THE KINKS - Teil 1: Vier Fäuste für ein Shalala

16. September 2025

The Kinks

THE KINKS - Teil 1: Vier Fäuste für ein Shalala

Sie waren auf Augenhöhe mit den Beatles und den Rolling Stones, sie erfanden den Hardrock, schrieben Welthits und waren berüchtigt für ihr explosives Betriebsklima. Was blieb, ist ein schier einzigartiger Songschatz und ein Vermächtnis, das schwerer wiegt als das fast aller anderen Gründerväter des Rock. Und doch sind die KINKS heute weitgehend vergessen. Wie konnte das passieren?

Ray Davies selbst hat die Frage einmal beantwortet. Im April 1994 sagt er bei einem Konzert in den bandeigenen Konk Studios: „Alle erwarten großartige Dinge von uns, aber normalerweise vermasseln wir es.“ Grinst und schlägt die ersten Akkorde eines seinerzeit auf einer B-Seite versteckten Geniestreichs an, der schon im Titel Segen und Fluch der legendären Kinks zusammenfasst: „I’m not like everybody else.“

Peitsche für die Charts

Weiß Gott, sie waren anders, und in der Tat haben sie es immer wieder vermasselt. Dabei hätte die turbulente Reise, die der damals 19-jährige Ray Davies, sein Bruder Dave (17, Gitarre), Schlagzeuger Mick Avory (19) und Bassist Peter Quaife (20) drei Jahrzehnte zuvor antraten, kaum besser starten können. Man schreibt den 7. Februar 1964. Am Tag, als die Beatles in Heathrow zur ersten US-Visite starten, erscheint die Debütsingle der Kinks. Ihr Cover des Little-Richard-Originals „Long Tall Sally“ floppt, genauso wie die nachgeschobene Eigenkomposition „You Still Want Me“. Zu Recht, denn beide Aufnahmen zeigen kaum, was in dieser Formation steckt. Aber dann: Single Nummer drei, „You Really Got Me“, schlägt ein. Man darf das getrost wörtlich nehmen: Diese Musik ist wüster und härter als alles, was sonst in den britischen Charts zu hören ist. Stones, Pretty Things, Yardbirds und all die anderen sind dagegen Kinderkram. Allein die Gitarre lässt das Blut in den Adern gefrieren, wie eine Serie von Peitschenhieben knallt das Zwei-Akkord-Riff aus den Transistorradios der Teenager. Platz 1 im Königreich, Top Ten in den USA. Dann „All Day And All Of The Night”, selbes Strickmuster, selber Furor. Platz 2. Und wieder Top Ten in den Staaten.

Pulver verschossen? Nö, das Jahr 1965 starten die Kinks mit „Tired Of Waiting“. Wieder Platz 1 daheim. Und Nummer 6 in den USA. Dazu schafft es das Albumdebüt der Rowdys aus dem Londoner Stadtteil Muswell Hill in die Top 3. Im Frühling 1965 zählen die Kinks zur Hit-Elite des Brit-Beat. Und zu dessen originellsten Vertretern: Eine Gitarre wie die von Dave Davies hat man noch nicht gehört. Sie ist das Ergebnis eines hemdsärmeligen Experiments: Er durchlöchert die Lautsprecher-Membran seines Elpico-Übungsamps mit einer Stricknadel und schneidet mit einer Rasierklinge hinein. Das so entstandene Krächzsignal schickt er über einen Vox-AC-30-Röhrenverstärker – die Geburtsstunde des Hardrock. Der jedoch wäre um ein Haar nicht an öffentliche Ohren gedrungen: Pye Records hat „You Really Got Me“ zuvor von Produzent Shel Talmy in einer wesentlich braveren Version aufnehmen lassen, ganz ohne Fuzzgitarre. Die Band aber verweigert ihr Okay für die Veröffentlichung, produziert auf eigene Kosten die rabiatere Version und setzt sich durch – ungewöhnlich genug für ein paar blutjunge Newcomer, die noch rein gar nichts vorzuweisen haben. 

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