritten in Europa allerdings schon wieder beendet. Denn Ozzy rief an, um sein nächstes Album „Ozzmosis“ (1995) aufzunehmen.

KEITH EMERSON: Würdigung zum 75. Geburtstag

Am 2. November hätte ELP-Keyboarder Keith Emerson seinen 75. Geburtstag gefeiert. Für viele Progrock-Fans gilt der Brite, der am 11. März 2016 seinem Leben ein Ende setzte, als spieltechnisch brillantester Vertreter seiner Zunft. Doch Emerson setzte auch noch in anderen Bereichen Maßstäbe: als Showman der Extraklasse, als bahnbrechender Komponist und als genialer Vermittler zwischen Klassik und Rock. Von Kritikern wurde er gerne der Gigantomanie bezichtigt, während seine künstlerischen Leistungen unter den Tisch gekehrt wurden. Daher ist es an der Zeit, die Verdienste dieses großartigen Musikers nochmals angemessen zu würdigen.