Man bezeichnet ihn als Gitarren-Wunderkind. Der britisch-norwegische Blues-Gitarrist und Sänger Krissy Matthews hat sich in den vergangenen Jahren als großer Kollaborateur erwiesen. In der Hamburg Blues Band ist er seit über einem Jahrzehnt Stammmitglied. 2024 entstand das Album „Krissy Matthews & Friends“, auf dem er mit mehr als 70 Künstlern zusammenspielt, darunter Legenden wie Chris Farlowe, Arthur Brown und Inga Rumpf. Im Mai beehrt er uns mit „Guitarmania“, in dessen Rahmen er mit Gitarren-Kollegen eine rauschende „Guitar Party“ veranstalten wird. Das Interview führten wir anlässlich seines Auftritts bei den Rother Bluestagen, wo er wiederum als Teamplayer mit sechs „Women Of Blues“ am Gesangsmikro auftrat.
eclipsed: Mit acht Jahren bekamst du von deinem Vater die erste Gitarre. Inwieweit hat er deine Liebe zur Musik und deine Karriere geprägt?
Krissy Matthews: Das tat er zu 100 Prozent. Meine Eltern nahmen mich seit jeher zu Auftritten mit, schon im Alter von zwei Wochen und bis heute. Ich habe meinem Vater jedes Wochenende in der örtlichen Kneipe zugeschaut und fand es cool, wollte wie mein Vater sein, also hat er mir das Gitarrenspiel beigebracht.
eclipsed: John Mayall hat dich 2004 bei einem seiner Konzerte in Norwegen auf die Bühne geholt. Wie erinnerst du dich an diesen Ausgangspunkt deiner Karriere?
Matthews: Ich wollte den „Godfather of British Blues“ treffen und hatte zuvor eine kleine Demo-CD aufgenommen, auf der „All Your Love“ zu hören war. Die habe ich John Mayall überreicht, und dann hat er mich eingeladen, ihn am Abend für diesen Song auf der Bühne zu begleiten. Außerdem war Peter Green da. Eine Erinnerung fürs Leben.
eclipsed: Neben deiner Solokarriere bist du vor allem Kooperationspartner. Hamburg Blues Band, „Krissy Matthews & Friends“ und jetzt hier mit den „Women Of Blues“. Was bringt dich bloß dazu, so viele Kooperationen einzugehen?
Matthews: Ich glaube, ich habe eine schwere Form von ADHS, wurde aber nie diagnostiziert. Na ja, aber ich habe auch viel Liebe zu geben, spiele gern mit meinen Freunden und langweile mich schnell. Auf dem Album „Krissy Matthews & Friends“ sollten eigentlich sieben oder acht Gäste zu hören sein, am Ende waren es 79! Und bei „Women Of Blues“ ist es mir wichtig, mehr weibliche Talente wie Ina Forsman, Stina Stenerud, Kim Jennett oder Heidi Joubert zu präsentieren. Die meisten meiner Lieblingssänger sind ohnehin Frauen.