Unter den großen vier des Deutschrock – Grönemeyer, BAP, Westernhagen, Lindenberg – ist es vor allem der Bochumer, der im Laufe seiner bald 50-jährigen musikalischen Karriere die Grenzen seines Ausdrucks immer wieder neu gezogen hat, ohne jemals die Relevanz seiner textlichen Aussagen zu verwässern. Anlässlich Herbert Grönemeyers 70. Geburtstag werfen wir einen Blick zurück auf den Werdegang des deutschen Superstars.
Es gibt nicht wenige, die den in Göttingen geborenen, in Bochum aufgewachsenen Musiker dafür kritisieren, sich zu oft dem popmusikalischen Zeitgeist hingegeben zu haben. Dieser reagierte 1990 so auf die Vorwürfe: „Ich schreibe keine avantgardistische, aber schon deutsche Musik. Es ist nicht bahnbrechend, eher Mainstream.“ Nicht von der Hand zu weisen ist, dass der Musiker stets wandelbar blieb und den Spagat zwischen Innovation und Pop-Zeitgeist wagte. Viele seiner Alben lassen sich soundtechnisch exakt der Zeit zuordnen, in der sie aufgenommen wurden. Anders als der der Singer/Songwriter-Tradition verhaftete Wolfgang Niedecken oder der Stones-Adept Westernhagen sah sich Grönemeyer nie als klassischer Rock-, sondern als Popmusiker, was auch seinen ungebrochenen Willen zur Innovation erklärt, der nicht immer zielführend war, aber dem Motto eines seiner besten Alben folgt: „Bleibt alles anders“.
Dabei sah es anfangs gar nicht danach aus, dass Herbert Grönemeyer als Popstar durchstarten würde. Dem Klavierunterricht in seiner Kindheit verdankte er seinen Job als Pianist am Schauspielhaus Bochum, wo er bereits 1976 von Regielegende Peter Zadek zum musikalischen Leiter ernannt wurde. Auch wenn er dies später häufig herunterspielte, war es für einen 20-Jährigen durchaus erstaunlich. In der Folge arbeitete er zunehmend als Schauspieler am Theater wie auch in TV- sowie später Kinoproduktionen; die berühmteste ist der Klassiker „Das Boot“ (1981) von Wolfgang Petersen. Doch die Musik ließ ihn nie los, und so veröffentlichte er 1979 sein hauptsächlich aus Fremdkompositionen bestehendes Debütalbum „Grönemeyer“, das gnadenlos floppte. Auch das im Jahr darauf erschienene „Zwo“ konnte weder künstlerisch noch kommerziell überzeugen. Möglicherweise schadete ihm sein Image als Grenzgänger zwischen den Künsten, wurde er zu Beginn seiner Karriere doch oft als singender Schauspieler verspottet ...