Dass Snowy White in derselben Liga wie seine Kollegen Peter Green, Eric Clapton und David Gilmour spielt, hat sich schon vor Jahrzehnten herumgesprochen. Trotzdem galt der vielseitige Gitarrist lange vor allem als hochgeschätzter Sideman und Sessionmusiker und wurde weniger aufgrund seiner eigenen Werke wahrgenommen. Das hat sich zum Glück geändert: Seit seinem Abschied von der Livebühne wartet der für seinen gefühlvollen, flüssigen Gitarrenton bekannte Musiker mit einem Topalbum nach dem anderen auf. Wir sprachen mit ihm über seine jüngste Studioproduktion, die das Zeug zum Opus magnum hat.
eclipsed: Im Track „The Finishing Touch“ thematisierst du all die Sorgen, die sich gegenwärtig viele Menschen machen, richtig?
Snowy White: Ja. Wir stecken mitten in einer Zeit, in der zwei völlige Idioten an der Spitze zweier der größten Nationen der Welt stehen – Nationen, die über Atomwaffen verfügen. Viele Menschen wissen, worauf wir zusteuern, doch wir scheinen machtlos zu sein und nichts dagegen unternehmen zu können. Ich habe dieses Stück Musik in einer Phase geschrieben, in der ich Tag für Tag mitansehen musste, was in der Ukraine geschah – und wie Putin zu einem Treffen mit jenem orangefarbenen Stück Scheiße namens Trump eingeladen wurde; einem Trump, der ihm tatsächlich die Hand schüttelte und ihm auf die Schulter klopfte. Zwei erbärmliche Schwachköpfe – unreif, eitel, käuflich und leider auch äußerst mächtig und gefährlich. In meinem Song bekommt Putin genau das, was er verdient. Die Realität wird jedoch wohl anders aussehen.
eclipsed: „Open Water“ ist eines deiner schönsten Instrumentalstücke. Wie entsteht so eine fast magische Stimmung?
White: Es bereitet Freude, einen schönen Groove zu entwickeln und ihn dann seinen eigenen Weg finden zu lassen – ohne zu versuchen, ihn in eine Form zu pressen, die ihm eigentlich gar nicht entspricht. Außerdem ist es sehr wichtig, alles schlicht zu halten, um die Atmosphäre nicht zu zerstören.
eclipsed: Mit „Just The Way It Is Today“ feierst du die Lebensfreude. Gibt es dazu eine Vorgeschichte?
White: (lacht) Ja. Je älter ich werde, desto mehr weiß ich es zu schätzen, wenn man mal einen guten Tag erwischt. Vor einer Weile unterhielt ich mich mit jemandem über Blues, eine Musik, die ich mag, und sagte: „Es gibt nicht gerade viele fröhliche Bluesstücke, oder? Ich werde mal eins schreiben!“