Ein neues Chelsea-Wolfe-Album wirft auch immer die Frage auf, welche stilistische Volte die Amerikanerin nun wohl vollziehen würde, hatte sie zuletzt doch sowohl ein reduziertes Folk-Album als auch ein Elektro-Noise-Werk veröffentlicht und auf dem Vorgänger eher sphärischen Klängen gefrönt. „The Dark“ verspricht bereits im Titel, die Quintessenz ihres Werks zusammenzufassen, doch das Album selbst ist – zumindest musikalisch – erstaunlich hell geworden. Chelsea Wolfe fühlte sich beim Konzipieren ihres achten Albums von der an einer Theorie des amerikanischen Mythenforschers Joseph Campbell angelehnten Vorstellung inspiriert, zur dunkelsten Stelle des Waldes zu gehen und dort zu dem zu werden, was man fürchtet. Diesen Gedanken führt sie im gespenstischen Titelsong aus, und man kann ihn gleichzeitig als Gesamtthema des Albums ansehen.
„Mir gefällt die Vorstellung, dass dem Begriff ‚The Dark‘ so viele Bedeutungen innewohnen können“, erklärt uns Wolfe im exklusiven Interview. „Einerseits ist er eine Liebeserklärung an das, was so viele von uns lieben: düstere Kunst, Filme, Musik… Der Titel leitet sich aber auch von der geläufigen Formulierung ‚Die dunkle Nacht der Seele‘ ab und entspringt meinen persönlichen Erfahrungen, als ich in einigen turbulenten Jahren versucht habe, wieder zu mir selbst zu finden.“ Alkoholprobleme, schwierige zwischenmenschliche Beziehungen und der Versuch, über Musik wieder zu sich selbst zu finden, säumten in den letzten Jahren den Weg Chelsea Wolfes und führten auch zu dem halbgaren sphärischen Sound auf dem Vorgänger „She Reaches Out To She Reaches Out To She“. Auf „The Dark“ klingen ihre Songs hingegen, dem Titel widersprechend, so luftig und eingängig wie nie zuvor.