Im Spätsommer 2023 veröffentlichte der 23-jährige Brite Dominic Sanderson sein Debütalbum „Impermanence“ und verzückte damit die Prog-Gemeinde. Gut anderthalb Jahre später ist das Nachfolgewerk am Start. Schwieriges zweites Album? Von wegen! Der Multiinstrumentalist aus Wakefield legt mit „Blazing Revelations“ eine dicke Schippe drauf. Und bestätigt damit die Einschätzung der britischen Kollegen vom Prog Magazine, er zeige, dass „die Zukunft des Prog in sicheren Händen“ sei. Wir haben Dominic Sanderson auf den Zahn gefühlt und ihm so einiges vor allem aus seinem Musikerleben entlockt. Sanderson ist ein sehr interessanter Gesprächspartner und reflektierender Künstler.
eclipsed: Unser letztes Interview-Gespräch ist zwei Jahre her. Was hast du in der Zwischenzeit getan, wenn du keine Musik gemacht hast?
Dominic Sanderson: Um ehrlich zu sein, hat sich nicht viel geändert. Ich lebe immer noch in Liverpool. Ich arbeite immer noch von zu Hause aus als Buchredakteur für einen Verlag, das macht mir viel Spaß. Ich spiele nicht nur in meiner eigenen Band, sondern auch in anderen, sodass ich auch mit ihnen beschäftigt bin. Im November des letzten Jahres war ich mit einem meiner anderen Acts, Transmissions, auf einem Retreat in Wales. Es war sehr kalt und nass, aber insgesamt war es sehr produktiv, und wir hatten viel Spaß. Der Chef dieser Band, Joshua Joyner, war der geschätzte Produzent von „Blazing Revelations“. Ich weiß, dass du mich nach meinen Aktivitäten außerhalb der Musik gefragt hast, aber ich bin hauptsächlich auf die eine oder andere Weise in musikalische Aktivitäten involviert …
eclipsed: Es sieht so aus, als ob aus dem Ein-Mann-Projekt Dominic Sanderson die Band Dominic Sanderson geworden ist. Zumindest werden die Mitwirkenden im Booklet in „musikalische Gäste“ und „keine Gäste“ unterschieden. Einige Leute sind dieselben, einige sind verschwunden und einige sind neu. Als was soll man „Dominic Sanderson“ jetzt betrachten? Und kannst du die neuen Mitwirkenden mit ein paar Worten vorstellen?
Sanderson: Du hast recht, es gibt ein eindeutiges „Band“-Gefühl bei diesem Album, was den Sound und die Art und Weise angeht, wie wir es aufgenommen haben. Beim letzten Album, „Impermanence“, bestand die „Band“ aus Jacob Hackett (Schlagzeug) und Tristan Apperley (Bass), und wir haben jeden Part einzeln für jeden Track aufgenommen. Wir waren jedoch keine Band im Sinne von Live-Auftritten; tatsächlich hätte ich nie gedacht, dass ich in der Lage sein würde, eine richtige Band zusammenzustellen, um die Musik live aufzuführen. Doch zwischen „Impermanence“ und „Blazing Revelations“ wurde die Aussicht, live zu spielen, zur Realität, und ich brauchte daher einen Keyboarder. So entdeckte ich Embiye Adalı, eine wunderbare Keyboarderin (und Ärztin) aus der Türkei, die ich über eine App zur Musikersuche fand. Da sie wie ich großes Interesse an progressivem Rock hat, wurde sie Mitglied der Band und nahm einige epische Keyboard-Parts für „Blazing Revelations“ auf. Außerdem kontaktierte ich während der Aufnahmen zum Album meinen Dozenten und akademischen Berater aus meiner Zeit an der University of Liverpool, Andy Frizell, in der Hoffnung, dass er einige Sax- und Flöten-Parts fürs Album aufnehmen würde. Da wir bei unseren Treffen meist über alles Mögliche aus dem Prog-Bereich sprachen und nicht über meine Fortschritte an der Universität, war ich zuversichtlich, dass er bei den Aufnahmen mitmachen würde – und ich hatte Gott sei Dank recht. Tatsächlich gefiel es ihm so gut, dass er die Möglichkeit erwähnte, in der Band mitzuspielen, worauf ich natürlich sehr schnell Ja sagte. Ein Teil des Albums wurde auch live mit uns im selben Raum aufgenommen – also, ja, das ist jetzt mehr eine Band im Sinne von Live Performance. Ich nenne es aber immer noch Dominic Sanderson, da die Musik ausschließlich von mir geschrieben wird: Ich sitze in meinem Zimmer und komponiere, arrangiere und spiele jedes Stück vor. Das soll nicht heißen, dass die Band keinen Beitrag leistet; im Gegenteil, jeder bringt seine eigene Identität in die Musik ein und liefert auch inspirierende Ideen für die eigenen Instrumental-Parts. Solange sie sich nicht in die Songstruktur und die Arrangements einmischen, lasse ich sie entscheiden, wie sie spielen wollen, schließlich bin ich kein Schlagzeuger, Bassist, Keyboarder, Flötist oder Saxophonist.
eclipsed: Das deutsche Prog-Publikum ist auf dein Debütalbum ziemlich abgefahren. Hattest du in deinem Heimatland den gleichen Erfolg? Wie bist du mit dem Erfolg umgegangen, und warst du davon überrascht? Hat er einen besonderen Druck auf deine musikalische Arbeit ausgeübt oder deine kreativen Prozesse anderweitig beeinflusst?
Sanderson: Ich freue mich sehr, das zu hören! Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, wie gut das Album irgendwo ankommt, obwohl ich hauptsächlich positive Dinge darüber gehört habe. Meine Fangemeinde ist auf jeden Fall größer geworden, seit ich „Blazing Revelations“ veröffentlicht habe, und es hat ein bisschen mehr Aufsehen erregt. Ich habe mehr Merch-Verkäufe und mehr Streams als je zuvor gehabt. Es ist also ein persönlicher Erfolg für mich, von dem ich definitiv überrascht bin. Ich mache die Musik, die ich mag, weil sie mir Spaß macht und ich sie wieder hören möchte; wenn sie anderen Leuten gefällt, sehe ich das als großen Bonus. Ich empfinde keinen Druck, weil ich keine Musik mache, die irgendjemandem gefallen soll. Druck verspüre ich nur, wenn es darum geht, ein guter Live Act zu werden, denn ich habe Lampenfieber, was Auftritte schwierig machen kann. Das beeinträchtigt jedoch nicht meine Entschlossenheit, und ich hoffe, dass ich meine Songs auch aufführen kann.