EMMA RUTH RUNDLE ermächtigt sich zum Widerstand

25. August 2026

Emma Ruth Rundle

EMMA RUTH RUNDLE ermächtigt sich zum Widerstand

Kann Musik zu politisch sein? Die kalifornische Songschreiberin Emma Ruth Rundle sieht sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, politische Aussagen gehörten nicht in die Musik. Auf ihrem neuen Album „These Killing Times“ rechnet sie messerscharf mit den Umständen ab, die zu Hunger, Krieg und Feuersbrünsten führen. Was mit einem balladesken Piano-Pattern beginnt, endet in der Apokalypse. Die Musikerin zieht alle Register – in ihrer Musik wie im Gespräch.

eclipsed: Wie hast du deinem Gefühlsmix aus Wut, Trauer, Hilf-, Hoffnungslosigkeit und Verantwortung Luft gemacht?

Emma Ruth Rundle: Zunächst einmal bin ich froh, dass es so verstanden wird. Wenn du an einem Album arbeitest, geht es durch so viele Filter, dass du nie weißt, ob dein Anliegen auch ankommt. Wir gehen durch eine Zeit, in der sich Wut, Verlust und die Sehnsucht nach Hoffnung kaum voneinander trennen lassen. Wir können unsere Häuser nicht mehr verlassen, weil wir von unkontrollierbaren Flächenbränden umzingelt sind. Es ist einfach unmöglich auszublenden, was um uns herum passiert. Es ist ein schwieriger Moment.

eclipsed: Auch wenn du auf das landläufige Instrumentarium des Songwritings aus Melodie, Rhythmus, Text und Arrangement zurückgreifst, sind deine Hauptwerkzeuge Intensität und Expressivität, oder?

Rundle: Mein Songwriting-Prozess hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ich habe gelernt, verschiedene Bereiche meiner Stimme zu erkunden, und konnte ihren Kontrast aus Wucht und Zerbrechlichkeit besser herausarbeiten. Auf der neuen Platte wollte ich mich mehr in eine Walküre verwandeln. Ich musste mit meiner Stimme aber auch Momente von Hoffnung und Ermutigung zum Ausdruck bringen. Als Erdenbürger sind wir inzwischen dermaßen demoralisiert, dass wir uns oft völlig machtlos fühlen. Nicht selten habe ich mich gefragt, ob ich einer Selbsttäuschung aufsitze. Es fühlt sich an, als hätten wir weder Kontrolle noch eine Stimme, um etwas dagegen zu sagen. Gegen dieses Trauma müssen wir etwas tun. Ich habe eine Stimme.

eclipsed: Viel gefährlicher als Regierungen und Großkonzerne ist ja derzeit die Ignoranz der Massen. Dein Album gibt mir das Gefühl, mit meinen Ängsten nicht allein zu sein.

Rundle: Genau das war die Absicht. Wir leben in der Post-Wahrheits-Epoche. In den USA hatten wir diesen Paradigmenwechsel bereits vor zehn Jahren, als soziale Medien massiv die Wahlen beeinflussten. Ich bin ja selbst verunsichert und fühle mich wie der Pfeifer im Walde. Die nördliche Halbkugel steht in Flammen. Wie kann man da behaupten, das sei einfach nur der Sommer?

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