ALEX HENRY FOSTER - Die Kunst des Loslassens

28. Oktober 2026

Alex Henry Foster

ALEX HENRY FOSTER - Die Kunst des Loslassens

Der Kanadier Alex Henry Foster hatte 2023 eine lebensbedrohende Operation am Herzen. Obwohl seine charismatische Bühnen-Persönlichkeit auch in Deutschland Eindruck gemacht hat, ist es deshalb kein Wunder, dass er erst jetzt den legitimen Album-Nachfolger „The Fragile Beauty (Of New Morning Hopes)“ zu seinem Debüt „Windows In The Sky“ (2020) vorlegt. Wir haben den Künstler zum schmerzhaften Entstehungsprozess wie zu seiner Zukunft befragt.

Bei seinen hypnotischen Konzerten der letzten Jahre zusammen mit seiner Band The Long Shadows, so bei der Night Of The Prog und dem Herzberg Festival, zeigte Alex Henry Foster, wie sehr er am Leben war. Sein ekstatischer Mix aus Post-, Progressive und Gothic Rock nahm Dimensionen einer Live-Predigt an. Nach EPs, Live Releases und Ambient-Alben kommt nun Ende Oktober endlich das neue reguläre Studioalbum.

eclipsed: Nach deiner lebensbedrohlichen Herzoperation hast du zwei Ambient-Alben ohne Gesang aufgenommen, weil du nicht mehr wie früher singen konntest. Wie hat das deine Musik verändert?

Alex Henry Foster: Nach meiner OP konnte ich mich nicht mehr darauf verlassen, ganz ich selbst zu sein. Eine Zeitlang konnte ich nicht sprechen. Ich hatte zudem eine Mikroembolie im Gehirn. Deshalb konnte ich Informationen nicht mehr so schnell wie früher verarbeiten. Also war ich gezwungen, alles irgendwie neu anzugehen, denn meine Kunst ist eine Erweiterung meiner Persönlichkeit. Und die war danach nicht mehr dieselbe. Das Gute daran: Als ich nach dem Schock einfach beschloss, loszulassen, bot sich mir eine wunderschöne neue Leinwand, auf der ich mich auf andere Weise ausdrücken kann.

eclipsed: Welchen Einfluss hatten deine Live-Auftritte auf dein neues Album?

Foster: Musik ist buchstäblich livehaftig, in seiner Essenz etwas Gemeinschaftliches. Das große Privileg, auf der Bühne mit Menschen in Verbindung treten zu können, verleiht allem eine ganz andere Perspektive. Jedes Konzert verändert mich und meine Herangehensweise mit Blick auf alles, was ich danach schaffe.

eclipsed: Waren deine beiden EPs 2024/25, die ja auch Live-Aufnahmen enthielten, wichtige Meilensteine auf dem Weg?

Foster: Für mich war insbesondere „A Nightfall Ritual (Live In Cologne)“ eine Feier des Lebens. Eine Feier des Loslassens. Ohne das hätte ich mir selbst bei der Arbeit an einem kompletten Album nicht wirklich vertrauen können. Ich musste einfach auf die Bühne, nachdem so viele meiner Ärzte mir gesagt hatten, dass ich nie wieder Musik machen werde. Plötzlich stand ich da, und statt mich hoffnungslos und hilflos zu fühlen, gab mir die Macht der Musik und die Verbindung zu den Menschen neue Kraft. „A Nightfall Ritual“ hat wirklich die Schleusen geöffnet.

Alex Henry Foster - Of Dreams and Ghosts (Visualizer)

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