Das Jahr 1976 gehörte ihnen, denn kaum jemand kam damals an Jane und den KaufrauschAlben „Fire, Water, Earth & Air“ und „Live At Home“ vorbei. Wir sprachen mit Manfred Wieczorke, der die LPs „Live At Home“ (1976), „Between Heaven And Hell“ (1977) und „Age Of Madness“ (1978) stark geprägt hat, und trafen die Zeitzeugen Rolf Vatteroth (Werner Nadolnys Jane) und Bernd Kunze, die damals beim Jane-Konzert am 13. August 1976 in Hannover aus dem Staunen nicht herauskamen, als Jane ihren künstlerischkommerziellen Durchbruch feiern konnten. Zudem würdigen wir den Ende Oktober verstorbenen langjährigen Jane-Gitarristen und Band-Mitgründer Klaus Hess.
Es war eine Prophezeiung, die sich erfüllen sollte: „Fire shine on me/show me the way to better days/Water cool me down/so that I can see the way...“, sangen Jane im Titelsong des im Februar 1976 veröffentlichten Albums „Fire, Water, Earth & Air“.
Die Musiker, die seit 1970 unter dem Bandnamen Jane firmierten, waren nicht unerfahren, hatten seit Mitte der 60er Jahre in verschiedenen Beat-Bands in Hannover und Umgebung Erfahrungen gesammelt. Doch erst als die Bandmitglieder ihre Instrumente tauschten, war der Weg zum Erfolg geebnet: Peter Panka stieg von Gesang auf Schlagzeug um, Klaus Hess wechselte vom Bass zur Gitarre, Charly Maucher von Gitarre zu Bass, und Werner Nadolny stieg vom Saxofon auf die Orgel um. Als im April 1971 der Sänger Bernd Pulst zur Band stieß, konnte die Band den A&R-Manager und Label-Gründer Günter Körber überreden, ihnen einen Plattenvertrag bei Brain Metronome zu spendieren. Die großartige Debüt-LP „Together“ (1972) sorgte für erste Aufmerksamkeit. Durch den Ausstieg von Pulst und Maucher begann 1973 eine Phase permanenter personeller und stilistischer Veränderungen.
So kamen Jane erst 1976 dazu, ihre ursprünglichen musikalischen Vorstellungen zu realisieren. Keyboarder Werner Nadolny lieferte Ideen für ein halbstündiges symphonisches Progrock-Stück, das alle traditionellen Jane-Zutaten in voller Stärke zusammenbrachte und die Grundlage für eine LP schuf, die aufhorchen ließ. Mit dem neuen experimentellen Kunstkopf-Verfahren aufgenommen, wurde auf der LP „Fire, Water, Earth & Air“ ein Feuerwerk entfacht, bei dem Gitarren, Synthesizer, Hammondorgel und Mini Moog den Zunder für ein erstklassiges Hörvergnügen lieferten. Rolf Vatteroth sagt dazu: „Die Rückkehr von Werner Nadolny brachte die Band endlich wieder auf Kurs. Seine tragende Rolle ist hier überall zu spüren.“
Jane marschieren an die Spitze
Die melancholische Grundstimmung des Konzeptalbums, verbunden mit dem perfekten Mix aus Gitarren- und Keyboard-Gewittern und fein gestrickten Gesangsharmonien, bietet tatsächlich ein in dieser Qualität selten zu findendes Hörvergnügen. Großen Anteil an der Umsetzung des Konzepts hatte Produzent Conny Plank, der mit viel Gespür für passende Stimmungen sorgte und den Aufnahmen ungewöhnliche Einspielungen von Feuer-, Wasser- und Luft-Geräuschen beifügte. Über die Gestaltung des Cover-Artworks gab es einen großen Krach zwischen den Bandmitgliedern, der dazu führte, dass Werner Nadolny kurz nach Veröffentlichung von „Fire, Water, Earth & Air“ ausstieg. Von der damaligen deutschen Rock-Kritik völlig unterschätzt, gilt das Album heute als eine der besten Produktionen im Brain-Katalog überhaupt. Mit „Fire, Water, Earth & Air“ schufen Jane ein zeitloses Progrock-Epos, das fünf Jahrzehnte nach seiner Erstveröffentlichung noch immer viele neue begeisterte Hörer erreicht.