Der Colorado-Fünfer SQUEAKY FEET lässt einen neuen Prog-Zweig sprießen

24. November 2025

Squeaky Feet

Der Colorado-Fünfer SQUEAKY FEET lässt einen neuen Prog-Zweig sprießen

Der Titel ihres letztjährigen Debütalbums, „Cause For Alarm“, war nicht gerade originell, denn den hatte es schon öfter gegeben. Dafür ließ der Bandname aufhorchen: Squeaky Feet (Quietschfüße). Die Band aus Colorado hatte sich dafür von einer Textzeile aus Genesis’ „The Colony Of Slippermen“ („The Lamb Lies Down On Broadway“) inspirieren lassen. Was sie auf ihrem Erstlinkswerk bot, war aber alles andere als ein Wieder-aufleben-Lassen oder gar Wiederkäuen von Mittsiebziger-Prog-Tugenden. Stattdessen ließ das Quintett mit seinem ersten Output gleich mal einen ganz neuen Zweig am Prog-Stammbaum sprießen: Colin Shore (Gesang, Gitarre), Greg King (Gitarre), Jimmy Finnegan (Bass, Gesang), Brian Keller (Keyboards, Saxophon, Flöte, Gesang) und Kevin D’Angelo (Schlagzeug) servierten mit „Cause For Alarm“ eine raffiniert gewürzte Suppe aus Prog, (Jazz-)Fusion und Jamband-Attitüde, wie man sie so noch nie gehört hatte. Phish, Pink Floyd, Pastorius auf einer Bühne? Genesis und Grateful Dead? Diese fünf Jungs machten es nicht nur möglich. Sie boten es auch mit einer derartigen Raffinesse und Virtuosität dar, dass einem der Atem stockte. Entsprechend kürte eclipsed es zum „Album des Monats“. Nun ist der Fünfer mit seiner zweiten Platte zurück. Ihr Titel ist schon origineller: „Overview Effect“. Was es damit auf sich hat, über die Möglichkeiten an Musikakademien (die Jungs sind Berklee-Absolventen), von der Arbeit am neuen Album und einiges mehr, darüber plaudern im Interview die beiden Gitarristen, Bandgründer Colin Shore und Greg King, sowie Bassist Jimmy Finnegan.

eclipsed: Was für eine Musikakademie ist das denn, die so viele Musiker mit Ambitionen im Bereich Progrock und Fusion hervorbringt? War das ein Schwerpunkt am Berklee?

Jimmy Finnegan: Wir alle haben unabhängig vom Schulbesuch eine Vorliebe für Progressive Rock und Jazz Fusion entwickelt, was unsere Musikgeschmäcker angeht. Unsere Hintergründe und unser vielseitiger Musikgeschmack hatten wahrscheinlich einen Einfluss darauf, wie wir unser Studium wahrnahmen und mit welcher Einstellung wir an es herangingen. Ich persönlich war schon vor meinem Studium von Bands wie Mahavishnu Orchestra, Weather Report und King Crimson fasziniert. Als ich dann mein Jazz-Studium begann, versuchte ich, alles, was ich lernte, mit dem in Verbindung zu bringen, was ich hörte.

Greg King: Wenn man als junger Mensch von Musik besessen ist und sich zum Musikstudium hingezogen fühlt, findet man, dass diese Schulen ein großartiger Ort sind, um all die seltsame Musik zu analysieren, die man während seiner Jugend gehört hat, und um viel neue Musik zu entdecken. Es ist auch ein großartiger Ort, um gleichgesinnte Musiker mit seltsamen und progressiven Musikgeschmäckern zu treffen. Der Schwerpunkt am Berklee lag insbesondere darauf, dass man sich selbst entscheiden konnte, was man lernen wollte. Ich habe viel Jazz und Fusion sowie R’n’B und Country studiert. Im College habe ich viele Bands wie Dream Theater, Rush, King Crimson und Genesis entdeckt, während Kevin [Drummer Kevin D’Angelo] mich in die Jam-Band-Szene eingeführt und zu Bands wie Phish, Dopapod, Umphrey’s McGee und The Grateful Dead gebracht hat.

eclipsed: Euer neues Album ist etwas härter als euer Debüt ausgefallen. Andererseits habe ich den Eindruck, dass die neuen Tracks etwas luftiger sind als auf der ersten CD. Mit anderen Worten, es ist, als wolltet ihr dem Hörer mehr Raum zum Atmen geben. Würdet ihr dem zustimmen? Wie kam es dazu? Waren das bewusste Entscheidungen oder eher natürliche Entwicklungen?

Finnegan: Die Tracks auf „Overview Effect“ wirken vielleicht atmungsaktiver, weil wir den Großteil davon bereits seit einigen Tourneen live spielen. Wir sind mit einer relativ festen Vorstellung davon ins Studio gegangen, wie sie ablaufen und wie lange die jeweiligen Solo-Abschnitte dauern sollten usw. Der von dir angesprochene Kontrast war vielleicht nicht beabsichtigt, aber ich hoffe, dass er letztendlich zu einem angenehmeren Hörerlebnis führt.

eclipsed: „Overview Effect“ – was bedeutet der Albumtitel? Ich habe nicht den Eindruck, dass eure Alben Konzeptalben sind. 

Colin Shore: Der Begriff „Overview Effect“ bezieht sich auf das Phänomen, dass jemand die Erde aus dem Weltraum betrachtet und dadurch seine Sicht auf die Welt und das Universum verändert. Du hast recht, dass das Album nicht unbedingt ein Konzeptalbum ist, aber ich denke, dass jeder Song auf diesem Album ein ähnliches Thema behandelt, nämlich wie man mit Widrigkeiten umgeht und wie diese die eigene Perspektive beeinflussen. 

eclipsed: Bei eurer Musik ist es schwer zu sagen, welche Teile improvisiert sind und welche nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass Zuhörer das manchmal anders sehen, als es tatsächlich ist. Bitte nennt mir doch mal Beispiele für Song-Passagen, die das eine oder das andere sind und bei denen man dies vielleicht nicht vermuten würde.

Shore: In unseren Studioalben improvisieren wir nicht unbedingt viel. Wenn wir live spielen, sind unsere Shows dagegen extrem improvisationslastig, oft spielen wir nur eine Handvoll Songs in einer Show und improvisieren den Rest einfach spontan. Das machen wir alle sehr gern, aber wenn wir ins Studio gehen, konzentrieren wir uns ganz auf die andere Seite – Komposition, Arrangement und die Feinabstimmung der Musik, um wirklich die ideale Version der Stücke herauszuarbeiten. Selbst der 16-minütige Titelsong ist von Anfang bis Ende vollständig komponiert.

Das komplette XXL-Interview ist Teil unseres Online Abos, siehe auch: https://www.eclipsed.de/de/abo

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