Ursprünglich kommen Elder um ihren kreativen Kopf Nick DiSalvo (Gitarren, Tasten und Gesang) aus dem US-Staat Massachusetts. 2005 gab man sich noch düsterem Doom Rock hin, wandte sich dann aber zunehmend psychedelisch infiziertem Stonerrock zu. Seit 2019 leben DiSalvo und Gitarrist Mike Risberg in Berlin. Schlagzeuger Georg Edert ist ohnehin Deutscher. Nur Bassist Jack Donovan pendelt noch zwischen den Kontinenten. Mit „Through Zero“ legt das Quartett nun sein bisher spannendstes Album vor, das die Band auch auf dem Herzberg Festival präsentieren wird. DiSalvo gibt Auskunft zum Konzept und den Songs.
eclipsed: Elder ist aufgrund der musikalischen Stil-Wandlungen eine interessante Band. Ähnlich wie Opeth habt ihr, weg vom Doom, einen progressiven Stil angenommen. Wie hat sich dieser „Heavy Psych“ entwickelt?
Nick DiSalvo: Wir wurden immer zuversichtlicher, was unsere eigenen musikalischen Fähigkeiten betrifft, und wollten uns stärker herausfordern und mehr Einflüsse einbetten. Ich fand es immer lobenswert, wenn Bands versucht haben, zu experimentieren, zu wachsen, neue Dinge auszuprobieren. Für mich als Musiker gibt es nichts Schlimmeres, als immer wieder das gleiche Album, nur neu verpackt, herauszubringen. Im Grunde ist es aber auch eine ganz natürliche Entwicklung, dass immer mehr Arten von Musik, die wir gehört haben, unbewusst in unsere eigene Musik eingewandert sind.
eclipsed: Wofür steht der kryptische Albumtitel „Through Zero“?
DiSalvo: „Through Zero Flanging“ ist ein spezieller spaciger Modulationseffekt an der Gitarre, bei dem eine Frequenz zumindest theoretisch unter null Hertz gehen kann. „Through Zero“ ist eine persönliche Metapher für die Ansicht geworden, dass es Dinge jenseits unserer wahrgenommenen Grenzen gibt. Also des Nullpunkts, was wir als Leben, Tod, Geburt und Ende definieren. Dass es vielleicht mehr gibt als das, was man als Realität sieht. Es ist jetzt deswegen kein echtes Konzeptalbum in Bezug auf die Songs, doch diese Formulierung schien superpassend für das Album.
eclipsed: Du liebst es, lange Songs zu schreiben. Fast alle neuen Stücke sind zehnminütige Exkursionen. Zum Beispiel ist der großartige Opener „Sigil To Ruin“ eine Progrock-Rakete mit sowohl spacigen als auch Heavy-Umdrehungen. Wie entwickelt man solche Song-Monster?
DiSalvo: (lacht) Langjährige Erfahrung. Seitdem die Band sich zwischen zwei Kontinenten aufgesplittet hat, habe ich angefangen, fast alles allein zu schreiben und die kompletten Vorproduktionen selbst in meinem bescheidenen Heimstudio zu machen. Bei diesem Prozess hat man alle Zeit der Welt, kann sich die Songs auch auf dem Rechner visuell anschauen und behält so viel besser den Überblick. Und so ist es einfacher, echte Songs mit einer durchdachten Struktur zu erzeugen, als wenn man nur im Proberaum zusammen jammt. Dadurch ist die Komposition zu einer Stärke der Band geworden.