IGGY POP - Gevatter Punk

75 und kein bisschen leise: Mit  »Every Loser«  serviert der Iggster ein grandioses Spätwerk. Eines, auf dem er noch einmal in seine Paraderolle als Prototyp-Punk schlüpft, Amerika den gestreckten Mittelfinger zeigt und seine Relevanz für die Rockmusik untermauert. Ein 11-Song-Manifest - und hoffentlich nicht der letzte Streich des ewigen Stehaufmännchens.

Es ist dreieinhalb Jahre her, dass James Newell Osterberg alias Iggy Pop im eclipsed-Interview erklärte, keinen Rawk’n’Roll mehr spielen zu wollen. Das habe er sein Leben lang getan und sich genug Schrammen und Prellungen zugezogen, sodass seine Hüfte bleibende Schäden davongetragen habe. „Ich bin ein alter Sack, der aufpassen muss, dass er sich nicht übernimmt. Deshalb lasse ich es ruhiger angehen. Ich mache weniger - und vor allem Sachen außerhalb der Rockmusik, die eine Herausforderung darstellen.“ 

WALTER WEGMÜLLER - Musikalisches Kartenspiel mit kosmischen Jokern

In der klassischen Krautrockära der 70er-Jahre, als ohne Rücksicht auf Genre- und andere Grenzen lebenslustig experimentiert wurde, gab es einiges Spezielles und Kurioses. Als Geheimtipp gilt bis heute das einzige Album des schweizerisch-jenischen Künstlers Walter Wegmüller, auf dem die Wahrsagekarten des gerade damals sehr populären Tarots in Musik umgesetzt wurden. Die abgespacten Jams einer illustren Runde von Krautrockmusikern, 1973 auf Doppel-LP gebannt, haben je nach Geschmack Kult- oder zumindest Exotenstatus. Fünfzig Jahre später erscheint das Werk frisch remastert in verschiedenen Editionen. Anlass genug, der Geschichte von „Tarot“ nachzuspüren, wofür wir exklusiv Toningenieur Dieter Dierks befragt haben.

RIVERSIDE - Alles auf Anfang

Das düstere „Wasteland“-Album vermittelte den Eindruck, man müsse sich ein wenig Sorgen um Riverside machen. Allzu melancholisch und zerrissen wirkte jenes Werk, das zwei Jahre nach dem plötzlichen Tod des Gitarristen Piotr Grudziński eingespielt worden war. Auf ihrem jüngsten Longplayer, der den vieldeutigen Titel „ID.Entity“ trägt, wirken die inzwischen wieder als Quartett agierenden Polen dagegen wie ausgewechselt. Die Songs klingen frisch, die Musiker spielen geradezu befreit auf, und die Texte von Frontmann Mariusz Duda sind ungewöhnlich angriffslustig geraten, wobei die Polarisierung der Gesellschaft ebenso thematisiert wird wie Internettracking und toxische Beziehungen.

KLONE - Zwischen den Wolken

Nach der atmosphärischen Klangreise „Le Grand Voyage“ bringen KLONE für „Meanwhile“ die Heaviness zurück. Wir sprachen mit Gitarrist Guillaume Bernard und Tonmeister Chris Edrich über die Entstehung des Albums.

LAURA COX - Schritt für Schritt!

Laura Cox, halb Französin, halb Engländerin, macht mit ihrem neuen Album „Head Above Water“ den nächsten Schritt: Ihr Name steht nun ohne den Zusatz „Band“ auf dem Cover. Gitarre und Gesang schultert sie ab sofort alleine. Und zudem kommt jetzt wohl endgültig niemand mehr auf die Idee, ihr den Stempel Bluesrock aufzudrücken. 

Mit ihrem neuen Album eröffnen ELDER dem Stoner Rock neue Dimensionen

Das aus der Nähe von Boston, Massachusetts, stammende Stoner-Rock-Quartett Elder ist schon seit längerem keine reine Stoner-Rock-Band mehr. Und auch keine reine US-Band. Spätestens seit ihrem dritten Album, dem 2015er „Lore“, sprengen die Mannen um Hauptsongschreiber, Sänger, Gitarrist und Keyboarder Nick DiSalvo die Grenzen des Stoner Rock und haben ihr Hauptquartier nach Berlin verlegt. Mit dem neuen Album „Innate Passage“ ist ihnen ein furioser Mix aus Prog, Stoner, Metal und Psych gelungen. 

HENRIK FREISCHLADER, deutscher Vorzeige-Bluesrocker, tanzt 2023 auf mehreren Hochzeiten

2009 hieß es zum ersten Mal „Recorded By Martin Meinschäfer“, gut 13 Jahre später besann sich Henrik Freischlader nun wieder auf ein Solo-Konzept. Der Wuppertaler spielte alle Instrumente selbst, bis auf die Orgel, die von Kumpel Mo Fuhrhop bedient wurde. Aufgenommen wurde einmal mehr bei Martin Meinschäfer in dessen Studio in Arnsberg-Neheim, in dem sich ansonsten Acts wie Long Distance Calling, Zodiac, Demon’s Eye und Blueser wie Kai Strauss oder auch Layla Zoe wie zu Hause fühlen.

eclipsed: Henrik, warum war die Zeit reif für „Recorded By Martin Meinschäfer II“?

Henrik Freischlader: Meine alte Band hatte sich aufgelöst. Da passte das Konzept wieder. Aber die 13 Songs sind komplett neu.

eclipsed: Dieses Jahr heißt das Motto deiner Tour „Bring Back The Time“. Welche Zeit soll es zurückbringen?

AYNSLEY LISTER erweitert mit „Along For The Ride“ sein musikalisches Spektrum

Nach längerer Pause überrascht Aynsley Lister mit einem starken neuen Album, das weit über das Bluesrock-Genre hinausgeht. Wir sprachen mit ihm über die Hintergründe der Produktion und die bevorstehende Deutschland-Tournee im Mai 2023.

eclipsed: Seit deinem letzten Studioalbum „Eyes Wide Open“ sind einige Jahre ins Land gegangen. War die Produktion des neuen Longplayers eine schwere Geburt?

Aynsley Lister: Es hat sich hingezogen. Wir wollten im Frühjahr 2020 ins Studio, hatten alle Songs beisammen. Dann kam der Lockdown. Es lief alles aus dem Ruder. Ich saß drei Monate zu Hause rum. Aus der Stimmung heraus sind zusätzliche Songs entstanden. Aber ein ganzes Album mit Lockdown-Nummern wäre dann wohl doch zu einseitig und düster geworden.  

eclipsed: Ganz im Gegenteil nun – für den Facettenreichtum auf „Along For The Ride“ bekommst du überall großes Lob.