THE BLACK CROWES - Die Gralshüter

14. April 2026

The Black Crowes

THE BLACK CROWES - Die Gralshüter

Sie haben sich gestritten, geprügelt, getrennt und doch immer wieder zusammengefunden. Jetzt, im 42. Jahr ihres Bestehens, scheinen die Gebrüder Robinson wie ein Herz und eine Seele: Zwei Endfünfziger, die lauten, dreckigen Rock ’n’ Roll spielen und ihren musikalischen Helden huldigen. Auf dem neuen Album „A Pound Of Feathers“ sogar besser denn je.

Upstate New York, Ende Januar. Rich Robinson ist eingeschneit und hat folglich alle Zeit der Welt. Das sorgt für ein lockeres, tiefenentspanntes Gespräch über das zehnte Studioalbum der Band aus (ursprünglich) Atlanta.

eclipsed: Rich, euer neues Werk glänzt mit einem jugendlichen, rebellischen Vibe und kantigen, kraftvollen Songs. Eine musikalische Frischzellenkur oder gar eine Kampfansage? 

Rich Robinson: (lacht) Beides! Für die meisten Leute, die mit Rock ’n’ Roll aufgewachsen sind, hat dieser Sound etwas Leidenschaftliches und Expressives. Er reißt dich mit. Und er kann immer aus der Spur geraten, in sich zusammenstürzen oder umfallen. Er hat nichts Vorhersehbares. Er lebt, atmet und blutet. Außerdem bewegt er sich nicht immer im selben Tempo, sondern wird mal schneller oder langsamer. Schließlich benutzen wir keine Click-Tracks und folgen keinem bestimmten Muster – nichts von diesem Bullshit. Sondern wir bearbeiten unsere Instrumente, und es hat etwas Menschliches. Es sind echte Sounds. Das ist es, was Rock ’n’ Roll ausmacht. Und das hat etwas wahnsinnig Aufregendes.

eclipsed: Im Stück „Blood Red Regrets“ bedienst du dich ganz ungeniert bei den Riffs von Jimmy Page. Ist das eine Hommage an ihn? 

Robinson: Ich habe schon oft versucht, wie Jimmy zu spielen – ohne Erfolg. Doch bei diesem Song hat es funktioniert, was mich wirklich stolz macht. Es ist eine Hommage an ihn, weil er ein guter Freund und ein umwerfender Musiker und Komponist ist. Der Rest ist einfach großartiger Rock ’n’ Roll, der in unterschiedliche Richtungen geht. „Profane Prophecy“, „Pharmacy Chronicles“, „High & Lonesome“ und „Queen Of The B-Sides“ decken ein breites Spektrum ab – was prima ist. Sie ergeben ein spannendes, abwechslungsreiches Etwas.

eclipsed: Eure Texte preisen Rock ’n’ Roll als etwas Düsteres, Gefährliches und Lüsternes – als Mitteln gegen das Biedere, Konventionelle. Wie wichtig ist euch das? 

Robinson: Extrem wichtig. Künstler sind Künstler. Sie sehen die Welt anders als „normale“ Leute – und gehen ihr Leben auf andere Weise an. Sei es, indem sie einen Scheiß auf Konventionen geben oder versuchen, ihren ureigenen Platz in der Welt zu finden. Mitunter auf etwas abseitige Weise – aber: Sie haben die Fähigkeit, ein anderes Licht auf das Banale oder Alltägliche zu werfen, weil sie es durch einen ungewöhnlichen Blickwinkel betrachten. Das kann Dingen, die viele sonst gar nicht wahrnehmen, mehr Wertschätzung verschaffen.

The Black Crowes - Profane Prophecy

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