Wie weit liegen eigentlich Jazz und Progrock auseinander? Manchmal nur eine Albumlänge: Als der Jazzpianist Tim Sund vor einigen Jahren Steven Wilsons Album „The Raven That Refused To Sing“ hörte, beschloss er spontan, eine Prog-Band zu gründen. So entstanden Green Desert Tree, deren zweites Album „Fighting Dragons“ nun erschienen ist. Auch wenn es lange gedauert hat: Für den inzwischen 55-jährigen Tim Sund, der sich im Jazz längst einen Namen gemacht hatte, war der Schritt hin zum Prog nur folgerichtig: „Ich habe einen Rock-Hintergrund, ich komme aus Hagen, bin als Kind mit Grobschnitt sozialisiert worden und habe mit 13, 14 schon in Rockbands gespielt“, führt der Keyboarder aus. 2016 startete er Green Desert Tree, deren Debütalbum „Progressive Worlds“ 2019 gleich richtig gute Kritiken erhielt.
Ein alter Bekannter von ihm, der seinen Werdegang mitverfolgt hat, ist Sascha Giebel. Der Gitarrist und Sänger, der erst nach der Veröffentlichung des Debüts in die Band kam und „Fighting Dragons“ auch abgemischt hat, sieht Tim Sund nun da, wo er seiner Meinung nach am besten hinpasst: „Bei Green Desert Tree ist Tim komplett bei sich, da vereint er sein musikalisches Universum. Ich habe den Eindruck, dass ihn das komplett erfüllt.“ Sund wandelt damit auf den Spuren seines „vielleicht größten Vorbilds“: Keith Emerson. „Wegen ELP bin ich Musiker geworden. Man kann fast sagen, dass mir Keith Emerson die gesamte Welt eröffnet hat, denn er hat Prog gemacht, aber da waren auch Jazzimprovisationen und klassische Musik dabei. Das sind genau die Welten, die ich mir erschlossen habe im Laufe meines Lebens.“