Die gebürtige Engländerin Joanne Shaw Taylor hat sich dem Bluesrock verschrieben und bereits mit zwei Livealben die US-Blues-Billboard-Charts erobert. In ihre Studiowerke fließen aber immer auch Elemente anderer Genres ein. Ihr zehntes, „Black & Gold“, nennt Taylor ein „Fun-Album“. Neben dem Blues enthält es poppige Klänge und gewährt viele sehr persönliche Einblicke.
Ihren 40. Geburtstag nahm die in Nashville lebende Gitarristin und Sängerin zum Anlass, ihre Karriere Revue passieren zu lassen sowie mit unerfreulichen Dingen abzuschließen, um unbelastet die nächste Dekade in Angriff zu nehmen.
eclipsed: Erzähl doch bitte ein wenig von „Black & Gold“!
Joanne Shaw Taylor: Diese Platte aufzunehmen, hat eine Menge Spaß gemacht. Wir haben in den RCA Studios mit Kevin Shirley in Nashville, wo ich lebe, aufgenommen. Er ist ein sehr bekannter Produzent, hat unter anderem mit Aerosmith, Joe Bonamassa und den Black Crowes gearbeitet. Es ist schon das dritte Album, das wir zusammen aufgenommen haben. Es sollte aus Songs bestehen, die bisher musikalisch und textlich auf keines der anderen Alben gepasst hatten, das Ganze sollte aber dennoch nach mir klingen.
eclipsed: Einige der Songs sind sehr persönlich. Was sind die Geschichten dahinter?
Taylor: Bei „Who’s Gonna Love Me Now?“ geht es um Trauer und Verlust. Meine beste Freundin hat unlängst ihren Mann verloren, und ich wollte sie trösten, aber auch eine Art Hommage an ihn schreiben und meine eigene Erfahrung mit Trauer verarbeiten. Vor 13 Jahren ist meine Mum gestorben. Auch nach all dieser Zeit verschwindet die Trauer nicht, aber man kann den Kummer verarbeiten. Bei „Hold Of My Heart“ geht es um eine Freundschaft, aus der mehr werden könnte. Ich betrachte mich als Bluesgitarristin, die singt und es mag, Pop-Rock-Songs zu schreiben. So ist ein poppiger Bluessong entstanden. Mit „What Are You Gonna Do Now?“ schließe ich mit einer toxischen Beziehung ab, die schon eine Weile zurückliegt. Ich wollte das Negative endlich hinter mir lassen.
eclipsed: Die RCA Studios sind für dich ein sehr spezieller Arbeitsplatz...
Taylor: Dort habe ich meine erste Platte [mit Kevin Shirley] aufgenommen [„Wild“, 2016 im RCA Studio A, Anm.]. Irgendwann [1977, Anm.] haben sie für eine Weile dichtgemacht, wurden dann neu eröffnet. In Nashville sind sie eine Institution. Dolly Parton hat dort „I Will Always Love You“ und „Jolene“ aufgenommen [im RCA Studio B in einem anderen Gebäude, Anm.], Johnny Cash und Elvis waren dort. Wenn man hineingeht, fühlt es sich an, als würde man eine Kirche betreten. Ein besonderer Ort, ich liebe ihn! Ich weiß gar nicht, warum sie mich dort reingelassen haben, ich habe ein Glück! (lacht)