Es gibt kaum etwas, das Jakko Jakszyk noch nicht gemacht hat: Der Engländer mit dem Lockenkopf produzierte Soundtracks, mischte Alben von Jethro Tull und Emerson, Lake & Palmer neu ab, spielt und singt bei King Crimson. Jüngst veröffentlichte er seine Autobiografie, die ihn wiederum zu dem neuen Album „Son Of Glen“ inspirierte. Wir sprachen via Zoom mit dem Workaholic.
Als wir ihn in seinem Studio erreichen, arbeitet Jakszyk gerade an einem neuen Album von King Crimson. Es sei schon fertig aufgenommen, erzählt er, nun gehe es nur noch um die Feinarbeit. 2002 hatte er als Fan der Proglegende das Coverprojekt 21st Century Schizoid Band ins Leben gerufen und mit ihm deren frühe Werke auf die Bühne gebracht. In der Folge freundete er sich mit Robert Fripp an, der ihn 2014 als Sänger und Gitarristen für die wohl letzte King-Crimson-Inkarnation verpflichtete. Der Grund für unser Interview mit dem Londoner ist aber gar nicht jene Band, die einst den Progressive Rock erfand, sondern Jakszyks neuntes Soloalbum „Son Of Glen“, auf dem memoirenhafte Songs in samtenen Artpop gehüllt sind.
Anfangs fehlte ihm dafür jegliche Inspiration: „Mein Selbstbewusstsein war im Keller“, erinnert sich Jakszyk. Erst als er seine Autobiografie zu schreiben begann, die 2024 unter dem Titel „Who’s That Boy With The Lovely Hair?“ erschien, konnte er sich von der lähmenden Lethargie befreien. „Son Of Glen“ wurde zu einer Art musikalischem Gegenstück des Buches – „fast so, als könnte man die Songs bestimmten Kapiteln zuordnen, Stationen meines Lebens“. So ist der Titeltrack eine Hommage an Jakko M. Jakszyks leiblichen Vater, den der Musiker nie kennengelernt hat. Er wuchs als Adoptivkind eines Polen und einer Französin auf, die aufgrund des Zweiten Weltkriegs nach England geflüchtet waren. Sein ganzes Leben suchte er nach seinem Vater, einem amerikanischen Navy-Offizier namens Glen ...